Die Gastgeberin mit Heimvorteil

Die neue Organisatorin Maria Großbauer über den „Eat the Rich“-Protest, ihr Lästigsein für Lagerfeld und den Opernball als „Ort der Vielfalt“.

Maria Großbauer in der Staatsoper, wo sie am Donnerstag erstmals Gastgeberin ist.
Maria Großbauer in der Staatsoper, wo sie am Donnerstag erstmals Gastgeberin ist.
Maria Großbauer in der Staatsoper, wo sie am Donnerstag erstmals Gastgeberin ist. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Presse: Was war die größere Überraschung – wie viel als Opernballchefin zu tun ist, oder wie viele Freunde man plötzlich hat?

Maria Großbauer: Dass man viel zu tun hat, war nicht so eine Überraschung, das kann man erwarten bei einer Veranstaltung von dieser Dimension. Aber wenn man mittendrin ist, denkt man sich trotzdem, es ist schon sehr viel. Und so viele Freunde mehr? Es hält sich eigentlich in Grenzen.

Und das Gegenteil, dass man plötzlich auch Feinde hat?

Damit muss man auch rechnen, das gibt's halt auch. Klar, es ist eine exponierte Position. Egal, was man macht, dem einen gefällt das, dem anderen nicht. Aber es ist auch schön, wenn sich die Menschen involvieren. Solange man sich im weitesten Sinn mit der Oper befasst, bin ich glücklich.

Seit Langem gibt es erstmals wieder eine Opernball-Demo. Motto: Eat the Rich. Wie erklären Sie sich das?

Grundsätzlich halte ich das Demonstrationsrecht für wichtig. Ich trete auch gern mit allen in Dialog. Und ich finde, man muss die Sache ein bisschen differenzierter betrachten: Ja, man feiert hier – das Feiern gehört auch zum Leben – gerade in unsteten Zeiten. Es ist ein Fest einer Kulturinstitution, der Opernball ist eine wichtige Einnahmequelle für diese Institution. Und er erzielt auch eine hohe Wertschöpfung. Es werden rund 50 Firmen beim Umbau und den Vorbereitungen mit einem Auftragsvolumen von 1,4 Millionen Euro beschäftigt. Und dann gibt es natürlich die Friseure, Kellner, Taxifahrer etc., die indirekt am Opernball teilhaben. Außerdem haben wir eine ganze Reihe an Benefiz-Aktivitäten auf die Beine gestellt, die Einnahmen kommen der Gruft und Superar zugute.

Ihre Vorgängerin wurde zur Zielscheibe, weil sie mit einem Banker verheiratet ist, Sie selbst sind die Frau des Philharmonikerchefs. Man hat das Gefühl, da liegt noch Unausgesprochenes in der Luft.

Ich finde es unfair, dass Frauen so hingestellt werden, als hätten sie ihren Job nur wegen ihres Mannes. Bei einem Mann würde man das nie tun. Das finde ich im Jahr 2017 sehr eigenartig, aber ich nehme es zur Kenntnis. Ja, ich bin mit meinem Mann verheiratet und der ist gewählter Vorstand der Wiener Philharmoniker. Und ich komme aus einer Musikerfamilie und habe eine langjährige Beziehung zur Wiener Staatsoper. Auf der einen Seite wünscht man sich eine Person mit Beziehungen – da kommt schon die Frage: Haben Sie überhaupt ein Netzwerk? Wie bringen Sie Logengäste und Sponsoren? So funktioniert es im Geschäftsleben: dass man auf Menschen zugeht und Kontakte pflegt. In Wien heißt es Freunderlwirtschaft, international Networking. Übrigens finde ich, kann man niemandem vorwerfen, wenn jemand für eine Position eingesetzt wird, wo neben Kompetenz und Erfahrung auch ein Hintergrundwissen und vielleicht sogar eine persönliche Liebe zu einer Sache von Vorteil sind.

Sie haben das Schwarze Kameel nach Jahrzehnten wieder an Bord geholt, im Vorfeld des Balls gibt es dort eine Eisbar. Zur Eröffnung gab es Austern, auf dem Ball gibt's dann – österreichischen – Kaviar. Macht man sich damit angreifbar?

Nein, denn es gibt zum ersten Mal auch einen Slow-Food-Bereich. Der Opernball soll eine Vielfalt zeigen, mit Schwerpunkt Österreich. Die Austern, die – wie auch eine bodenständige Gulaschsuppe und Würstel – seit Jahrzehnten dazugehören, werden wir deshalb nicht entfernen. Über den Slow-Food-Bereich auf der Hinterbühne freue ich mich übrigens ganz besonders, da gibt es eben beispielsweise auch eine Brettljause. Butterbrot und Kaviar sind kein Gegensatz.

Sie haben ein großes Konzept vorgelegt. Ich habe gehört, Sie hätten sogar noch mehr vorgehabt . . .

Eigentlich hab ich eh alles geschafft. Es hat ganz kleine Adaptionen gegeben. Aber wenn man eine Gesamtidee hat, muss man das in mehreren Details spüren. Wenn ich nur den Blumen ein Opernthema gebe, und alles andere bleibt wie vorher, dann ist das für mich kein stimmiges Bild.

Das heißt, es war eine Weichenstellung für die nächsten Jahre?

Genau, das Gesamtthema soll bleiben, zumindest so lange ich bleibe. Und gewisse Umbauten sind natürlich auf mehrere Jahre angelegt. Die Blumen oder die Damenspenden werden dann ein neues Opernthema bekommen. Es gibt auch noch Räume, die man noch hübscher machen könnte.

Wie kam es genau dazu, dass Karl Lagerfeld die Tiaras gestaltet hat?

Das mit der Tiara war von Anfang an ein Topthema. Marketing-Tool klingt zu kühl, aber für mich war da noch Potenzial da. Es haben tolle High-Jewellery-Designer entworfen, aber die waren einer breiteren Öffentlichkeit nicht so ein Begriff. Ich bin aktiv auf Swarovski zugegangen und war dann schon ein paar Wochen sehr, sehr lästig. Ich wusste, das Haus Swarovski hat die Kontakte, arbeitet mit allen Modehäusern zusammen – und es gibt ja einige Designer mit Opernbezügen. Irgendwann hab ich mit Nadja Swarovski telefonieren können, und wir haben beide gesagt: Karl Lagerfeld. Ich weiß noch genau, im August haben wir uns in Salzburg getroffen, und da hat sie mir erzählt: Er hat ja gesagt!

Kommt er?

Ich hoffe. Ich weiß, er hat an dem Tag eine Fendi-Show in Mailand, aber der Ball beginnt ja erst um 22 Uhr.

ZUR PERSON

Maria Großbauer, 1980 als Tochter des Wiener Philharmonikers Karl Jeitler geboren, hat Saxophon studiert und war in der Werbung tätig. Am Donnerstag fungiert sie erstmals Gastgeberin auf dem Opernball. Zuletzt eröffnete sie mit Peter Friese dessen Opernball-Eisbar vor dem Schwarzen Kameel. Daniel Spoerri hat dafür Hunderte Stöckel von Damenschuhen verarbeitet.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2017)

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