Mit Armut zur Glückseligkeit

2016 und 2017 bereiste die Wiener Popband Kids n Cats fünf Kontinente, um mit Gleichgesinnten zu komponieren. Morgen spielen sie im Loft.

Jeanne Nickels und Marten Kaffke von Kids n Cats waren in elf Ländern auf musikalischer Weltreise.
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Jeanne Nickels und Marten Kaffke von Kids n Cats waren in elf Ländern auf musikalischer Weltreise.
Jeanne Nickels und Marten Kaffke von Kids n Cats waren in elf Ländern auf musikalischer Weltreise. – (c) Michele Pauty (Michele Pauty)

Gute Popsongs sind sehr einfache Lieder, die gleichzeitig etwas sehr Merkwürdiges in sich tragen. Einfachheit und Komplexität müssen darin auf originelle Art verbunden sein. Mars Volta ist ein Vorbild diesbezüglich,“ sagt Marten Kaffke von Kids n Cats, jener Wiener Popband, die wie keine andere Frühlingsfrische ausstrahlt. In ihren Videos tragen Kids n Cats gerne Blumenkränze, rosa Haarsträhnchen und wackeln zuweilen auch charmant mit haarigen Hipsterkinnladen. Manches in ihrem Sound franste zuletzt ins zart Surreale aus. Doch jetzt wollen sich Kids n Cats wieder verstärkt den Beats und Grooves zuwenden, wie sie es schon früher getan haben.

Einschneidendes Erlebnis, das ihre Neuorientierung vorantrieb, war der Gewinn des Nasom-Award sowie die nachfolgende Asien- und Australientournee. Das geheimnisvolle Akronym Nasom steht für „New Austrian Sound of Music“, eine Initiative des Außenministeriums. „Wenn man gewinnt, ist das dann eine Art Gütesiegel,“ sagt Sängerin Jeanne Nickels. „Es legt österreichischen Botschaften im Ausland bestimmte Bands ans Herz und übernimmt die Transportkosten im Falle eines Engagements.“

Neugier ist anderswo größer

Die Konzerte oder Tourneen müssen die Musiker selbst organisieren. Im Vorjahr tourten Kids n Cats durch acht Staaten, darunter China, Japan, Taiwan und Australien. Heuer folgen Kroatien und Swaziland. Ziel ist es, Anfang nächsten Jahres das zweite Kids n Cats-Album „11tracks11countries“ zu präsentieren. Der Kontakt mit Popbands mehrerer Kontinente hat ihnen vor allem eines vor Augen geführt: „Die Neugierde auf Sounds außerhalb der eigenen Kultur ist anderswo viel größer als bei uns in Österreich. Das beschämt einen ein wenig“, sagt Nickels, der es ein Anliegen war, vor Ort gemeinsam mit lokalen Musikern kreativ zu sein, an Ideen für Songs zu tüfteln, die dann am neuen Album endgültige Gestalt annehmen sollen.

Ein besonderes Faszinosum war die gemeinsame Tournee mit einer japanischen Band. „Japan war für mich das Land, das am weitesten entfernt ist von dem, was man kulturell gewöhnt ist. Die Wichtigkeit der Höflichkeit hat mich sehr erstaunt. Oder auch, dass manche Bands getragene Unterwäsche ins Publikum werfen“, sagt Kaffke lachend. Nickels, selbst eine quecksilbrige Performerin, war fasziniert von der Expressivität der japanischen Künstler. „Die praktizieren den kompletten Ausbruch inklusive Absurdität. Da wird dann das sonst so gefasste Publikum richtig euphorisch.“

Eine Herzensangelegenheit war es für sie auch, es mit ihrer Band nach Taiwan zu schaffen. Als Puppenspielerin hat sie die lebhafte Stadt an der Schnittstelle zwischen asiatischer und westlicher Kultur ja schon einige Jahre vorher lieben gelernt. Und auch nach China wollten sie unbedingt, weil dort – in Shanghai – ihre Videoregisseurin Daliah Spiegel ein hippes Restaurant betreibt. Zudem bespielten Kids n Cats neben exotischen Orten wie dem österreichischen Groß-Siegharts noch Mexiko, Australien, Argentinien, Kroatien und Israel. „Obwohl wir manchmal wirklich unvorsichtige Dinge getan haben, wurden wir nie beklaut.“

Der Modus ihrer kreativen Arbeit ist nach wie vor derselbe. „Oft hat Marten einen Beat oder ein Riff. Ich schreibe den Text. Und dann jammen wir und schauen, wie das alles weitergeführt werden kann“, sagt Sängerin Nickels, die auf einprägsame Melodien und stimulierende Texte setzt. Transportieren die Lieder von Kids n Cats auch Botschaften? „Nicht im plumpen Sinn. Ich hinterfrage gesellschaftliche Strukturen und Geschlechterrollen, überhöhe das aber gerne ins Surreale.“

Bedürfnisse reduzieren

Mit Vorliebe baut sie sich ein Nest in Leuten, die sie eigentlich hasst, versetzt sich gedanklich in jene, die ihr zuwider sind. Aus dieser Art zeitlich begrenzter Identifikation mit dem Feind lernt sie fürs Leben. Und Kids n Cats sind in Aufbruchstimmung. Kaffke hat für seinen Traum vom Musikerdasein sogar die eigene Wohnung aufgegeben und den sicheren Job gekündigt. „Mir ging es darum, zu sehen, wie es ist, wenn man seine Bedürfnisse auf ein Minimum reduziert und dann seine ganze Energie der Musik widmet.“ Wie man an den neuen, opulenten Stücken hören kann, hat sich das voll ausgezahlt.

AUF EINEN BLICK

Kids n Cats sind eine 2014 gegründete experimentelle Popband. Die Bandmitglieder: sind Jeanne Nickels, Marten Kaffke, Maximilian Atteneder und Judith Filimonova.

2015 erschien das Debütalbum „Kaos“, produziert von Wolfgang Schlögl. 2016 erschien die EP „Juicy Worlds“, das Album „11tracks11countries“ ist für Anfang 2018 geplant. Konzert: Morgen, Freitag, 14. April, spielen Kids n Cats und Julian & Der Fux im Loft, ab 22 Uhr, Lerchenfelder Gürtel 37.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2017)

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