Rosamund Pike: "Ich bin der Arbeit verbunden"

Sie war schon Bond-Girl, dann das »Gone Girl«, jetzt ein »Bomb Girl«: In »7 Tage in Entebbe« spielt die Britin Rosamund Pike eine deutsche Terroristin.

Rosamund Pike zu ihrer neuen Filmrolle als deutsche Terroristin: »Wenn Extremismus entsteht, kommt meist noch eine Portion Naivität hinzu.«
Rosamund Pike zu ihrer neuen Filmrolle als deutsche Terroristin: »Wenn Extremismus entsteht, kommt meist noch eine Portion Naivität hinzu.«
Rosamund Pike zu ihrer neuen Filmrolle als deutsche Terroristin: »Wenn Extremismus entsteht, kommt meist noch eine Portion Naivität hinzu.« – (c) APA/AFP/STEFANIE LOOS

Für viele ist ein Auftritt als Bond-Girl ein frühes Karriereende. Für Rosamund Pike jedoch ging es seit „Stirb an einem anderen Tag“ stets bergauf. Jetzt kommt die ebenso talentierte wie kluge Britin als deutsche Terroristin ins Kino: In „7 Tage in Entebbe“ spielt sie Brigitte Kuhlmann, die gemeinsam mit Wilfrid Böse (gespielt von Daniel Brühl) und zwei Palästinensern im Juni 1976 ein Flugzeug auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris entführte. Die Maschine landete in Entebbe, Uganda, wo 239 Passagiere mithilfe von Truppen des ugandischen Diktators festgehalten und schließlich durch eine spektakuläre Mossad-Aktion befreit wurden.


Wie haben Sie sich in die Rolle der deutschen Terroristin versetzt?

Rosamund Pike: Es ist eine extrem interessante Zeit in der deutschen Geschichte. Ich kann mir recht gut vorstellen, wie das war, in den 1970er-Jahren in Deutschland Twen zu sein und den Drang zu haben, gegen die Elterngeneration aufzutreten – und wie aus dem Bedürfnis, sich von den Resten der Nazi-Ideologie so weit wie möglich zu distanzieren, Extremismus entsteht. Da kommt dann meist noch eine Portion Naivität dazu.


Naivität und Rebellion reichen aber noch nicht ganz zum Terror.

Diese großen Weltveränderungsgesten, verbunden mit der Idee, dass man in die Geschichte eingeht, haben meist auch etwas sehr Narzisstisches. Wenn wir nur allein an Andreas Baader denken, dann wird das sehr deutlich.


Sie haben sich also auch in die deutsche Zeitgeschichte vergraben für diesen Part?

Mein Job bringt auch die Chance mit sich, stets etwas Neues zu lernen. Eine Figur kann nicht in einem Vakuum entstehen – und dieses Wissen ist wie zusätzliche Energie für eine Rolle. Ich habe mir also wirklich alles reingezogen, was es da an Dokumentation gibt. Ein Moment in einem Interview mit Ulrike Meinhof blieb mir besonders in Erinnerung. Sie wurde zuerst zu ihren ganzen politischen Motiven befragt und war da ganz hart, präzise und nicht aus der Ruhe zu bringen. Dann wurde sie gefragt, wie das ist, gleichzeitig Revolutionärin und Mutter zu sein. Und sie sagte nur: „Es ist schwer, es ist schwer.“ Man sah förmlich, wie sich ihr Hirn anstrengte, da schnell an etwas anderes zu denken.

Sie haben ihre internationale Karriere als Kinoklischee, als Bond-Girl, begonnen, zeigen mittlerweile aber ein Faible für sehr komplexe Figuren.

Im Fall von Brigitte Kuhlmann weiß ich nicht, ob ich sie vielleicht nur komplexer gemacht habe (lacht). In all den Berichten der Geiseln war Brigitte sehr eindimensional. Alle fanden sie unangenehm, sehr aggressiv. Ihren deutschen Terrorkollegen Wilfried Böse fanden die meisten im Verhältnis viel menschlicher und zugänglicher. Aber wir hatten da ja Spielraum in der Darstellung, der Film sollte ja keine Dokumentation werden.


Hat Ihnen die Rolle als Bond-Girl eigentlich beruflich eher genutzt oder geschadet?

Dass ich schon mit Waffen umgehen konnte, war hier natürlich definitiv ein Vorteil (lacht). Ansonsten war der „Bond“-Job sicher kein Vorteil in dem Business, nein. Er hat es definitiv nicht leichter gemacht, danach irgendwelche Rollen zu bekommen. Im Gegenteil, ich musste doppelt so hart dafür kämpfen. Die allgemeine Wahrnehmung ist nun mal nicht so, dass man Bond-Girls für fantastische Schauspielerinnen hält.


Sie haben die Welt trotzdem von Ihrem Talent überzeugen können, derzeit arbeiten Sie an gleich zwei starken Frauenrollen.

Stimmt, ich spiele Marie Colvin, eine sehr außergewöhnliche Frau. Sie war Kriegsberichterstatterin der „Sunday Times“, wurde 2012 in Syrien getötet.


Und im Biopic „Radioactive“ von Marjane Satrapi („Persepolis“) spielen Sie die Wissenschaftlerin Marie Curie?

Das ist eine echte Herausforderung. Einfach weil sie brillant war, unglaublich modern und klug. Ich habe dreimal die Woche einen Chemielehrer bei mir zu Hause, der mich mit ihrer wissenschaftlichen Welt vertraut macht.


Viele sagen von sich, dass sie Schauspieler sein wollen, nicht Filmstar. Und Sie?

Ruhm und Anerkennung sind natürlich ein wesentlicher Teil unseres Jobs, klar. Aber das ist sicher nicht der Grund, warum ich das mache. Ich bin viel zu leidenschaftlich der tatsächlichen Arbeit verbunden.

Steckbrief

Rosamund Mary Ellen Pike wurde am 12. Jänner 1979 als Kind zweier Opernsänger in London geboren. Sie studierte in Oxford Literatur und begann ihre Schauspielkarriere im Theater und bei der BBC. 2002 gab sie im „Bond“-Film „Stirb an einem anderen Tag“ ihr Kinodebüt. Seitdem war sie etwa in „Stolz und Vorurteil“, „Jack Reacher“ oder „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ zu sehen.

 

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Rosamund Pike: "Ich bin der Arbeit verbunden"

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.