Romana Zöchling: Von Bildern auf den Blusen

Die Designerin Romana Zöchling verarbeitet künstlerische Bilder zu Kleidungsstücken. Ein reiner Fotodruck sind ihre Werke allerdings nicht.

 Die Modedesignerin Romana Zöchling in ihrem Geschäft in Wien Neubau.
 Die Modedesignerin Romana Zöchling in ihrem Geschäft in Wien Neubau.
Die Modedesignerin Romana Zöchling in ihrem Geschäft in Wien Neubau. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Es war ein Bild, das der Fotograf während seiner Zeit beim Bundesheer gemacht hatte. Eine Landschaft im Waldviertel, eine eindrucksvolle Szenerie. Romana Zöchling wollte das Bild nicht als Bild stehen lassen, es war zu mehr bestimmt. Sie ließ die Fotografie auf Stoffe drucken und machte das, was ihr Beruf von ihr verlangte: Mode. Aus den Baumstämmen wurden Blusen. Das Ergebnis war schön, befanden Zöchling und der Fotograf Severin Koller. So landeten mehr fotografische Motive auf ihren Designs: Straßenszenen aus Wien, Strommasten in Mexiko, eine einsame Möwe auf dem Dach, Graffitis an Hauswänden, surreal anmutende Aufnahmen eines Tänzers, der gerade in Bewegung war.

Ein reiner Fotodruck sind die Designs von Zöchling freilich nicht. Viel mehr entnimmt sie den Fotos einzelne Details und gestaltet rundherum das Kleidungsstück, das bei ihr grundsätzlich einen minimalistischen – man kann sagen: skandinavischen Schnitt hat. Das Ineinanderspielen von Fotografie und Mode sollte zum Markenzeichen des Labels Ferrari-Zöchling werden, das die Designerin gemeinsam mit Monica Ferrari-Krieger vor drei Jahren gegründet hat. „Ich will Kleidungsstücke mit einer künstlerischen Geschichte aufladen“, sagt Zöchling, die das Label mittlerweile allein weiterführt. Derzeit wird das Label als Designer des Monats im Museumsquartier, MQ Point, ausgestellt; ihre aktuelle Kollektion zieren Fotografien von Madeleine Nostitz, die mit einer kaputten Digitalkamera wundersame, verschwommene Szenen einfängt. Werke der Künstlerin Hatschepsut Huss sind auf Zöchlings Designs ebenso zu finden wie grobe Filzstiftzeichnungen.

Unkonventionell und transparent

Nach dem Studium an der Modeschule Hetzendorf eröffnete Zöchling gemeinsam mit befreundeten Kreativen das Atelier Schneiderhof in Wien, das als Werkstätte für Workshops diente, als Ausstellungsraum für Fotografie, als offener Raum für Kunst. In dieser Atmosphäre eines kontinuierlichen Austauschs zwischen Kunst und Mode verschwammen für Zöchling die Grenzen beider Elemente, wiewohl sie sagt, dass Mode ohnehin von Fotografie abhängig sei. „In den vergangenen Jahren ist auch der Digitaldruck zugänglich geworden. Jetzt kann man auch 25 Meter Stoff bestellen. Früher war das nur für die große Industrie möglich.“ Zwei Kollektionen produziert die Designerin im Jahr, dabei ist ihre Suche nach Fotografen und Künstlern genauso unkonventionell wie die nach ihren Models. Erstere fallen ihr quasi im Vorbeigehen auf, die Models, die oft keine Models sind, spricht sie mitunter auf der Straße oder in der U-Bahn an.

Seit Dezember betreibt Zöchling ein eigenes Geschäft in der Kirchengasse in Wien Neubau. Auch hier verschwimmen die Grenzen zwischen ihrem lichtdurchfluteten Verkaufsraum und dem Atelier mit Scheren an den Wänden, die Besucher können ihr im hinteren Zimmer, „backstage“, wie sie sagt, beim Nähen praktisch über die Schulter schauen. Das sei auch ihre Art, Mode transparent zu machen, sagt die Designerin. Den Zugang zu ihrer Arbeit beschreibt sie als handwerklich; wenn manche Modemacher besser beim Entwerfen sind, sei sie eher praktisch veranlagt, da sitze sie lieber an der Nähmaschine. So zeitlos und klar ihre Schnitte auch sein mögen, manchmal hole sie sich auch Inspiration aus dem opulenten Asien. Da entstehen schon einmal kimonoartige Overalls. Und diese, sagt sie, würde sie schon gern einmal in Asien ausstellen.

Auf einen Blick

Ferrari-Zöchling. Vor drei Jahren hat die Designerin Romana Zöchling das Label mit ihrer damaligen Partnerin gegründet. In ihre minimalistischen Kleidungsstücke arbeitet Zöchling Fotografien von verschiedenen Künstlern ein. Ferrari-Zöchling, Kirchengasse 27, 1070 Wien. Derzeit ist das Label Designer des Monats im Museumsquartier-Shop MQ Point. Vom 4. bis 20. August stellt Zöchling das Label beim Kunstfestival Perspektiven Attersee aus.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2016)

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