Hakon Hirzenberger: Ein Wiener aus dem Zillertal

Hakon Hirzenberger macht Theater in der schwiegerelterlichen Tenne in Tirol. Mit dem Roboterstück „Oliver 2.0“ gastiert sein Festival jetzt in Wien.

Ein Leben in Tirol und Wien: Hakon Hirzenberger im Café Rüdigerhof.
Ein Leben in Tirol und Wien: Hakon Hirzenberger im Café Rüdigerhof.
Ein Leben in Tirol und Wien: Hakon Hirzenberger im Café Rüdigerhof. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Mit der Sprache hapert's noch ein bisschen. Je weiter weg von seinem Geburtsort, sagt Hakon Hirzenberger, desto Wienerischer werde sein Deutsch. „Nur mit meinen Kindern sprech' ich manchmal Fantasie-Tirolerisch.“ Ansonsten ist der Wiener im Zillertal aber schon ganz gut integriert.

Dort, wo das Tal am breitesten ist, betreibt er mit seiner künstlerisch gesinnten Großfamilienverwandtschaft das Theaterfestival Steudltenn. Aus der schwiegerelterlichen Tenne auf dem Steudler-Hof ein Theater zu machen, war Idee und Anliegen seiner Frau. Er selbst war anfangs skeptisch, „ich wusste vom Waldviertler Hoftheater, wie viel Arbeit das ist“. Froh ist er trotzdem über das 2011 gegründete Festival, zu dem die Zillertalbahn klassenweise Kinder bringt und auf dem Künstler von Maschek über Hochmair und Habjan bis Mitterer gastieren. „Es ist toll, weil man mit Freunden machen kann, was man will.“

Neu erwachsen ist daraus ein Festival für Kinder: „Kultur wächst nach“ bringt im Sommert erstmals innerhalb von gut einer Woche „absurd viele Vorstellungen“ (in Zahlen: 110) in neun ländliche Regionen Tirols. „Es gibt“, sagt Hirzenberger, „eine totale Sehnsucht nach Geschichten.“

Dass er Geschichten einst selbst inszenieren werde, habe sich früh abgezeichnet, schon als Volksschüler inszenierte er im selbstgebauten Opernhaus. Aufgewachsen in Wiens Innerer Stadt am Neuen Markt, sei aber auch der Burggarten seine Spielwiese gewesen. „Meine Kindheit war Versteckenspielen im Palmenhaus, wo das Licht durch die schmutzigen alten Scheiben fiel.“ Zeiten, in denen man als Kind noch mitunter auf der Polizeiwachstube landete und hierorts schreiben musste: „Ich darf nicht auf dem Rasen spielen.“

Seltsame Serien, eigene Stücke

Nachdem er bei der Prüfung fürs Reinhardt-Seminar durchgefallen war, probierte er es mit Jus – weil ihn der Vater, ein Anwalt, gern in der eigenen Kanzlei gesehen hätte. Dass das nichts werden würde, war irgendwann beiden klar. Es war der Vater, der ihn auf das neu gegründete Konservatorium Elfriede Otts hinwies. „Wir waren der erste Jahrgang, hatten nur einen Raum.“ Danach spielte Hirzenberger am Volkstheater, in Zürich, in der Josefstadt und drehte „wirklich viel Zeug an seltsamen, mittelmäßigen Serien“. Irgendwann sei er „ganz grün im Gesicht“ gewesen, „ich hab mir gedacht: Das kann noch nicht alles gewesen sein.“ Er gab sich ein Jahr Pause, ging in der Karibik tauchen – und begann zu schreiben. 20 Stücke und Drehbücher hat er seither realisiert, nur jenes aus der Karibik, damals schon eine „Cyborg-Klon-Doppelgängergeschichte“, fehlt. „Eines Tages mach ich das noch.“ Auch Nelson, seinen Pinguin, gibt es nicht nur in Kinderbüchern, sondern auch schon als Theaterstück. Entstanden war Nelson aus einer Wissenslücke bei Trivial Pursuit. „Die Frage war, ob Eisbären Pinguine fressen. Ich wusste es nicht.“

Mit „Oliver 2.0“ von Folke Braband bringt Hirzenberger nun ausgerechnet ein urbanes Thema ins Wiener Akzent. Ein Stück, das sich humorvoll mit der Entwicklung von Computern auseinander setzt, die ja „durchaus bedrohlich“ sei. „Noch haben wir Menschen das Gefühl, wir sind noch die Stärkeren – aber ich glaube, wir sind gerade an der Schwelle, wo sich das zu ändern beginnt.“ Jedenfalls können die Computer immer mehr: Es gäbe schon Sex-Roboter, die sich mit dem Käufer nach Gebrauch noch über Fußball und Börsenkurse unterhalten. „Es geht um Austauschbarkeit“, sagt Hirzenberger. Schon jetzt hätten Roboter Vorteile. „Die haben keine Lebensmittelunverträglichkeit, brauchen keinen Schlaf. Von all den Problemen, die wir mit uns herumschleppen, ist das ein ziemlicher Brocken.“

Zur Person

Hakon Hirzenberger (geb. 1966 in Wien)studierte bei Elfriede Ott. Seit 2011 betreibt er mit Verwandten im Sommer das Steudltenn-Festival in Uderns im Zillertal, eine Plattform für Ausstellungen, Kabarett, Tanz, Kleinkunst und Theater. Daneben gibt es im Juni erstmals „Kultur wächst nach“für Schüler in neun Tiroler Regionen. Er ist Gründer der Band „Hakon und die Jungfrauen“. Mit „Oliver 2.0“, einer Kooperation mit der Waldviertler Hoftheater, gastiert er u. a. heute im Theater Akzent, mit Pinguin „Nelson in Afrika“ am 10. März im Stadttheater Wiener Neustadt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2018)

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