Breakdance: Weil er sich dabei frei fühlt

Valentin Kokalko ist einer der Favoriten beim BC-One-Wettbewerb im Volkstheater. Ohne Tanz hätte er sein Studium in Wien nicht durchgezogen.

 Valentin Kokalko auf der Bühne der Roten Bar im Volkstheater. Im eigentlichen Saal treten beim Wettbewerb Red Bull BC One am Samstag Breakdancer gegeneinander an. Den österreichischen Breakdance-Battle hat Valo in den Vorjahren schon mehrfach gewonnen.
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 Valentin Kokalko auf der Bühne der Roten Bar im Volkstheater. Im eigentlichen Saal treten beim Wettbewerb Red Bull BC One am Samstag Breakdancer gegeneinander an. Den österreichischen Breakdance-Battle hat Valo in den Vorjahren schon mehrfach gewonnen.
Valentin Kokalko auf der Bühne der Roten Bar im Volkstheater. Im eigentlichen Saal treten beim Wettbewerb Red Bull BC One am Samstag Breakdancer gegeneinander an. Den österreichischen Breakdance-Battle hat Valo in den Vorjahren schon mehrfach gewonnen. – (c) Hans Hochstöger

Als das Fotoshooting eigentlich schon vorbei ist, springt Valentin Kokalko doch noch einmal auf die Bühne in der Roten Bar, verschraubt die Arme ineinander und macht sich bereit hochzuschnellen: „Schau, dass du mich erwischst, wenn ich hochgehe“, sagt er, und schon sind die Beine über dem Kopf. Vorher ist der Fotograf schon auf dem Gehsteig vor dem Volkstheater gelegen, um den Breakdancer und das Theater zusammen aufs Bild zu bekommen: Hier findet am Samstag der Red Bull BC One statt, der größte Breakdance Battle Österreichs. Den Valo, wie er sich nennt, zuletzt schon mehrfach gewonnen hat.

Auf den ersten Blick kann man sich das gar nicht so recht vorstellen, denn der 29-Jährige wirkt zunächst fast schmächtig. Ein Eindruck, der sich im Lauf der nächsten halben Stunde rasch ändert: Eher drahtig ist Kokalko, mit einer extremen Körperbeherrschung. Und mit Bewegungen, deren Routiniertheit mindestens genauso überrascht wie ihre Kühnheit. „Wenn man das schon so lang macht wie ich, ist das wie Fahrradfahren“, sagt er und schmunzelt unter seiner Haube.

Elf Jahre ist es her, dass er in einem Park seiner ukrainischen Heimatstadt, Czernowitz („In der Bukowina, das hat früher zu Österreich gehört“), auf Burschen gestoßen ist, die tanzen. Am Anfang habe ihm das getaugt, was jeden am Anfang am meisten anzieht, sagt er: „Die Moves. Das sieht einfach spektakulär aus. Das ist Energie, das fließt. Das ist kraftvoll. Das finden natürlich auch viele cool.“ Je länger man es mache, desto mehr gehe es beim Breakdance aber um anderes. Um die Kunst. Um den Tanz als Ausdrucksform.

„Breakdance ist eine Tanzform ohne Regeln, ohne klare Gesetze. Klar gibt es Basics. Aber daraus baut man dann seinen eigenen Stil auf“, sagt er. Das sei auch der Grund, warum er das immer noch mache: „Weil ich mich dabei frei fühle. Weil ich mich dabei so ausdrücken kann, wie ich will.“ Darum gehe es übrigens in der ganzen Hip-Hop-Kultur, die viel mehr als Gangsterrap, Autos, Drogen, fette Goldketten und Frauen sei. „Es geht darum, sich auszudrücken: im Rap, beim Breakdancen, im Graffito“, sagt Kokalko.

 

Forschung über Breakdance

Er kann viel erzählen, nicht nur über Breakdance, sondern über verschiedenste Themen bis hin zur Gehirnforschung, die ihn beruflich interessieren würde („Ich würde mir gern ansehen, wie sich das Gehirn von Tänzern verändert, oder von Spitzensportlern, die extreme Körperkontrolle haben, dazu gibt es, glaube ich, nicht sehr viel Forschung“). Denn Kokalko hat in Wien Molekularbiologie studiert. Was er ohne Breakdance vielleicht gar nicht durchgezogen hätte.

„Wenn ich nicht getanzt hätte, wäre ich wahrscheinlich bald nach Hause zurückgefahren“, sagt er. Nach der Matura nach Wien zu kommen sei nicht seine Idee gewesen („Ich konnte ja nicht einmal Deutsch“). Aber er war sehr gut in der Schule, und sein Vater wünschte sich, dass der Sohn im Ausland studieren sollte. „Die ersten Jahre waren nicht einfach. Andere Sprache, andere Kultur – das geht ja noch. Aber ich habe mein Zuhause vermisst, meine Familie, meine Freunde.“

Also kaufte er sich einen Ghettoblaster und tanzte, wenn im Hobbyraum des Studentenheims gerade keiner Tischtennis spielte. „Das war am Anfang das Einzige, was mich glücklich machte.“ Nachdem er 2012 in der ersten Runde ausgeschieden ist, gewinnt er 2013 erstmals den Red Bull BC One Breakdance Battle in Österreich. Es folgt eine (unterbrochene) Siegesserie: Ein Jahr gewinnt er, ein Jahr nicht. 2016 scheidet er im Finale aus. Insofern könnte es für dieses Wochenende gut aussehen. Dass der Wettbewerb heuer im Volkstheater stattfindet, zeigt übrigens, dass der Breakdance längst nicht mehr nur Subkultur ist. Es ist einiges in Bewegung. Bei den Jugendspielen 2018 hat er seine olympische Premiere. Im Vorjahr tanzte Kokalko mit Kollegen bei Fürst Igor Seite an Seite mit Balletttänzern in der Volksoper. Das verändert auch die Wahrnehmung: „Wenn wir am Praterstern tanzen, witzeln die Leute, ob wir den Boden putzen.“ Im Theater sei der Blick derselben Menschen ganz anders.

Auf einen Blick

Beim Breakdance Battle Red Bull BC One treten am Sa, den 22. April im Wiener Volkstheater Tänzer aus ganz Österreich gegeneinander an. Wer die Austria Cypher – also die Österreich-Ausgabe des Wettbewerbs – gewinnt, kommt ins Weltfinale. Am Samstag gibt es zudem Workshops für u. a. Breakdance und Hip-Hop. Der (fast ausverkaufte) Battle wird auch via Livestream übertragen.

Web: www.redbull.com/austriacypher

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2017)

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