Gemeinsam vor dem Laptop

Beim Wikimedia Hackathon trafen sich am Wochenende 250 Entwickler aus aller Welt in Simmering, um die Software Mediawiki zu verbessern.

Claudia Garád, Wikimedia-Österreich-Chefin, beim Hackathon in Wien.
Claudia Garád, Wikimedia-Österreich-Chefin, beim Hackathon in Wien.
Claudia Garád, Wikimedia-Österreich-Chefin, beim Hackathon in Wien. – (c) Stanislav Jenis

Da man bekanntlich gegen Vorurteile nicht gefeit ist, hat man sich die ganze Veranstaltung in etwa so vorgestellt: große, abgedunkelte Konferenzräume, in denen die (selbstredend ausschließlich männlichen) Teilnehmer der Programmiere-Konferenz nebeneinander hoch konzentriert auf Bildschirme starren. Die Realität beim Wikimedia Hackathon, der erstmals in Wien stattgefunden hat, sieht dann doch deutlich anders aus. Heller, freundlicher und auch weiblicher: In der dank des Glasdachs hellen Lobby des Jufa Hotel Wien City in Simmering sitzen junge Leute in kleinen Gruppen zusammen und tratschen, hier hört man Englisch, dort Deutsch, der eine oder andere hat einen Laptop auf dem Schoß. Sicher, im Raum rechts vom Eingang, der „Mentoring Area“ sieht man dann doch Dutzende Programmierer vor ihren Laptops, um weniger erfahrenen Teilnehmern der Konferenz bei ihren Fragen („everyone = welcome“ steht am Eingang) zu helfen.

Wobei, sagt Claudia Garád, die als Geschäftsführerin von Wikimedia Österreich den dreitägigen Hackathon mit etwa 250 Teilnehmern aus 50 Nationen organisiert hat, „wir sind eigentlich eine Un-Konferenz. Es gibt nur wenige fixe Programmpunkte. Wenn jemand einen Vortrag halten oder ein Meeting abhalten will, organisiert er das spontan.“

Die Idee hinter dem jährlich stattfindenden Hackathon: Gemeinsam sollen Interessierte – ein Drittel der Teilnehmer sind bezahlte Mitarbeiter, der Rest Freiwillige – daran arbeiten, die Open-Source-Software Mediawiki zu verbessern. Mediawiki ist die Software, auf der die Online-Enzyklopädie Wikipedia beruht, die aber auch für viele andere Plattformen (Wikidata oder diverse Stadt-Wikis) genutzt wird, aber auch von vielen Firmen und Organisationen wie der europäischen Weltraumorganisation ESA.

Gemeinsam an Ideen arbeiten

Bei einer Software, die täglich millionenfach benutzt wird (auf Wikipedia kann bekanntlich jeder, der möchte, Artikel verfassen oder bearbeiten) und die in zahllosen Sprachen verfügbar ist, gibt es naturgemäß immer Verbesserungsbedarf. Während des Hackathons, sagt Garád, sollen kleinere und größere Probleme gemeinsam behoben, neue Ideen zur Weiterentwicklung geboren werden. So war ein Ergebnis des Hackathons im Vorjahr in Jerusalem, dass die Möglichkeit, auf Mediawiki 3-D-Animationen einzusetzen, wesentlich vereinfacht wurde. Aktuell wird unter anderem daran gearbeitet, die Android-App für Wikimedia Commons zu verbessern. „Die ist noch nicht optimal ausgereift“, sagt Garád. „Es geht etwa darum, dass User über ihr Smartphone Fotos schneller und einfacher hochladen können.“

Die Teilnehmer arbeiten aber auch an wesentlich komplexeren Dingen, die für Laien kaum verständlich sind, die aber die Handhabung von Mediawiki für den Einzelnen erleichtern. Auch das Thema Bots – automatisierte Programme, die ohne menschliches Zutun gewisse Aufgaben übernehmen – ist ein großes, „da die Nutzung von Mediawiki nicht proportional zur Zahl der Mitarbeiter wächst“.

Worum es Garád und ihrem Team beim Hackathon aber auch geht: Um das Kennenerlenen, den Austausch und das Vernetzen. „Wikipedia ist keine Website, sondern eine Community.“ Die möglichst vielen offenstehen soll. Daher war der Hackathon anders als vergleichbare Tech-Events „möglichst wenig kompetitiv ausgelegt. Es geht bei uns nicht darum, wer am Ende der drei Tage die beste Idee hat“, sagt Garád. „Uns geht es um die Menschen, die neue Fähigkeiten lernen und Spaß haben sollen.“ Daher gab es auch gemeinsame Stadtführungen und eine große Feier in der Arena.

Weiters wurden im Vorfeld des Hackathon Workshops veranstaltet, um technisch weniger versierten Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in die Welt des Programmierens einzuarbeiten. Ein Workshop war dabei nur für Frauen ausgerichtet. Einige Teilnehmerinnen waren auch beim Hackathon dabei – insgesamt lag der Anteil der weiblichen Teilnehmer bei 20 Prozent. „Das ist sicher noch nicht das, wo wir hinwollen“, sagt Garád, „aber es ist schon eine ganz gute Quote“.

AUF EINEN BLICK

Der Wikimedia Hackathon hat am vergangenen Wochenende erstmals in Wien stattgefunden: 250 Entwickler aus 50 Nationen trafen sich bei diesem mehrtägigen Event, um die Open-Source-Software Mediawiki zu verbessern.

Mediawiki ist nicht nur die Grundlage für Wikipedia, sondern auch für zahlreiche andere Plattformen wie Wikidata oder Wikimedia Commons. Sie kommt auch bei vielen Organisationen zum Einsatz. Organisiert wurde der Wiener Hackathon von Wikimedia Österreich, das mit Institutionen wie dem Bundesdenkmalamt, aber auch mit der Uni Wien oder der Stadt Wien zusammenarbeitet. Der Verein bietet auch regelmäßig Workshops etc. an.

Infos: www.wikimedia.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2017)

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