Beatle-Mania im Fürnkranzhaus

Kunst. Galerist Gerald Hartinger lockt schon zum zweiten Mal Ringo Starr in seine Galerie: Der Beatle produziert nämlich Pop-Art – mit Peace-Zeichen.

Kennengelernt hat er die Musik der Beatles Mitte der Sechzigerjahre im steirischen Regionalradio. Gerald Hartinger konnte damals natürlich nicht ahnen, dass er einige Jahrzehnte später deren Schlagzeuger, Ringo Starr, noch viel näher kennenlernen würde. Vorerst genoss er das herrlich naive „Yellow Submarine“. Für seine Leidenschaft für „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ wurde er von einigen Freunden gehänselt. Aber das war ihm egal. Stundenlang konnte er über Zeilen wie „Ob-La-Di, Ob-La-Da, life goes on, bra, la-la, how the life goes on“ trefflich sinnieren.

Später hat er dann Handelswissenschaften in Wien studiert. Statt in einer Bank zu beginnen, startete Hartinger einen Handel mit Edelsteinen. „Mit Farbedelsteinen habe ich mir einen Namen gemacht. Also Rubin, Saphir, Smaragd usw.“ Über diesen Umweg kam Hartinger mit Kunst, vorzugsweise mit der Pop-Art, in Fühlung. „Ich machte schon früher einige Ankäufe von heimischen Künstlern wie Hans Staudacher. Aber vollends erwischt hat mich der Sammelwahn erst in New York. Dorthin hab ich mein Edelsteinbusiness mehr und mehr verlegt und habe immer mehr Zeit in den Galerien von Manhattan verbracht.“


Treffen am West Broadway

Seine Begeisterung für Pop-Art hat sich zunächst an den signifikant simplen Bildern von Keith Haring entzündet. Hartinger, der seit seiner Jugend ein Ideal von Amerika in seinem Herzen trägt, sieht dieses trotz Donald Trump immer noch als unbefleckt an. „Die Leute haben damals schon beim George Bush schiach geredet. Aber die Menschen, mit denen ich in New York zu tun habe, die lassen sich von keinem Präsidenten beeindrucken. Da hat sich nichts verändert.“ Das Versprechen einer besseren Welt, das in der amerikanischen Realpolitik ein wenig verschlissen ist, in der Kunst leuchtet es immer noch hell.

Nicht zuletzt in der Marke Pop-Art, für die Ringo Starr steht. Seine Werke werden von der Lotus Foundation verwaltet, die alle Gewinne sozialen Projekten zuführt. Der Mann verschwendet die Kraft seiner Arme also nicht nur für leicht schiefe Beats und massenhaft in die Lüfte getupfte Peace-Zeichen, sondern schwingt auch den Pinsel. Zuweilen frönt er der frechen Collage. Hartinger traf auf Starr bei dessen Galeriendebüt zu Beginn der Nullerjahre am West Broadway in New York. Er kaufte gleich ein paar Bilder ein. Sicher ist sicher. Der Kunstfreund und der Kaufmann ringen stets zu gleichen Teilen in Hartinger, wenn es um einen Ankauf geht. Zunächst entstand loser Kontakt mit Starrs Lotus Foundation. Vor sieben Jahren aber, da krachte es so richtig, da besuchte Ringo Starr erstmals Hartingers Pop-Art-Galerie im Fürnkranzhaus.

Die Anbahnung dieses hohen Besuchs hat nicht weniger als fünf Jahre gedauert. Stolz schaut Hartinger aufs Display seines Mobiltelefons. Dort läuft ein dreieinhalbminütiges Video davon. Darauf sieht man Ringo Starr auch seine Bilder signieren. Zentral in der Kunst von Starr sind mannigfaltigste Variationen und Ausgestaltungen des Love-&-Peace-Zeichens. „In den Bildern drückt sich seine Persönlichkeit total aus“, befindet Hartinger. „Er ist cool, witzig und total authentisch bezüglich Love & Peace, also ein typischer Vertreter des Zeitgeists der Sechzigerjahre.“


Zutritt nur für Käufer

Hartinger ist jedenfalls ein Sammler, der auch verkaufen kann, wenn „die Phase stimmt“. Ein wenig Reue folgt meist schon nach. Aber Momente wie die Adelung der Galerie durch den Besuch von Ringo Starr wiegen diese dunklen Momente locker auf. Jetzt steht abermals einer an. Am 20. Juni gastiert der Ex-Beatle mit seiner „All-Starr-Band“ (sic!) in der Wiener Stadthalle. Davor stattet er Hartinger wieder einen Besuch ab. „Die Türe wird extrem streng gehandhabt werden. Nur ausgewiesene Käufer dürfen hinein.“

Unter den Ausnahmen dieser Türpolitik wird ein junger Mann sein, den Starr damals schon sehr freundlich umarmt hat. „Ich habe ja nur in meinen Träumen Musik gemacht, zu der mir die Mädels zugejubelt haben. Im wirklichen Leben ist das nie passiert. Aber mein Sohn hat offenbar meine geheimen Wunschvorstellungen realisiert“, so Hartinger verschmitzt. Dessen Name? Julian le Play, Hitparadenstürmer im deutschsprachigen Raum.

AUF EINEN BLICK

Gerald Hartinger, Jahrgang 1956, wuchs im steirischen Bad Gleichenberg auf. Er wurde zunächst Edelsteinhändler, später Galerist. Schon um die Jahrtausendwende kaufte er Pop-Art-Bilder des Beatle Ringo Starr. Dieser wurde im April von Prinz William zum Ritter geschlagen, hat eben einen Vertrag mit BMG unterschrieben und spielt am 20. Juni in der Wiener Stadthalle. Davor kommt er um 15 Uhr in die Galerie Gerald Hartinger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

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