Ein neues Zuhause für Wiens Street Art

Wiens Street-Art-Szene wächst und etabliert sich. Kommende Woche eröffnet mit der Urban Space Gallery im siebten Bezirk eine neue Galerie.

Noch sind die Wände weiß – bis zur ersten Vernissage am kommenden Mittwoch soll sich das ändern. Die Neo-Galeristen Agnieszka Gornikowska und Michael West in ihrer Urban Space Gallery im siebten Bezirk.
Noch sind die Wände weiß – bis zur ersten Vernissage am kommenden Mittwoch soll sich das ändern. Die Neo-Galeristen Agnieszka Gornikowska und Michael West in ihrer Urban Space Gallery im siebten Bezirk.
Noch sind die Wände weiß – bis zur ersten Vernissage am kommenden Mittwoch soll sich das ändern. Die Neo-Galeristen Agnieszka Gornikowska und Michael West in ihrer Urban Space Gallery im siebten Bezirk. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Noch wirkt in der Halbgasse 18 im siebten Bezirk alles etwas improvisiert. Die Blechtonnen, die noch weißen Wände, die Metallsessel und Tische vor der Tür – ob die da längerfristig stehen dürfen, wissen die, die dort seit Monaten täglich ein und aus gehen, noch nicht genau. Aber, noch haben sie keinen gestört und sie machen aufmerksam auf das, was in dieser ruhigen Seitengasse zwischen Neubau- und Burggasse gerade entsteht: eine Galerie. Und zwar eine jener Art, bei der immer alles etwas improvisiert bleiben soll: Urban Space Gallery heißt das Kellerlokal nun. Kommende Woche wird es eröffnet und soll ein Zuhause für Wiens Street-Art-Szene werden: Graffiti, Fotografie, ein Raum für „urban exploring“, wie Michael West, einer der Neo-Galeristen, sagt.

Er selbst ist neben Paul Busk, Manuel Murel und Error einer der Künstler, die ihre Graffiti in der Eröffnungsausstellung zeigen. Damit – Busk etwa ist seit 1995 in Wien aktiv, seine Werke wurden in Ausstellungen von hier bis New York gezeigt – kommen Werke jener Künstler in die Galerie, die Wiens Stadtbild seit Jahren prägen. Später sollen die Ausstellungen regelmäßig wechseln, die Galerie soll täglich geöffnet sein, und mit dem Verkauf von Künstlerbedarf, freiem WLAN, Kaffee, Bier und Sitzecken auch so etwas wie ein Treffpunkt der Szene, ein Ort zum Arbeiten werden. Auch junge Sprayer sollen dort gefördert werden, wie Agnieszka Gornikowska sagt. Sie, Publizistikabsolventin, hat die Urban Space Gallery gemeinsam mit Grafikdesigner Michael West gegründet. Seit sich die beiden vor ein paar Jahren kennengelernt haben, sind einige gemeinsame Projekte entstanden: Urban Space, eine Event- und Künstleragentur. Oder der Urban Space Market, ein Kunst- und Modemarkt, der bisher etwa im WUK, auf dem Rathausplatz oder beim Streetlife-Festival veranstaltet wurde.

Vor gut zwei Jahren ist dann die Idee entstanden, eine Galerie zu eröffnen. „Eigentlich“, sagt Gornikowska, „haben wir ja ein ganzes Haus für urbane Kunst gesucht.“ Das ist dann an der Finanzierbarkeit gescheitert. Nach zwei Jahren Suche haben die beiden schließlich mithilfe der Leerstandsagentur Nest das alte Kellerlokal in der Halbgasse gefunden, das zuvor lang leer stand. Innerhalb von drei Monaten wurde es in Eigenregie und mithilfe etlicher Freunde zur Galerie umgebaut. Schließlich ist diese Szene eine, die immer improvisiert, Geld ist notorisch knapp. Aber die Kunstform etabliert sich. „Das ist momentan so ein Hype, Graffiti in Galerien“, sagt Michael West (übrigens ein Künstlername, West habe man ihn schon als Kind genannt).

Auch in Wien etablieren sich Galerien: In Mariahilf etwa mit dem Rabbit Eye Movement Art Space. Wiens erste Street-Art-Galerie, die Inoperable Gallery, hat vorigen Herbst allerdings geschlossen, nachdem Nicholas Platzer, einer der Betreiber und gebürtiger US-Amerikaner, zurück in seine Heimat gegangen ist. Ko-Betreiberin Nathalie Halgand hat zwar wieder eine Galerie in Wien eröffnet – die widmet sich aber eher zeitgenössischer Kunst.

Auf der Suche nach freien Mauern

„Für uns war das Aus der Inoperable Gallery ein super Zeitpunkt“, sagt Gornikowska. Dabei wächst die Street-Art-Szene, für mehrere Galerien sei leicht Platz. Auch die Kunst wird – trotz der vielen Jungen, die ihre Tags, simple Namensschriftzüge, noch in der Stadt hinterlassen – anspruchsvoller. West erzählt, er werde heute gebucht, um etwa in Firmengebäuden Wände zu gestalten. Derzeit entsteht auch ein Projekt in Zusammenarbeit mit Wiener Bezirken, die beim Finden freier Feuermauern helfen und zwischen Besitzern und Künstlern vermitteln sollen. „Wir starten einen Aufruf: Wer eine freie Wand gestalten lassen will, soll sich melden“, sagt Gornikowska. Schließlich sind in den Street-Art-freundlichen Bezirken, dem Siebenten etwa, freie Flächen mittlerweile rar.

AUF EINEN BLICK

Agnieszka Gornikowska und Michael West eröffnen mit der Urban Space Gallery in der Halbgasse 18 im siebten Bezirk demnächst auf 155 Quadratmetern die größte Galerie für urbane Kunst Österreichs. Die Vernissage der Eröffnungsausstellung findet am Mittwoch, dem 4. Mai, von 17 bis 22 Uhr statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2016)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Ein neues Zuhause für Wiens Street Art

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.