Refugium Hochstrass: Wie man ein Kloster weckt

Eigentlich wollten Anja und Claus Ziegler nur eine kleine Landwirtschaft kaufen. Entstanden ist ein Seminarhotel im Schulkloster.

Julia und Anja Ziegler vor dem alten Schulkloster, das nun ein Refugium sein soll.
Julia und Anja Ziegler vor dem alten Schulkloster, das nun ein Refugium sein soll.
Julia und Anja Ziegler vor dem alten Schulkloster, das nun ein Refugium sein soll. – (c) Stanislav Jenis

Julia und Anja Ziegler sind ins Kloster gegangen. Aber karg und entbehrungsreich, wie man sich das Klosterleben so vorstellen würde, ist ihr Leben im alten Schulkloster Hochstrass eher weniger. Vielmehr ist daraus mittlerweile ein elegant-schlichtes, nicht luxuriöses, aber doch recht komfortables Refugium geworden. Aber von Anfang an: Julia, die Tochter, und ihre Eltern, Anja und Claus Ziegler, Unternehmer aus dem Waldviertel, hatten bis vor vier Jahren mit Hotels und dem Klosterleben nichts zu tun.

Nachdem sich Tochter Julia aber für die Landwirtschaft interessiert und eine entsprechende Ausbildung gemacht hat, haben sich die Zieglers schließlich auf die Suche nach einer kleinen Landwirtschaft in Niederösterreich gemacht. „So sind wir 2012 auf dieses Areal gekommen, es war mit 167 Hektar als Jagd und Landwirtschaft ausgeschrieben, der Makler hat uns dann so nebenbei gesagt, dass dort auch noch ein Kloster steht“, erzählt Anja Ziegler. Der Rest – von vielen Ideen zur Konzeption, zum Kauf und Umbau – ist dann fast schnell gegangen.

Nun ist das alte Kloster der Schwestern der Wiener Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe in Hochstrass, zwischen Wienerwald und Mostviertel, aus dem 2009 die Schülerinnen und 2011 die letzten Schwestern ausgezogen sind, ein Refugium geworden. Ein Hotel, Seminarzentrum, eine Hochzeits- oder Feierlocation, ein Landwirtschaftsbetrieb, in dem Lebensmittel, die im Betrieb gebraucht werden, selbst produziert werden. Und doch noch ein Ort des Rückzugs, in dem die Klostertradition weiterleben soll, wie Anja Ziegler betont: „Wir wollen die Vergangenheit nicht vergessen, es kennt auch jeder in der Gegend den Ort als Kloster.“ In den vergangenen Monaten wurde das Refugium nun im Probebetrieb geführt, kürzlich wurde Eröffnung gefeiert.

Heute tragen einige Zimmer die Namen von Klosterfrauen – Maristella, Notburga, zum Beispiel. Die alte Kapelle im Erdgeschoß wurde liebevoll restauriert – der Denkmalschutz war bei dem Projekt von Anfang an an Bord –, unter anderem, indem alte Böden und Wände freigelegt und restauriert wurden. Nun ist es eine hauseigene Hochzeitskapelle für bis zu 120 Leute – für Paare, die ohne Segen heiraten wollen, kann der Altar auch mit einer Wand verhüllt werden. Auch für die morgendlichen Meditationen können Seminargruppen den Raum nun nutzen. Die Lebensart der Ordensfrauen, das ursprüngliche Leben, in Ruhe und nahe an der Natur, soll im Hotel Kloster Hochstrass nun beibehalten werden. In den Zimmern gibt es keine Fernseher – unter anderem deshalb haben die Zieglers auch, wie mittlerweile viele Hotels – auf eine Sterne-Klassifizierung verzichtet. Auch Angebote in Richtung Ruhe und Einkehr soll es geben: Fastentage, Offline-Tage und Ähnliches.

Das Wasser kommt aus dem hauseigenen Brunnen, geheizt wird mit Holz aus dem Wald, Cola und andere Softdrinks gibt es nicht, dafür selbstgemachte Limonaden – und nach und nach, sobald der Pächter in Pension geht, sollen auch die landwirtschaftlichen Flächen wieder selbst genutzt werden – das Projekt von Tochter Julia Ziegler. Sie will dort unter anderem Schafe und Hühner halten, den Baumbestand verjüngen, vielleicht eine eigene Käserei einrichten. Und den Rest von den Bauern in der Region kaufen.

 

Mit dem Segen der Schwestern

Dort, in einer eher strukturschwachen Gegend, ist das Refugium ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor. Und so seien, so erzählt es Anja Ziegler, auch die Ordensfrauen, die zuletzt dort gelebt haben, bei ihren Besuchen auf der abgeschiedenen Anhöhe ganz zufrieden mit der weltlichen Nachnutzung ihres alten Klosters gewesen. Schließlich wird das Erbe des Schulklosters, das dort seit 1890 bestanden hat, weiter gepflegt. Etwa, indem ein Großteil des Klosterinventars aufbewahrt wurde und nun in jedem der 40 Zimmer ein Stück davon steht – ein alter Schulsessel, ein Spiegel oder ein Kleiderschrank. „Wir haben zuvor zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen geführt“, sagt Anja Ziegler. Und versichert, dass sie den „Guten Geist der Vergangenheit“ weiter wirken lassen will.

Auf einen Blick

Anja und Claus Ziegler sind eigentlich Unternehmer aus dem Waldviertel. Nachdem sich Tochter Julia aber intensiv mit Landwirtschaft befasst, wollte die Familie eigentlich nur einen kleinen Hof kaufen und hat dabei 2012 das alte Schulkloster Hochstrass gefunden. So entstand die Idee, dieses zum Seminarhotel umzubauen. Der Werkzeugmacherbetrieb wurde verkauft, in Hochstrass entstand ein Seminarzentrum, Hotel, ein Ort für Hochzeiten oder zu Rückzug und Einkehr. Und ein Ort, an dem auch der Geist des Klosterlebens weiter wirken soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2016)

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