Plagiatsstreit: Gestohlene Vampire?

Stephenie Meyer, Autorin der „Twilight“-Vampirserie, wird beschuldigt, Teile ihrer Erfolgsbücher abgeschrieben zu haben.

(c) Reuters (Mario Anuozi)

Wie viel Kreativität entspringen moderne Vampirgeschichten? Ist das untot-konservative Traumpaar Bella und Edward aus der „Twilight“-Serie am Ende nur gestohlen? Gegen solche Vorwürfe setzt sich Autorin Stephenie Meyer derzeit zur Wehr.

Konkret geht es um diese Geschichte: Ein Teenager-Mädchen trifft an seiner neuen Schule einen netten Vampirbuben, verliebt sich in ihn, erlebt an seiner Seite etliche Abenteuer und heiratet ihn schließlich – um kurz nach der Geburt des gemeinsamen Kindes selbst zur Blutsaugerin zu werden.

Soweit jedenfalls der Plot der erfolgreichen „Twilight“-Bücherserie der amerikanischen Autorin Stephenie Meyer. Vier Bücher, im Deutschen unter Titeln wie „Bis(s) zum Morgengrauen“ oder „Bis(s) zum Ende der Nacht“ erschienen, hat die 35-jährige Mormonin bis jetzt verfasst. Mit rund 70 Millionen weltweit verkauften Exemplaren zählt die Serie besonders unter weiblichen Jugendlichen zu den erfolgreichsten Büchern überhaupt. Auch im Kino – verfilmt wurden bisher die ersten beiden Bände der Serie – hielten sich die „Bis(s)“-Filme mehrere Wochen lang an der Spitze der Ticketcharts.

Ein Erfolg, der eigentlich gestohlen ist – behauptet jetzt zumindest die 19-jährige Autorin Jordan Scott. Scott, selbst Amerikanerin und (erfolglose) Autorin von Vampirgeschichten, will nämlich „verblüffende Ähnlichkeiten“ zwischen ihrem Erstlingswerk „The Nocturne“ und Meyers viertem Band „Bis(s) zum Ende der Nacht“ entdeckt haben. Folglich hat sie eine Klage gegen Meyer eingebracht, weil diese von ihrem geistigen Eigentum profitiere.

Konkret wirft die junge Schriftstellerin Meyer und ihrem Verlag vor, dass die Idee von der Verwandlung der Hauptfigur zu einem Vampir, mehrere Liebesszenen und die Komplikationen bei der Geburt von Bellas Kind direkt aus Scotts Buch entnommen seien.


Meyers Sprecher haben die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen; die Autorin hätte bis zu der Klage noch nie von Scott oder ihrem Buch gehört. Ganz unangenehm wird ihr die Klage aber doch nicht sein. Auch andere Erfolgsautoren wie Dan Brown oder Joanne Rowling haben in der Vergangenheit bereits Plagiatsklagen abgewehrt und profitierten gleichzeitig von der durch den Prozess verstärkten Aufmerksamkeit für ihre Werke.

Ein Effekt, der auch der Klägerin zugutekommt: Durch ihre Klage ist Jordan Scott über Nacht berühmt geworden – ihr Buch ist seit Kurzem ausverkauft.

Zur Person

Stephenie Meyer hat mit der „Twilight“-Serie knapp 70Mio. Bücher verkauft. In den kitschigen Vampirromanzen propagiert die Mormonin Werte wie Enthaltsamkeit vor der Ehe. [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2009)

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