Für mehr Stadt auf dem T-Shirt: "Wien ein bissl sichtbarer machen"

Siebdruckerin Katharina Blum bittet um "Zeichnungsspenden", die sich auf einer bedruckten Wien-Kollektion wiederfinden sollen.

(c) Photographer: Daniel Karner

Mops Konrad ist Profi. Wenn er fotografiert wird, hält er die Pose – so lang, wie es nötig ist. Für 60 Euro gibt es ein Meet & Greet mit ihm und seiner Besitzerin bei einem gemeinsamen Spaziergang, nebst einem Stoffsackerl mit Konrad-Motiv. Nur eine von einer ganzen Menge an Varianten, mit denen man sich an Katharina Blums aktuell laufender Crowdfunding-Kampagne beteiligen kann.

Selbige soll möglich machen, dass es Blums Siebdruck-Stücke unter dem Label Wiener Unart ab Herbst erstmals in einer ganzen Kollektion – vom T-Shirt bis zum Blazer – geben kann. Auf ihrem minzgrünen Schreibtisch steht der Prototyp einer Zeichnungsspendenbox. Demnächst wird die Box in Lokalen aufgestellt werden, wer immer will, darf seinen Beitrag zum Thema Wien – Zeichung, Text, Foto – einwerfen. „Jeder Wiener kann mitmachen“, sagt Blum – egal, ob Künstler oder Laie, und damit Teil eines „urbanen Designteams“ werden. „Wir wollen einfach sichtbarer machen, wie die Menschen ihre Stadt sehen.“

Erste Teilnehmer hat sie schon, sie reichen von ihrer Tätowiererin bis zu Haubenköchin Sabine Jäger. Am Ende wird abgestimmt, welche Entwürfe es auf die Kleidung schaffen. Blum freut sich schon darauf, sich selbst der Entscheidung zu entheben. Schon bisher hat die 33-Jährige mit Künstlern zusammen gearbeitet, deren Motive auf T-Shirts und Kleider gedruckt. Simone Fuchs (Childlab), Benjamin Steiner, David Wünsch, Nora Eckhart, Ramona Wiesinger oder Pavlina Delcheva sind einige der Namen, deren Arbeit sich schon als Wiener Unart wiedergefunden hat.

2012 hat Katharina Blum (ja, sie heißt wirklich wie die Romanfigur von Heinrich Böll) Wiener Unart (mit Sisi als Galionsfigur) gegründet. Zuvor hatte sie die Meisterklasse der Malerschule in Baden abgeschlossen, danach an der Kunstschule Wien Druckgrafik studiert, ehe sie sich endlich dem widmen konnte, wovon sie schon als 15-Jährige geträumt hatte: dem Siebdruck. Bei Advanced Minority, das sich auf den Druck von Werken nationaler und internationaler Künstler spezialisiert hatte. Blum kümmerte sich um den Druck; was, wie sie anhand von Schwierigkeiten mit Farbzusammensetzungen und Nähten schildert, nicht ganz so einfach ist, wie man vielleicht denkt. „Aber mittlerweile kann ich es.“

 

Workshops und Fan-Leiberl

Als das Unternehmen schließen musste, übernahm sie es mit einer Kollegin – und 150 Sieben. „Es ist mein Traumjob, mir ist nichts anderes übrig geblieben.“ Vom zugehörigen Geschäft hat sie sich inzwischen getrennt, vom Schlafzimmer als Standort ihres Druckkarussells auch: Mit mehreren Künstlern vom Verein Graphikkinder teilt sie sich heute ein Souterrain-Atelier, ein ehemaliges Altwarengeschäft in der Linken Wienzeile beim Naschmarkt. Hier bietet sie auch „Machs-dir-selbst-Workshops“ und erledigt Aufträge, eben erst haben sich 5/8erl in Ehr'n hier Fan-T-Shirts und Stoffsackerln abgeholt. Dass sie es mit dem Druck ernst nimmt, zeigt ihr rechter Arm: Er ist mit allem tätowiert, was mit ihrem Job zu tun hat: Da sind Schere, Waschanleitung und Walze, Sisi – und Mops Konrad.

ZUR PERSON

Katharina Blumist Malerin, Restaurateurin und Druckgrafikerin und hat 2012 das Siebdruck-Label Wiener Unart gegründet. Aktuell sammelt sie Entwürfe für eine „permanente Ausstellung auf Textil im urbanen Raum“. Dazu läuft eine Crowdfunding-Kampagne, um die junge Wiener Kunstszene auf eine Kleiderkollektion zu heben. Geplant sind zwei Kollektionen jährlich. wemakeit.com/projects/wiener-unart

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2015)

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