Der Bildhauer und die Malerin: Vom Alltag eines Künstlerpaares

Die Werke des Südtiroler Bildhauers Giovanni Rindler und seiner Frau, der Malerin Brigitte Trieb, werden derzeit gemeinsam im Ersten gezeigt.

Malerin Brigitte Trieb und Bildhauer Giovanni Rindler in der Galerie Straihammer und Seidenschwann, wo ihre Werke derzeit zu sehen sind.
Malerin Brigitte Trieb und Bildhauer Giovanni Rindler in der Galerie Straihammer und Seidenschwann, wo ihre Werke derzeit zu sehen sind.
Malerin Brigitte Trieb und Bildhauer Giovanni Rindler in der Galerie Straihammer und Seidenschwann, wo ihre Werke derzeit zu sehen sind. – (c) Clemens Fabry)

Als Nicht-Künstler hat man bisweilen eine etwas verklärte Vorstellung davon, wie das Leben eines Künstlers wohl aussieht. So wie Giovanni Rindler seinen Alltag beschreibt, klingt dieser eher nach strengem Dienst nach Vorschrift statt freiem Künstlerleben.

Schon gegen sechs Uhr früh kommt der Südtiroler Bildhauer in das Atelier in Wien-Leopoldstadt, das er seit vielen Jahren mit seiner Frau, der Malerin Brigitte Trieb, teilt. Trieb kommt erst etwas später, nach einem Kaffee arbeiten beide bis 12 Uhr, dann gibt es eine Mittagspause, danach wird weitergearbeitet bis abends. Tag für Tag nach einem fixen Zeitplan.

Die für Künstler doch recht strengen Arbeitszeiten „sind mir von früher geblieben“, sagt Rindler. Als Jugendlicher hat er eine Holzbildhauerlehre in Gröden in Südtirol gemacht. Da wurde von sieben Uhr morgens in der Werkstatt geschnitzt, Heiligenstatue um Heiligenstatue für diverse Kirchen. Dass er handwerklich begabt ist und gut mit Holz umgehen kann, hat er schon als kleiner Bub entdeckt: Rindler zeigt seine ersten Schnitzereien aus der Kindheit her – drei kleine Rehe, die für ein Kind unglaublich präzise geschnitzt sind.

Rindler, Jahrgang 1958, ist also einer, der zuerst das Handwerk gelernt hat, ehe er auch die (künstlerische) Bildhauerei studiert hat, zuerst in der Kunstwerbeschule in Graz bei Josef Pillhofer. Später studierte er in Wien an der Akademie der bildenden Künste bei Joannis Avramidis.

Auch Brigitte Trieb ist studierte Bildhauerin, wechselte aber nach der Beschäftigung mit dem Holzschnitt später zur Malerei: „Das Räumliche hat mich immer mehr interessiert“, sagt sie. „Noch heute ist es mir näher als die Malerei.“ Die klare Formgebung ihrer Werke, das nur auf den ersten Blick Zweidimensionale, die Räumlichkeit ihrer Werke zeugen von ihren Wurzeln in der Bildhauerei. „Wenn ich mit anderen Malern rede, ist das für mich oft wie eine andere Welt“, sagt sie.

Im großen Atelier der beiden wird schnell klar, wie intensiv hier beide künstlerisch arbeiten: Überall stehen Skulpturen, aus Bronze, aus Stein, große, kleine, daneben, davor und darüber Triebs Bilder. Zum zweiten Mal sind die Werke des Künstlerpaares in Wien derzeit auch gemeinsam zu sehen: In „Dialog der Dimensionen“ in der Galerie Straihammer und Seidenschwann im ersten Bezirk werden Rindlers Skulpturen mit den Bildern Triebs inszeniert.

Gleichzeitig widmet auch das Museum Langenzersdorf derzeit Rindler eine Ausstellung – eine Überblicksschau über sein bisheriges Schaffen (siehe Infobox). Dass ihre Werke gemeinsam gezeigt werden, passt auch zu ihrem gemeinsamen Schaffen: Immerhin arbeiten sie schon seit Anfang der 1980er-Jahre Seite an Seite in ihrem Atelier. In früheren Jahren haben sie sogar im Atelier gemeinsam mit ihrer Tochter gewohnt.

Dass seine Skulpturen eines Tages anerkannt und geschätzt werden so wie heute, hätte Rindler nicht gedacht, erzählt er. Denn in den 1980ern waren figürliche Darstellungen wie seine „wahnsinnig verpönt“, nur das Abstrakte wurde geschätzt. Rindler galt, wie er sagt, „als Dinosaurier“. Heute sei das anders, gerade das junge Publikum „hat kein Problem mit Figuren“.

 

Auftrag in Afghanistan

Immer wieder arbeitet Rindler nebenbei auch als Restaurator, „ich hätte früher nicht von meinen Skulpturen leben können“, sagt er. So hat er diverse Figuren an Denkmälern, Brunnen (wie dem Donnerbrunnen am Neuen Markt) oder Kirchen (wie die Karlskirche) restauriert. Ein Auftrag führte ihn sogar nach Afghanistan, wo er Holzfiguren eines ausgestorbenen Stammes, die von den Taliban zerstört wurden, restauriert hat.

Und wie endet ein Arbeitstag im Atelier Rindler/Trieb? Um 19 Uhr, sagt Trieb, gehen die beiden am Heimweg auf ein Bier, bei dem „wir dann wieder nur von Kunst sprechen“.

AUF EINEN BLICK

„Im Dialog der Dimensionen“ heißt jene Ausstellung, in der die Skulpturen von Giovanni Rindler und die Gemälde von Brigitte Trieb gezeigt werden: Galerie Straihammer und Seidenschwann, 1., Grünangergasse 8, www.galerie-sunds.at

Von Di bis Fr 12–18, Sa 11–15 Uhr. Bis 7. April.

Im Langenzersdorf Museum gibt die Ausstellung „Figur!“ einen Überblick über Rindlers Gesamtwerk. Sa u. So: 14–18 Uhr. Obere Kirchengasse 23. www.lemu.at

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