Emily Mortimer: „Das kann nicht so einfach sein“

Eine Frau mit einem Traum, eine Kleinstadt mit eiserner Tradition: „Der Buchladen der Florence Green“ ist eine böse, feine Komödie, die im England der 1950er-Jahre spielt. Emily Mortimer glänzt in der Titelrolle. Und schildert im Gespräch, was sie an Wien mag.

„Viele kleinealte Damen in Pelzmänteln, die sehr langsam über die Zebrastreifengingen“: Das isteine der Erinnerungen, die Emily Mortimer an Wien hat.
„Viele kleinealte Damen in Pelzmänteln, die sehr langsam über die Zebrastreifengingen“: Das isteine der Erinnerungen, die Emily Mortimer an Wien hat.
„Viele kleinealte Damen in Pelzmänteln, die sehr langsam über die Zebrastreifengingen“: Das isteine der Erinnerungen, die Emily Mortimer an Wien hat. – REUTERS

Großbritannien in den 1950er-Jahren. Die verwitwete Florence Green, die ihren Mann auch nach Jahren noch schmerzlich vermisst, hat eine Idee, wie sie die Erinnerung an ihn hochhalten kann: Die Liebe zu den Büchern hat sie einst verbunden, nun eröffnet sie in einer idyllischen Kleinstadt an der britischen Küste ein Buchgeschäft. Doch damit kommt sie der einflussreichen Mrs. Gamart in die Quere – und ausgerechnet an Nabokovs „Lolita“ entzündet sich der schwelende Konflikt. Die spanische Regisseurin Isabel Coixet („Mein Leben ohne mich“) verfilmte Penelope Fitzgeralds Romanklassiker – und Emily Mortimer („Match Point“, „The Party“) spielt die Hauptrolle mit brillanter Bescheidenheit. Doch das Understatement fiel ihr gar nicht so leicht, wie sie erzählt.

Am Anfang von „Der Buchladen der Florence Green“ meint man sich fast in einer netten Fortsetzung von „Chocolat“ – bis sich immer mehr menschliche Abgründe öffnen.

Emily Mortimer: Ja, der Film ist stellenweise richtig gemein! Er ist sehr emotionsgeladen und radikal, auch wenn er auf den ersten Blick ganz nett und lieblich wirkt. Dieser Tiefgang hat mir schon am Drehbuch besonders gut gefallen, dieses Gleichgewicht zwischen bittersüß und abgründig.


Wie haben Sie sich in die Rolle versetzt?

Eine spannende Frage in diesem Fall, denn dieser Part hat mich auf eine ganz ungewöhnliche Art herausgefordert: Diese Florence wirkte an der Oberfläche so simpel, es war überhaupt nicht viel zu tun – an jedem Drehtag hatte ich am Abend das Gefühl, ich hätte irgendwie mehr leisten müssen. Ich habe mir ständig gedacht: „Das kann doch nicht so einfach sein!“ Aber wie man sieht, war es genau diese Zurücknahme, die die Figur gebraucht hat. Sie ist absolut unprätentiös, und das ist gerade für Schauspieler gar nicht so einfach umzusetzen.

 

Florence ist sehr umgänglich, aber sie ist zugleich auch sehr eigensinnig: Ihren Traum verfolgt sie mit vollem Einsatz. Sie sind persönlich auch jemand mit einem sehr netten Image, sind Sie auch so eigenwillig, wenn es um Ihre eigenen Ziele geht?

Ja, durchaus. Als Schauspieler – noch mehr als Schauspielerin – muss man das ja sein. Wie in jeder freiberuflichen Tätigkeit, Ihnen ist das sicher auch nicht fremd: Man muss immer aufs Neue, mit jedem Projekt, ganz unten anfangen. Es ist ein ständiger Kampf. Und ja, beruflich kann ich das mittlerweile gut. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann ziehe ich das durch. Worin ich allerdings nicht so gut bin, ist Eigenwerbung. Ich glaube, das ist die typische Britin in mir. „Hallo! Nehmt mich! Ich bin die Beste!“, das liegt mir wirklich nicht.

 

Zu Beginn Ihrer Karriere hatten Sie viel damit zu kämpfen, dass Sie die Tochter eines in Großbritannien sehr bekannten Mannes sind – des britischen Anwalts und Schriftstellers Sir John Mortimer.

Ich liebe meinen Vater sehr, er war einer meiner größten Helden, und er fehlt mir jeden Tag, seit er vor neun Jahren verstorben ist. Aber es war in der Tat schwierig, ich habe früher oft zu hören bekommen, dass ich nur durch ihn bekannt geworden wäre. Um so schöner ist es, wenn ich immer mehr Menschen treffe, die mich tatsächlich nur wegen meiner Filme kennen.

 

Wo leben Sie eigentlich zurzeit? Sie sind ja mit einem US-Amerikaner verheiratet.

In New York, in Brooklyn. Aber wir haben alle zwei Pässe, mein Mann, ich und unsere zwei Kinder, wir sind auch oft auf Besuch in London. Woher genau kommen Sie eigentlich?

 

Aus Wien.

Aus Wien! Wie schön! Ich mag Wien sehr gern, ich war vor ein paar Jahren einmal dort, und es hat mir sehr gefallen. Ich habe mir Schiele im Belvedere angesehen, und dann den Klimt-Fries, in einem anderen Museum, wie hieß das noch mal, es war in der Nähe der Oper, glaube ich.

 

Das Haus mit der goldenen Blätterkugel obendrauf? Die Sezession?

Ja, genau, das war es! Wunderschön. An das Beethovenhaus erinnere ich mich auch noch. Und an viele kleine alte Damen in Pelzmänteln, die sehr langsam über die Zebrastreifen gingen. Das sind meine Lieblingserinnerungen an Wien.

 

Klimt, Schiele und kleine alte Damen also.

Genau! (lacht)

Steckbrief

Emily Mortimer wurde 1971 in London als Tochter des Anwalts und Schriftstellers Sir John Mortimer geboren. Schon im Internat begann sie, Theater zu spielen.

Nach einigen Rollen im TV war sie in „Der Geist und die Dunkelheit“ 1996 erstmals im Kino zu sehen.

2004 spielte sie in „Lieber Frankie“, 2005 in Woody Allens „Match Point“, 2010 in Martin Scorseses „Shutter Island“ und 2017 in Sally Potters „The Party“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2018)

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