Die Kennedys: Übergroß im Leben und im Tod

Ted Kennedy liegt im Sterben, über Jackie, die heute 80 würde, erschien ein Skandalbuch: Die berühmte Familie bietet immer noch Stoff für Tragödien.

(c) AP

Der alte Löwe kämpft mit dem Tod. Während in Washington der Kongress um sein Lebenswerk – die Gesundheitsreform – feilscht, hat sich Ted Kennedy zum Sterben nach Hyannis Port zurückgezogen, dem feudalen Sitz des Kennedy-Clans auf Cape Cod (Massachusetts). Freunde rechnen täglich mit dem Schlimmsten, in den Zeitungen erscheinen Storys, die sich wie halbe Nachrufe lesen. Ein Hirntumor im Endstadium zwingt den 77-jährigen Senator ans Krankenbett. An besseren Tagen ließ er es sich jedoch auch zuletzt nicht nehmen, mit dem geliebten Segelboot vor der Atlantikküste zu kreuzen.

Wie dramatisch es um den Patriarchen der Politdynastie steht, wurde deutlich, als US-Präsident Obama bei seinem Besuch im Vatikan Papst Benedikt XVI. einen Brief Kennedys überreichte – mit der Bitte, ihn in seine Gebete einzuschließen. Der alte Sünder, der notorische Frauenheld und Partytiger, bleibt eben bis zum letzten Atemzug ein echter Ire.

40 Jahre ist es dieser Tage her, dass ihm ein Unfall auf der Insel Martha's Vineyard zum Verhängnis wurde und seine Präsidentschaftsambitionen zunichtemachte. Nach einer Party krachte er mit dem Auto von einer Brücke in einen See. Erst Stunden später meldete er den Vorfall. Da war seine Beifahrerin, die Sekretärin Mary Jo Kopechne, längst tot.

Die Affären und Tragödien der kinderreichen Kennedys, dem amerikanischen Äquivalent der Royals, lassen die USA nicht los. In ihren Triumphen und ihren Abstürzen führten sie ein Leben „bigger than life“, wie es die Amerikaner nennen. In den Kennedys vereint sich die Macht Washingtons mit dem Glamour Hollywoods – eine Allianz, die Vater Joseph mit seinen Amouren zu Gloria Swanson und Marlene Dietrich begründete, lange vor der Liaison seiner Söhne mit Marilyn Monroe und Angie Dickinson.

Allen Skandalen zum Trotz hielt Ted, der letzte und jüngste der Kennedy-Brüder, den Clan zusammen. Als 1999 John junior, JFKs Sohn, mit seinem Flugzeug im Nebel ins Meer stürzte und starb, blieb Ted nichts anderes übrig, als die Fackel der Familientradition selbst weiterzutragen.

Wie zu ihren besten Zeiten schweigt der Clan auch jetzt die Schmuddelgerüchte über eine Affäre zwischen Robert und Jackie Kennedy tot, die in diesem Sommer hochlodern. Der 1968 ebenfalls einem Attentat zum Opfer gefallene Bruder John F. Kennedys Robert und JFKs Frau sollen einander nach JFKs Ermordung nicht nur Trost gespendet haben, sondern auch nähergekommen sein, behauptet C. David Heymann in seinem Buch „Bobby and Jackie. A Love Story“. Der Autor, auf Skandalbiografien spezialisiert, hat in Geheimdienst- und FBI-Archiven gestöbert und manch hübsche Anekdote ausgegraben. „Man musste schon taub, dumm und blind sein, um das nicht zu bemerken“, zitiert er einen Freund der Familie. „Sie turtelten wie zwei Teenager“, so der Sohn Franklin D. Roosevelts. Robert hat angeblich gedroht, Jackie könne ihren Verehrer, den Reeder Aristoteles Onassis, „nur über meine Leiche“ heiraten. Was sie vier Monate nach dem Anschlag auf den Präsidentschaftskandidaten dann auch getan hat.

Im Übrigen soll Jackie – und nicht Roberts Frau Ethel – die Entscheidung getroffen haben, die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen.

Die Präsidentenwitwe und ihr Schwager, ein verheirateter elffacher Vater: Was für eine pikante Facette in der Kennedy-Saga – fast zu schön, um wahr zu sein. Pech, dass die meisten der Kronzeugen wie Schriftsteller Truman Capote, auf die Heymann sich beruft, dazu nicht Stellung beziehen können, weil sie inzwischen gestorben sind.

Verbürgt ist indes JFKs Beziehung mit Mimi Beardsley, einer damals 19-jährigen Volontärin im Weißen Haus, die bis zu seiner Ermordung andauerte. Ihre Memoiren dürften im nächsten Jahr zum Bestseller werden: Die Trademark Kennedy, gewürzt mit einer Prise Sex, verkauft sich ganz von allein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2009)

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