Mit dem Geist der Straße

Das Instrumentaltrio Cobario ist seit zehn Jahren erfolgreich auf Tour. Jetzt will es auch in der Heimat bekannter werden, erzählt Gitarrist Georg Aichberger.

Gitarrist Georg Aichberger ist mit Cobario die Hälfte des Jahres unterwegs. Die Anfänge des Trios liegen in der Straßenmusik.
Gitarrist Georg Aichberger ist mit Cobario die Hälfte des Jahres unterwegs. Die Anfänge des Trios liegen in der Straßenmusik.
Gitarrist Georg Aichberger ist mit Cobario die Hälfte des Jahres unterwegs. Die Anfänge des Trios liegen in der Straßenmusik. – (c) Clemens Fabry

Alles begann mit der Idee zweier begeisterter Autodidakten, doch einfach in Barcelona Straßenmusik zu machen. Sie flogen also hin, packten ihre Gitarren aus, spielten, verfolgten die Reaktion der Leute.

Der Pioniergeist spiegelt sich bis heute nicht nur im Westernfaible von Cobario (das sich in Hemden, Hüten und Spitznamen wie El Coba äußert). Ein Jahrzehnt später sind die Musiker immer noch auf Reisen, acht Autos hat man inzwischen verschlissen. Doch zurück zu den Anfängen. Die Musik kam so gut an, dass rasch andere Städte folgten, Nizza, Turin, „eine tolle Schule, das ehrlichste Feedback“. Aus jener Zeit stammt auch der Name, Cobario. „Ein Fantasiename mit spanischen Touch, der die Klänge unserer ersten Nummern widerspiegelt.“

Ebenfalls auf der Straße spielend, wurde das Duo aus Mario Chehade und Jakob Lackner zum Trio: Geiger Herwig Schaffner, der schon mit 16 am Mozarteum aufgenommen worden war, hörte die Gitarristen, „bei der ersten Probe hat es Klick gemacht. So entstand unser Sound mit zwei Gitarren und einer Geige“. Die ersten Jahre blieben von Straßenmusik geprägt, von jener Energie, die entsteht, wenn ein paar Musiker Leute dazu bringen, stehen zu bleiben und zuzuhören. „Wir haben gemerkt, dass wir das können und hauptberuflich machen wollen.“

Ab da begann man, sich auch für Auftritte in Konzerthäusern zu interessieren, immer mit der Prämisse, die Energie von der Straße mitzunehmen. „Wir gehen nie davon aus, dass das Publikum eh schon Eintritt gezahlt und damit Interesse signalisiert hat“, sagt Gitarrist Georg Aichberger, der den mittlerweile ausgestiegenen Mario Chehade ersetzt hat. „Unser Ziel ist, die Menschen, die da sitzen, erst zu unserem Publikum zu machen.“ Dazu gehört, dass alle drei moderieren. Wenn man zu den Instrumentalnummern deren jeweilige Geschichte erzähle, „dann packt man die Leute“.

Teils wurde das Trio von der Straße weg engagiert (etwa für einen Auftritt in Hongkong), immer wieder haben sie Konzerte aber auch selbst organisiert. „Wir hatten von Anfang einen ziemlich persönlichen Kontakt zum Publikum“, schildert Aichberger. „Und wenn wir gewusst haben, dass wir nach Dresden kommen, wo sich viele Leute für uns interessieren, haben wir einfach einen Raum gemietet.“ 90 Prozent seiner Konzerte spielt das Trio in Deutschland. Ludwigsburg oder München haben Tradition, an Orten wie Landshut könne es schon vorkommen, dass sie auf der Straße angesprochen werden. Der Österreicherbonus sei nicht zu unterschätzen. „Den Deutschen gefällt es, wenn eine Band aus Wien kommt“, sagt Aichberger, selbst gebürtiger Linzer, der in Wien Gitarre studiert hat. „Es wirkt wie ein Qualitätssiegel, dem man gerecht werden will.“

 

„New Austrian Sound of Music“

Aber nicht nur dort ist das Trio unterwegs, es war – auch als Vertreter des „New Austrian Sound of Music“-Programms des Außenministeriums – im Iran und in Usbekistan, in der Türkei oder Tunesien. Auf dem Hauptplatz von Mexico-Stadt, dem Zócalo, wurden sie wie eine Rockband gefeiert. „Aus den Dingen, die wir erleben, ziehen wir dann wieder neue Inspiration.“ „Nemesis“ ist jenem Dieb gewidmet, der ihnen einst beim Einpacken die Geige stahl. Eine Crowdfunding-Kampagne finanzierte den Ersatz, Monate später gab der Dieb das Instrument zurück.

Komponiert wird in Abgeschiedenheit, ein Komponierhäuschen steht in Ungarn am Plattensee, ein zweites in Oberösterreich. Was gefällt, wird aufgenommen, niedergeschrieben wird nichts. In Österreich spielen Cobario meist nur eine Handvoll ihrer hundert jährlichen Konzerte, mindestens einmal im Jahr in Wien (heute etwa im Ehrbar-Saal), wobei, das könnte sich, so Aichberger, ändern: „Hoffentlich spielen wir hier in nächster Zeit mehr.“

AUF EINEN BLICK

Cobario sind Jakob Lackner (alias „El Coba“, Gitarre), Georg Aichberger („Giorgio Rovere“, Gitarre) und Herwig Schaffner („Herwigos“, Geige). Das Trio spielt klassisch inspirierte Instrumentalmusik mit spanischen, irischen, orientalischen und slawischen Einflüssen. Seit 2016 sind sie Vertreter für Weltmusik im „New Austrian Sound of Music“-Programm des Außenministeriums, 2017 erschien das

5. Album („Zehn Welten“). Konzerttermin: Heute, Mittwoch, 19.30 Uhr, Palais Ehrbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2018)

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