Das eigene Leben als Kinofilm: Ein „Blockbuster“ fürs Kinderspital

Vlado Priborsky wollte immer schon einen Spielfilm drehen. Jetzt hat er es gemacht. Ohne Geld, dafür mit einer ganzen Riege prominenter Schauspieler.

Vlado Priborsky hofft auf viele Besucher für seinen No-Budget-Film.
Vlado Priborsky hofft auf viele Besucher für seinen No-Budget-Film.
Vlado Priborsky hofft auf viele Besucher für seinen No-Budget-Film. – (c) Stanislav Jenis

Es hätte ein Spielfilm werden sollen – aber eigentlich ein kurzer Film im Doku-Stil mit „ein, zwei Promis“, die man schon kannte. Doch dann hat sich die ganze Sache offenbar irgendwie verselbstständigt. Schauspieler begannen, sich von selbst zu melden, sogar an den letzten Drehtagen kamen noch neue hinzu. Für Michael Steinochner zum Beispiel hat man ganz am Ende noch eine Rolle erfunden, er spielt jetzt einen Fan von Vlado Priborsky.

Selbiger sitzt an diesem Nachmittag mit seinem Kompagnon Mario Koller im Café Rüdigerhof und wirkt, als hätte er immer schon Interviews gegeben. Und nicht wie jemand, der zuletzt als Autoverkäufer gearbeitet hat – und der jetzt mit „Blockbuster“ einen Spielfilm über sein Leben präsentiert. Immerhin, einige Kurzfilme hat Priborsky in den letzten Jahren gemacht, auch Preise gewonnen. Wirklich relevant seien sie aber wohl nur für ihn selbst gewesen.

Was blieb, war der Traum vom Spielfilm, vom großen Publikum. Drei Ideen bot er über die Jahre erfolglos den Produktionsfirmen an. „Irgendwann hab ich gesagt: Jetzt zieh' ich es einfach durch.“ Die neue Idee: einfach das eigene Leben zu verfilmen. Ohne Geld. Fürs Kino. Der Plan klingt nicht nur für Kenner der Filmbranche einigermaßen absurd; sämtliche Förderstellen winkten ab. Doch Priborsky, und das klingt jetzt wirklich wie ein Film-Plot, ließ sich nicht mehr abbringen.

 

Anfang in der Videothek

Nach Österreich kam der gebürtige Tscheche erstmals mit zwölf, nachdem sein Vater hier eine Stelle als Monteur angenommen hatte. 1986/87 sei das gewesen, erinnert er sich, und Österreich „eine andere Welt“. Eine mit Matchboxautos an der Kasse beim Zielpunkt (den grauen Porsche von damals besitzt jetzt sein Sohn). Und eine Welt der Filme. In der Handelsschule fand er seinen ersten Job – in einer Videothek. „Ich hab die Filme mit nach Hause genommen und geschaut, was das Zeug hält.“ Am liebsten Action- und Horrorfilme, Sam Raimi, John Woo.

Später, bei der Aufnahmsprüfung für die Filmakademie, fiel Priborsky trotzdem durch. „Ich hab echt keine Ahnung gehabt“, sagt er heute rückblickend. „Wenn die mich nicht wollen, werd ich es selber schaffen“, dachte er sich damals. Doch dann kam das Leben dazwischen. Jobs, Krebs, der Tod seines ersten Kindes fünf Tage nach der Frühgeburt. „Ich hatte geglaubt, dass meine eigene Erkrankung das Schlimmste in meinem Leben war“, erzählt Priborsky. „Da hatte ich mich getäuscht.“ Der Traum vom Film blieb auf der Strecke. „Wie bei einer Weltreise. Es ist dir wichtig, aber du tust es nicht“, sagt Priborsky. „So sind die Menschen.“ So wollte er nicht mehr sein.

„Das Gute war“, sagt sein Freund Mario Koller, der eigentlich bei einer Pharmaberatungsfirma arbeitet, „dass wir keine Erfahrung hatten, wie es an einem Set wirklich abläuft.“ Täglich sei ein neues Problem aufgetaucht. „Wenn wir ein Schema gehabt hätten, wären wir wahrscheinlich wahnsinnig geworden.“ So wurden in letzter Minute Unterstützer und Equipment aufgetrieben, Bücher umgeschrieben, neue Darsteller integriert. Wolfgang Rauh spielt die Hauptrolle, Alexander Pschill Mario Koller. Daneben sind etwa Ursula Strauss, Sabrina Reiter, Thomas Stipsits, Reinhard Nowak, Serge Falck, Hilde Dalik, Manuel Rubey, Hans Georg Heinke oder Harald Sicheritz dabei. In Summe haben 150 Menschen freiwillig geschuftet. „Gewisse Defizite“ in der Qualität gebe es natürlich, sagt Priborsky. Aber das sei wohl Jammern auf hohem Niveau, angesichts der Tatsache, dass sein Film nun ins Kino kommt.

Über seine Erlebnisse zu schreiben, sagt Priborsky, sei trotz allem „eine harte Nuss“ gewesen, sie zu drehen erst recht. Zwei weitere Freunde starben in der Zwischenzeit; an einer defekten Gastherme, an einem vermuteten Herzinfarkt. Auch ihren Tod hat er eingebaut. „Das klingt jetzt nach einem ziemlichen Drama. Aber eigentlich wollen wir Hoffnung stiften.“ Das Leben sei ein Geschenk, sagt Priborsky heute. Und wie ein Film: „Ein Rauf und Runter. Wir wollen zeigen, dass es wieder raufgeht. Und dass man auch dann lachen kann, wenn es nicht gerade lustig ist.“ Alles, was der Film jemals einspielen wird, soll an die Krebsforschung des St. Anna Kinderspitals gehen. Premiere ist heute im Wiener Gartenbaukino. Es ist Vlado Priborskys 40. Geburtstag.

Auf einen Blick

Vlado Priborsky wurde am 30. Juni 1975 in Tschechien geboren und kam als Kind nach Österreich. Mit „Blockbuster“ verwirklicht er nun seinen Traum vom Spielfilm – indem er seine eigene Geschichte erzählt: über seine Krebserkrankung, den Tod seines Kindes, das Festhalten am Film. 20.000 Euro Herstellungskosten wurden durch Sponsoren übernommen. Premiere ist heute im Gartenbaukino; es folgen Termine u. a. im Votivkino (3. bis 10. Juli) und in mehreren Cineplexx. Der Erlös geht an das St. Anna Kinderspital. www.blockbusterderfilm.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2015)

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