Max Simonischek: „Ich zweifle immer wieder“

Max Simonischek über seinen Weg zur Schauspielerei, sein Bedürfnis nach Austausch – und seine neue Gangsterkomödie „Desaster“.

Max Simonischek
Max Simonischek
Max Simonischek – (c) Josef Beyer

Keine Salzburger Bühne, sondern eine Gangstervilla in St. Tropez: Hier trifft man Max Simonischek in diesem Sommer, zumindest auf der Kinoleinwand. „Desaster“ dreht sich um drei zentrale Figuren („zu denen ich nicht gehöre“), die sich jeweils das Geld eines Gangsterbosses unter den Nagel reißen wollen. Simonischek, Sohn des mit 91 Auftritten rekordhaltenden Jedermann, spielt den Bodyguard der Gangsterbraut in dieser „Komödie über Gier und Dummheit.“ Und erzählt mit sozialisierungsbedingt deutschem Akzent aus dem Urlaub in Italien vom Dreh in Südfrankreich.

Eine „Herzensangelegenheit“ von Regisseur Justus von Dohnányi sei der Film gewesen, und „sehr, sehr gut besetzt“. Simonischek: „Wenn man sich die deutsche Kinolandschaft anschaut, gibt es das nicht sehr oft.“ Ebenso wenig die „Konsequenz des Films in seiner absurden Komik“. Frauen-, schwulen- und kirchenfeindlich – der Film sei alles davon. „Alles, wovor andere zurückschrecken, wird hier zugunsten der Komik durchgezogen.“

Ja, und dann habe ihm die Komödie genau das geboten, was der Theaterschauspieler sonst am Film oft vermisst: „Das Familiäre, das Vertraute, das ich brauche, um mutig zu sein.“ Dank Low-Budget-Situation (halb so viel wie für einen „Tatort“) wohnten alle gemeinsam im Haus des Hauptmotivs. „Wir haben uns gegenseitig bekocht, das Licht aufgebaut und für die Kollegen die Klappe geschlagen. Es hatte nichts von der Anonymität eines großes Sets, wo man einfach hinkommt und seine Arbeit erledigt.“

 

Lust an den Leuten

Justus von Dohnányi kennt Simonischek vom TV-Zweiteiler „Hindenburg“, mehr aber noch „aus Kindheitstagen“ aus dem Hamburger Thalia-Theater. „Das war mein Heimattheater, ich muss zehn oder elf gewesen sein, er war im Ensemble und eine der Figuren, die mich inspiriert haben.“ Simonischek wuchs bei seiner Mutter auf, das Umfeld des Theaters war ihm immer vertraut, „genauso abschreckend wie begeisternd“. Der Entschluss, sich selbst hineinzustürzen, kam erst nach dem Abitur. Ein paar Monate war er durch Alaska und Kuba gereist. Zurück, bewarb er sich am Mozarteum – es hatte „als einziger Laden noch offen“, sprich eine laufende Bewerbungsfrist. „Es gab nie diesen romantischen, berühmten Punkt. Es hat lang gedauert, und ehrlich gesagt frage ich mich immer wieder: Will ich das machen?“

Das Alles-infrage-stellen, sagt Simonischek, „das gibt es – und leider gar nicht so selten in letzter Zeit.“ Dann, „wenn man im Beruf auf Leute trifft, auf die man lieber nicht getroffen wäre. Ich merke, dass meine Lust und Faszination für den Beruf vor allem davon abhängt, auf welche Leute ich treffe.“ Er wolle, sagt der 32-Jährige, „das Gefühl haben, Lebenszeit mit Menschen zu verbringen, die mir etwas beibringen können – und ich vielleicht auch ihnen.“ Bei seinem letzten Engagement im Ensemble der Münchner Kammerspiele habe das, deutet er an, mitunter gefehlt. Er glaubte, nicht gebraucht zu werden – aber habe die Situation schließlich wenden können.

Jedenfalls ist es „eindeutig eher die Arbeit am Theater“, die er liebt, „das Geborgene, Geschützte“. Rollen sucht er danach aus, „ob sie mich als Schauspieler weiterbringen“, und wenn Simonischek das sagt, klingt es ernsthafter, als wenn man es von Kollegen hört. „Es ist schwer genug. Manchmal lockt das Geld.“ Aber solange er keine Familie habe, erlaube er sich das Neinsagen. Gerade hat er, nach zweiwöchigen Überlegungen, einem großen Filmprojekt mit 20 Drehtagen abgesagt, das ihn wegen Regisseurin, Kollegen (und ja, der Gage) gereizt hätte. Aber lieber noch führt er am Neumarkt-Theater in Zürich zum ersten Mal Regie.

Eine „Superarbeit“ sei jedenfalls sein Gastspiel im Vorjahr bei den Salzburger Festspielen gewesen, bei denen er 2003 als Koch im „Jedermann“ debütiert hat. Seine Hauptrolle in Horváths „Don Juan kommt aus dem Krieg“ sei „die spannendste Begegnung mit einem Regisseur in den letzten drei Berufsjahren“ gewesen, die Atmosphäre auf der Pernerinsel abseits des Festspieltrubels intim. „Eine angenehme und lehrreiche Zeit. Ich habe viel mitgenommen.“ Auch heuer will er in Salzburg vorbeikommen. „Ich will unbedingt die Dreigroschenoper sehen.“

ZUR PERSON

Max Simonischek wurde 1982 als Sohn der Schauspieler Charlotte Schwab und Peter Simonischek in Berlin geboren. Er absolvierte seine Ausbildung am Salzburger Mozarteum und war von 2007 bis 2009 Ensemblemitglied am Maxim-Gorki-Theater in Berlin und 2012 bis 2014 an den Münchner Kammerspielen. Im Sommer 2014 spielte er in Salzburg die Hauptrolle in „Don Juan kommt aus dem Krieg“. Am 26.September hat er mit Kafkas „Der Bau“ in Zürich Premiere. Aktuell ist er mit Justus von Dohnányi, Jan Josef Liefers und Stefan Kurt in der Schwarzen Gangsterkomödie „Desaster“ im Kino zu sehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2015)

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