Neuer Thriller aus dem Marchfeld: Ein Nicht-Leser als Autor

Roman Klementovic, einer der neuen jungen Spannungsautoren, über späte Berufung, Schreiben mit System oder Serien als Inspiration.

Autor Roman Klementovic mit seinem jüngsten Thriller, „Immerschuld“.
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Autor Roman Klementovic mit seinem jüngsten Thriller, „Immerschuld“.
Autor Roman Klementovic mit seinem jüngsten Thriller, „Immerschuld“. – (c) Katharina F.-Roßboth

Roman Klementovic ist 35, in drei Jahren hat er drei Romane veröffentlicht, er wird als einer der aufstrebenden jungen Autoren gefeiert, ist derzeit auf Lesetour, besucht nebenbei Schulen, um Jugendlichen das Lesen schmackhaft zu machen. Das ist einigermaßen absurd.

„Eigentlich sollte ich das gar nicht sagen“, sagt er, „aber ich habe nie gelesen. Bis vor vier, fünf Jahren hat mich das überhaupt nicht interessiert. Schon als ich in der Schule ein Referat über ein Buch halten sollte, habe ich eines genommen, das verfilmt wurde und nur den Film angeschaut“, sagt der Autor, bei dem es mit dem Lesen, dem Schreiben und dem Verlagsvertrag dann rasant gegangen ist: Klementovic, geboren in Marchfeld und seit einigen Jahren in Wien zuhause, arbeitet nach dem Studium im Marketing bei der Plattenfirma Universal, die vertreibt auch Hörbücher, so fällt ihm irgendwann „Schneemann“ von Jo Nesbø in die Hände. Nach dem Hörbuch liest er das Buch, dann Nesbøs gesamte Harry-Hole-Reihe, damit war es geschehen: „Ich bin dem Lesen völlig verfallen, wenige Monate später habe ich selbst auch geschrieben.“

Auf den ersten Roman sind die Reaktionen der Testleser noch verhalten, außer Klementovics Mutter findet den niemand wirklich gelungen, also geht er das Schreiben systematisch an: „Ich habe Bücher über Romanschreiben verschlungen“, erzählt er, Bücher über Plot-Aufbau, Charakter-Entwicklung, Spannungsaufbau und so weiter. Dazu beginnt er, systematisch ein Netzwerk aufzubauen, kontaktiert Krimi- und Thrillerautoren – Gerald Loibelsberger oder Andreas Gruber werden so zu einer Art Ratgeber – oder findet einen pensionierten Kriminalbeamten, der immer wieder aushilft, wenn es um die Plausibilität von Abläufen geht.

„Man meint immer, ein Autor braucht bloß zu schreiben, das ist es nicht“, sagt er. Und dennoch: „Ich habe damit absolut meines gefunden.“ 2015 wurde schließlich sein Debüt „Verspielt“ veröffentlicht, 2016 folgte das von Kritikern hoch gelobte „Immerstill“, und Anfang September wurde „Immervoll“ veröffentlicht. Wie der Vorgänger-Roman spielt Immervoll im Marchfeld, in einem fiktiven Dorf, angelehnt an Breitensee im Marchfeld. Und ähnlich seinen britischen und amerikanischen Vorbildern erzählt er einen Thriller mit Tiefgang, überraschenden Wendungen und einem dramatischen Showdown. Als Kulisse dient ihm eine düstere und trostlose Version des Marchfelds, dem Ort, wo auch Klementovic aufgewachsen ist.

Er greift Themen auf wie das Veröden ganzer Landstriche, die verwaisten Gasthäuser und Geschäfte, die Abwanderung in die Stadt und so weiter. Vor allem aber geht es um das Verschwinden eines Mädchens und das große Böse, das stets lauert. „Das ist der Reiz am Thriller im Gegensatz zum Krimi. Beim Krimi ist das ultimativ Böse schon am Anfang geschehen, beim Thriller steht es, wie eine tickende Uhr im Hintergrund, noch bevor.“ Sein nächstes Buch wird allerdings kein Thriller sein, nicht im Marchfeld spielen („das soll nicht werden wie bei ,Soko Kitzbühel‘“) und erst 2019 erscheinen. Vielleicht eine Liebesgeschichte oder eine Komödie. Auf jeden Fall etwas Dramatisches, sagt er.

„Ich bin ja nicht Donna Leon“

Außerdem soll das Schreiben nicht zur Fließbandarbeit werden, „ich bin ja nicht Donna Leon, die ihr Leben lang Krimis schreibt. Wobei, wenn ich schreiben würde wie Donna Leon . . .“, sagt er, lacht. Und erzählt von der Begeisterung, als er sein erstes Buch in Händen hielt: „Da bin ich allein vor Freude durch die Wohnung gesprungen“. Um sich diese Begeisterung zu bewahren, solle das Schreiben und Veröffentlichen nicht Routine werden. Und diese Begeisterung für Literatur will er auch Jugendlichen näherbringen, dazu besucht er regelmäßig Schulen. Dort zieht er Parallelen zwischen den aktuellen Netflix-Serien der Teenies und der Weltliteratur, erklärt, was etwa Spiderman und Jean-Baptiste Grenouille gemeinsam haben, und zeigt, dass man als Romanautor heute Sneakers und Tattoos haben darf – oder, dass man dafür auch erst später, dafür schlagartig, seine Begeisterung finden kann.

Zur Person

Roman Klementovic, geboren 1982 und im Marchfeld aufgewachsen, hat nach Studium und Jobs im Marketing verhältnismäßig spät seine Liebe zum Schreiben entdeckt: 2015 ist sein erster Thriller, „Verspielt“, im Gmeiner-Verlag erschienen, 2016 folgte „Immerstill“, jüngst wurde „Immerschuld“ veröffentlicht.

Aktuell liest Klementovic aus seinem Werk: Zum Beispiel am 29. September in Klagenfurt (Kärntner Buchhandlung), am 6. Oktober in Wien (Intu.books), am 11. Oktober in Wr. Neustadt (Thalia) oder am 17. Oktober bei der Kriminacht auf dem Zentralfriedhof Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2017)

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