Four Festival: Ein Festival für den Gemeindebau

Fabian Burstein verpasst der Oberen Wieden erstmals ein Grätzel-Festival, das Musik und Literatur in die Gemeindebauten bringt.

Fabian Burstein
Fabian Burstein
Fabian Burstein – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Es habe, sagt Fabian Burstein, auch mit der Sentimentalität zu tun. Dass er, der mittlerweile in Mannheim lebt und dort das Jugendkulturzentrum Forum leitet, ausgerechnet auf der Wieden ein neues Festival kuratiert und organisiert.

Denn der Autor und Musiker, Jahrgang 1982, ist selbst im vierten Bezirk geboren und aufgewachsen und hat schon früher die eine oder andere Kulturveranstaltung in seinen Bezirk gebracht (wie das Traurige Lied, einen Liederabend in der Bestattung Wien.)

Schon länger wollte Burstein den Bezirk nicht nur punktuell bespielen, sondern ein richtiges Grätzel-Festival auf die Beine stellen: Zwei Tage voller Lesungen, Performances und Konzerte mit einer Reihe unterschiedlicher Künstler „von Mainstream bis sehr artifiziell“. Die Leute müssen dabei nicht unbedingt extra zum Festival kommen, der Festivalbetrieb wird ihnen quasi vor die Haustür geliefert.

Und das ganz wortwörtlich. Denn mehrere Veranstaltungen des Four Festival, das am kommenden Wochenende seine Premiere feiert, finden in den Innenhöfen zweier Gemeindebauten im Vierten statt (siehe Infobox). Die Bewohner mit Fenster zum Hof haben quasi beste Sicht.

Mit der Location Alltagsort (und dem freien Eintritt) soll den Grätzelbewohnern auch die Hemmung genommen werden, zu einer Kulturveranstaltung zu gehen, „denn egal, welche kulturellen Vorkenntnisse man hat, man kann sich hertrauen“, sagt Burstein. Den Gemeindebau zur Kulturarena umzufunktionieren sieht Burstein sowohl als „Statement für Soziokultur“ als auch als „Alleinstellungsmerkmal“ seines Four Festival: Denn – und hier kann man ihm nur schwer widersprechen – „Wien wird von Festivals ja überschwemmt.“

Als weiterer Festivalort fungiert der Club Streetwork in der Belvederegasse, in dem normalerweise die Jugendarbeiter von Rettet das Kind tätig sind. Hier tritt am Samstag unter anderem die bekannte Slampoetry-Künstlerin Mieze Medusa auf. Tags darauf präsentiert der Musiker Sixtus Preiss seine begehbare Klanginstallation.

Eine spannende Idee ist das Künstler-Schaufenster: Burstein hat den Künstlern – darunter auch die in Deutschland gehypte Elektronikkünstlerin La Petite Rouge – in einer früheren Bankfiliale in der Argentinierstraße71 einen Aufenthaltsraum eingerichtet. Durch das Schaufenster können Festivalbesucher (und jeder, der vorbeikommt) beobachten, was die Künstler vor ihren Auftritten so machen. Burstein will damit den „mystifizierten Backstagebereich“ sichtbar machen und ist selbst gespannt, wie Künstler und Besucher reagieren werden. „Werden die Künstler flüchten? Kommt es, wie ich hoffe, zu einer ungezwungenen Interaktion?“

Man wird sehen. Auch, ob das Four Festival wie von Burstein erhofft wirklich als Grätzelgeschichte funktioniert und nicht nur die üblichen Kulturinteressierten in den Vierten bringt. Ein durchmischtes Publikum sieht der Kurator auch als Gradmesser für den Erfolg. Eine Wiederauflage im nächsten Jahr ist durchaus angedacht.

 

Livekonzert als Angstwort

Mit dem Budget – 8000 Euro Förderung von Bezirk und Stadt – gehen sich „faire Gagen für die Künstler“ aus, der Rest fließt in die technische Infrastruktur, eine Gage bekommt Burstein nicht. Dank der Unterstützung durch die Bezirksvorstehung hatte er die nötigen Bewilligungen rasch beisammen. Trotzdem sei die Organisation „eine Ochsentour“ mit hohem Kommunikationsaufwand gewesen. Weil etwa schon das Wort Livekonzert zu Angstreaktionen (der Lärm!) geführt habe. Weshalb Burstein gegenüber Wiener Wohnen versprechen musste, die Auftritte schon zu für ein Festival eher früher Stunde zu beenden. So muss die Familie Lässig, Wiens wahrscheinlich charmanteste Coverband um Gerald Votava und Manuel Rubey, am Sonntag im Südtiroler Hof pünktlich um 21.15 Uhr aufhören.

AUF EINEN BLICK

Das Four Festival findet am Wochenende (30. und 31.Mai) erstmals auf der Wieden statt. Schauplätze sind u.a. der Gemeindebau Belvedere (Belvedereg. 36–38), wo am Samstag die Wiedner Band Bratfisch das Wiener Lied modern interpretiert (17.30 Uhr). Im Club Streetwork (Belvederg. 24) tritt u.a. Slampoetry-Künstlerin Mieze Medusa (19.30Uhr) auf. Am Sonntag eröffnet Danielle Spera (17 Uhr) mit einer Fritz-Grünbaum-Lesung im Gemeindebau Südtiroler Hof (Schelleingasse 9–15). Hauptact ist die Coverband Familie Lässig von Gerald Votava und Manuel Rubey mit Special Guest Clara Luzia (20 Uhr). Der Eintritt ist frei. Komplettes Progamm: www.fourfestival.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2015)

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