Violetta Schurawlow: Die Taxlerin in der Hölle Wiens

Violetta Schurawlow spielt die Hauptrolle in Stefan Ruzowitzkys Thriller „Die Hölle“. Dafür schlief sie „mit dem Drehbuch unter dem Kopfkissen“.

Ging bei der Vorbereitung auf ihre Rolle an ihre Grenzen: Violetta Schurawlow.
Ging bei der Vorbereitung auf ihre Rolle an ihre Grenzen: Violetta Schurawlow.
Ging bei der Vorbereitung auf ihre Rolle an ihre Grenzen: Violetta Schurawlow. – (c) Stanislav Jenis

Sie habe sich diese Frage selbst schon gestellt, sagt Violetta Schurawlow und hält kurz inne, um noch einmal nachzudenken. Vielleicht fällt ihr ja jetzt eine Szene ein, die sie als ihre Lieblingsstelle bezeichnen könnte. „Nein, wirklich nicht“, meint sie schließlich resignierend, fast so, als wäre es ihr unangenehm. „Ich liebe jede einzelne Szene, der Film ist einfach großartig geworden, ich kann das ohne die geringste Einschränkung sagen.“

Ihr nicht zu glauben fällt schwer, spricht sie doch mit so viel Begeisterung über die Zusammenarbeit mit Regisseur Stefan Ruzowitzky („Er versteht es total, jemandem Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln“) und die Dreharbeiten in Wien – vor allem über die spektakuläre Autoverfolgungsjagd, die am Stadtpark beginnt, quer durch die engen Gassen der Innenstadt führt und nach zwei Frontalzusammenstößen am Ring mit einem Überschlag auf dem Schwedenplatz und dem Sprung der Hauptdarstellerin in den Donaukanal endet.

Eine Woche dauerte im März 2016 der Dreh dieser Szene, die im Film gerade einmal zwei Minuten ausmacht. Der Höhepunkt des Thrillers „Die Hölle“ (Kinostart am 19. Jänner), dessen Actionszenen sich vor vergleichbaren Genrestreifen aus Deutschland und Frankreich nicht verstecken müssen.

Die Stunts absolvierte Schurawlow größtenteils selbst. Mehrere Monate trainierte die 30-jährige Schauspielerin, die in Usbekistan geboren wurde und in Deutschland aufwuchs, für die Rolle der Thaiboxerin Özge, die als türkische Taxifahrerin in Wien zufällig einen grausamen Ritualmord beobachtet und fortan als unliebsame Zeugin vom Mörder (gespielt vom ägyptischen Bösewicht vom Dienst, Sammy Sheik) gejagt wird.

 

„Fasziniert vom Stadtleben“

Um Ruzowitzky („Anatomie“, „Die Fälscher“, „Cold Blood“) zu überzeugen und diese begehrte Rolle zu bekommen, habe sie „gedacht, gefühlt und geatmet wie Özge“, erzählt sie. „Ich schlief mit dem Drehbuch unter meinem Kopfkissen, so fasziniert war ich von Özges Persönlichkeit und ihrem Abenteuer.“ Fasziniert war sie auch von Wien und „dem Stadtleben hier“, sodass sie kurzerhand beschloss, von Köln nach Klosterneuburg zu ziehen, wo sie seit den Dreharbeiten lebt. „Klosterneuburg deshalb, weil ich Katzen habe und ein bisschen Natur um mich haben wollte.“

Trainieren musste Schurawlow im Übrigen nicht nur ihren Körper für die Actionszenen, sondern auch ihre Aussprache, spielt sie doch eine in Wien aufgewachsene, türkischstämmige Österreicherin. „Das war gar nicht so einfach und nahm einige Monate in Anspruch“, sagt sie. „Das Schwierigste war das Verinnerlichen der Sprachmelodie, die ja den Wiener Dialekt besonders stark ausmacht.“

Dass ihre Filmfigur Özge ihre Wurzeln in der Türkei hat, sei dem Umstand zu verdanken, dass sie eine Muslimin sein musste und die größte muslimische Gruppe in Wien nun einmal Türken sind. Er habe ein Wien zeigen wollen, „wie ich es erlebe“, sagt Ruzowitzky. „Eine moderne, urbane Großstadt, durchaus schnell und hart, wenn man das touristische Zentrum verlässt.“ Wie in jeder Metropole hätten alle einen Migrationshintergrund. „Es ist nur die Frage, in der wievielten Generation. Wie in jeder Metropole definiert man sich nicht darüber, sieht sich deswegen schon gar nicht als wandelnder Problemfall: Ob man's draufhat oder nicht, zeigt sich an anderen Dingen.“

In Özges Fall zeigt es sich an so mancher Front – etwa an ihrer festen Entschlossenheit, den Mörder ihrer Cousine zur Strecke zu bringen. Oder an ihrer Entscheidung, deren Tochter nicht jemandem zu überlassen, der, sagen wir, ein Geheimnis mit sich herumträgt. Und nicht zuletzt an ihrer Fähigkeit, das Geschehene ruhen zu lassen und sich jemandem hinzugeben, dessen Geschichte jener von Özge nicht unähnlich ist. Obwohl beide – der Zyniker und seine „Taxlerin“ – eine Weile brauchen, bis sie das verstehen und an einem Strang ziehen. Gespielt wird dieser Jemand von Tobias Moretti, der als Polizist Christian Steiner die coolste, überzeugendste Performance der vergangenen Jahre abliefert.

Zur Person

Durchbruch. Violetta Schurawlow (30) wurde in Usbekistan geboren und wuchs in Deutschland auf. Nach ihrer Schauspielausbildung an der Theaterakademie Köln spielte sie unter anderem in den Kinofilmen „Honig im Kopf“ und „Halbe Brüder“ mit. Die Hauptrolle in Stefan Ruzowitzkys Actionthriller „Die Hölle“ (Kinostart am 19. Jänner) an der Seite von Tobias Moretti und Robert Palfrader ist der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2017)

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