Bis dass der Tod . . .

Sie schwören einander, den anderen nicht leiden zu lassen. Aber wie weit würden sie gehen? Über Pakte unter Paaren am Lebensende und Versprechen, die gebrochen werden müssen.

»Es gibt Partner, die sagen: ›Ich trau mir diese Verantwortung nicht zu.‹« Versprechen, die am Sterbebett gegeben werden, sollte man sich gut überlegen. Wie Angehörige mit dem nahen Tod eines geliebten Menschen umgehen, lässt sich nicht pauschalieren.
»Es gibt Partner, die sagen: ›Ich trau mir diese Verantwortung nicht zu.‹« Versprechen, die am Sterbebett gegeben werden, sollte man sich gut überlegen. Wie Angehörige mit dem nahen Tod eines geliebten Menschen umgehen, lässt sich nicht pauschalieren.
»Es gibt Partner, die sagen: ›Ich trau mir diese Verantwortung nicht zu.‹« Versprechen, die am Sterbebett gegeben werden, sollte man sich gut überlegen. Wie Angehörige mit dem nahen Tod eines geliebten Menschen umgehen, lässt sich nicht pauschalieren. – REUTERS

Sie haben es einander versprochen. Damals, als klar wurde, dass die Demenz unwiderruflich ihren Geist vernebeln würde. Sie zuerst Erinnerungen ihres gemeinsamen Lebens vergessen würde, ihre Kinder, die Enkel und irgendwann sich selbst. Fritz Bauer (Name geändert) versprach seiner Frau, dass sie ihrem Wunsch entsprechend zu Hause sterben dürfe. Nicht im Krankenhaus, nicht im Pflegeheim, sondern in ihrem Bett in einem kleinen Ort in Oberösterreich, in dem sie ihr Leben verbracht haben. Es ist ein Versprechen, wie es sich zwei Menschen, die ihr Leben miteinander verbracht haben, sich immer wieder geben. Dass die Wüsche des Todkranken erfüllt werden und er so wenig wie möglich leidet. Manchmal passiert es freilich, dass dabei Grenzen überschritten werden, wie ein aktueller Fall zeigt.

Im Wiener AKH fand sich vor wenigen Tagen eine 52-Jährige Frau auf der Intensivstation wieder. Vor ihr ihr Lebensgefährte, 70 Jahre, der an Schläuchen hing. Seine Nierenoperation war kritisch verlaufen. Der Mann habe nur mehr wenige Stunden zu leben, sagten die Ärzte. Die Frau ist alkoholisiert, als sie von allen unbemerkt die Schläuche aus der Beatmungsmaschine zieht. Er habe keine lebenserhaltenden Maßnahmen gewollt, wird sie später sagen. Eine schriftliche Patientenverfügung gibt es nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Mordverdachtes.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2018)

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