Ehrung

Kruder & Dorfmeister: Nach 14 Jahren hat's gepasst

Sie waren einst nicht nur in Wien weltberühmt. Dafür haben Kruder & Dorfmeister sich nun ihr 2003 zuerkanntes Goldenes Verdienstzeichen abgeholt.

Peter Kruder (l.) und Richard Dorfmeister bei der Verleihung ihrer Orden im Wiener Rathaus.
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Peter Kruder (l.) und Richard Dorfmeister bei der Verleihung ihrer Orden im Wiener Rathaus.
Peter Kruder (l.) und Richard Dorfmeister bei der Verleihung ihrer Orden im Wiener Rathaus. – Imago

Wenn so ein Kulturstadtrat jemanden anschmusen möchte, dann hat er es auch nicht immer leicht. Mit einem wehen Zug um den Mund erzählt Andreas Mailath-Pokorny zuweilen von seiner leicht tristen Überreichung des Goldenen Rathausmanns an Bob Dylan. Hoffnungsfroh wartete der groß gewachsene Politiker vor des Künstlers Garderobentür. Irgendwann öffnete sich dieselbe. Mailath-Pokorny sah einen Cowboyhut von oben, ein Dylan'sches Tentakel fuhr aus, ergriff die Statue, presste ein „Thanks“ heraus und kleschte das Türl wieder zu. Bei Kruder & Dorfmeister, jenem Duo, das 1993 mit seinem zart verhuschten Downbeat Wien wieder auf die internationale Musiklandkarte brachte, erging es ihm eine Spur besser. Er musste sich bloß zehn Tage weniger als 14 Jahre gedulden, um ihnen das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien auf die Brust heften zu können. Ausstellungsdatum der Würdigung ist tatsächlich der 25. März 2003. Mal waren die Burschen gerade in Rio, dann wieder in Tokio und ein drittes Mal in New York. Jetzt hat es endlich gepasst.

Schläfrige Grooves

Familie, Freunde, Weggefährten lauschten der launigen Rede des Stadtrats, der im Laufe der Zeremonie noch einen Posten als MC (Master Of Ceremonies) von Peter Kruder angeboten bekam. Mailath-Pokorny stellte den Wien-Bezug pflichtbewusst heraus, aber auch sein Ansinnen, nicht nur die Vertreter der hehren Klassik zu ehren, sondern auch das, was in der Gegenwart glücklich macht und die Zukunft weist. Wie eben Kruder & Dorfmeisters wunderbar schläfrige Grooves, die, so scheint es, sogar vor den Auswüchsen des Neoliberalismus schützen. Die erste Laudatio hielt Jugendfreund Oliver Kartak. Ein in höchstem Maß alerter Graphic Designer, der unter anderem das zeitlose Artwork für Werner Geiers Label Uptight gestaltet hat und heute Professor an der Hochschule für Angewandte Kunst ist. Er erzählte die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte von Kruder & Dorfmeister als eine Art Märchen von Charles Dickens'scher Wucht. Die ersten tapsigen Versuche mit der Hip Hop-Kombo Dr. Moreau's Creatures, wo neben Rapper Kruder noch DJ DSL, Rodney Hunter und Martin Forster alias Sugar B. mitwirkten. Sie alle waren anwesend, diskret verteilt zwischen der heute einmal ausnahmsweise früher aufgestandenen ersten Garde des Nachtlebens der Neunzigerjahre. So mancher zerquetschte erste Tränen der Rührung.

High Noon im Rathaus

Das Geheimnis ihrer lang anhaltenden Beziehung sei der Verzicht auf Sex gewesen, meinte Kruder schmunzelnd. Und weil sie dem Welterfolg ihrer ersten EP kein konventionelles Album folgen ließen, stattdessen ihre ganz eigene Form von Mixtapes machten, bei denen sie größtenteils Fremdtitel in die eigene, unverwechselbare Ästhetik zwangen, wurde schon früh über ihr Verhältnis zueinander gemutmaßt. Immer wieder wurde geunkt, dass sie jetzt und jetzt endgültig miteinander gebrochen hätten. Mitnichten. Gemeinsam absolvieren sie immer noch die lukrativsten DJ-Jobs rund um den Globus. Was Studiomusik anlangt, ist man getrennt erfolgreich. Der schon viele Jahre in Zürich lebende Richard Dorfmeister mit seinem Projekt Tosca, der Wien die Treue haltende Peter Kruder mit seinem Peace Orchestra. Sehr fidel sahen sie an ihrem Ehrentag aus. Es hat also durchaus Sinn, wenn Künstler die Zuneigung ihrer Heimatstadt erfahren, bevor sie moribund sind. Der Erhaltungszustand der versammelten Helden der Neunzigerjahrenächte war dabei höchst unterschiedlich. Aber was solls. Wenn Vergnügen ernst genommen wird, ist es eben Schwerarbeit.

Das Entertainment an diesem hohen Mittag war jedenfalls bester Güte. Maschek machten sich einen Karl, in dem sie K&D nicht nur als Simon & Garfunkel, sondern auch als Duo Häupl-Pröll persiflierten. Einen besonderen Gutpunkt fürs Karmakonto eroberte sich Kruder mit seiner Liebeserklärung an die anwesende Frau Mama. Das musikalische Gustostückerl hatte man zum Schluss angesetzt. Roberto Di Gioia gab den K&D-Evergreen „High Noon“ am Flügel. Das hatte etwas Erhabenes. Nach Sonnenuntergang geht es dann zu den „Golden Sessions“ in die Pratersauna. Das Motto? Natürlich: Schmusen erlaubt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.13.2017)

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