Jane Fonda: "Männlichkeit kann toxisch sein"

In „Book Club“ lesen Seniorinnen gemeinsam den Erotik-Bestseller „Fifty Shades of Grey“. Im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“ verrät Jane Fonda die wahren Bücher ihres Lebens.

Die meisten ihrer früheren Freundinnen, sagt Jane Fonda, seien schon tot. Sie selbst habe keine Angst vor dem Ende – nur davor, etwas zu bedauern.
Die meisten ihrer früheren Freundinnen, sagt Jane Fonda, seien schon tot. Sie selbst habe keine Angst vor dem Ende – nur davor, etwas zu bedauern.
Die meisten ihrer früheren Freundinnen, sagt Jane Fonda, seien schon tot. Sie selbst habe keine Angst vor dem Ende – nur davor, etwas zu bedauern. – REUTERS

Sie haben im Vorjahr Ihren 80. Geburtstag gefeiert und wirken keine Spur müde. Mit der Komödie „Book Club – Das Beste kommt noch“ landeten Sie einen Erfolg, für die Kosmetikfirma L'Oréal touren Sie um die Welt. Woher nehmen Sie die Energie?

Jane Fonda: Schlaf. Und zwar viel davon. Ich genehmige mir neun Stunden pro Nacht. Aber ich hatte immer schon viel Energie, das muss an meinen Genen liegen. Früher war diese Energie auch von Anspannung begleitet, jetzt ist sie gut und gesund.

Sie nehmen sich hoffentlich auch noch genügend Zeit zum Lesen – so wie die Heldinnen Ihres Films.

Absolut.

Welche Bücher waren denn in Ihrem Leben wichtig?

Es gab zwei, die mein Leben verändert haben. Das erste war „The Village of Ben Suc“ von Jonathan Schell, das mir die Augen über den Vietnamkrieg geöffnet hat. Damals lebte ich verheiratet in Frankreich. Und als Konsequenz verließ ich meinen Mann und das Land, ging in die Staaten zurück und wurde Friedensaktivistin. Das zweite war die Autobiografie von Malcolm X. Dadurch habe ich begriffen, dass Rassismus das Krebsgeschwür unseres Landes ist, das auf dem Rücken der Sklaverei errichtet wurde. Und die Wahl von Donald Trump hat nur gezeigt, dass dieses Denken immer noch so ausgeprägt ist wie früher. Auch jetzt lese ich vorzugsweise Bücher, um die Rassenfrage zu verstehen. Romane, wie sie die meisten Menschen lesen, interessieren mich dagegen nicht so sehr.

Wie ist es mit „Fifty Shades of Grey“, der das Liebesleben der Filmfiguren wieder in Schwung bringt?

Das habe ich gelesen. Ich wollte schließlich wissen, wovon alle anderen redeten. Ich persönlich habe keine sexuelle Anregung gebraucht, weil ich alles Mögliche in der Hinsicht ausgetestet hatte.

Zumindest haben Sie mit Männern umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse über das andere Geschlecht?

Dass viele Männer nicht imstande sind, mit ihren Emotionen umzugehen. Schon wenn sie klein sind, sagt man ihnen, dass sie nicht weinen und kein Muttersöhnchen sein sollen. Lieber sollen sie andere Buben vermöbeln. Das wird ihnen explizit von ihren Eltern beigebracht und implizit vom Zeitgeist. Sie trennen also zwischen Herz und Gehirn. Wenn sie dann älter werden, fühlen sie sich nicht mehr männlich genug, wenn sie keine Beute nach Hause bringen. Sie kommen sich gedemütigt vor, als Konsequenz werden sie gewalttätig. Männlichkeit kann sehr toxisch sein. Wie viele Präsidenten haben wir gewählt, die nicht zu Empathie imstande sind?

Wie kamen Sie zu diesen Erkenntnissen?

Ich habe viele Bücher gelesen, und auf diese Weise habe ich gelernt, Alpha-Männchen wie meinen Ex-Mann Ted Turner zu verstehen. Aufgrund ihrer Prägung haben Männer keine so hohe Lebenserwartung wie wir Frauen. Das haben Studien bewiesen. Denn wir haben aufgrund unserer Emotionalität eine ganz andere Art von Beziehungen. Frauenfreundschaften sind viel intimer und enger.

Und das ist immer noch so?

Vom Grundprinzip her ja. Wenn wir unsere Freundinnen wiedersehen, spielt es keine Rolle, wie lang das letzte Mal her war, wir sprechen sofort wieder über seelisch tief greifende Themen. Wir fürchten uns nicht, die andere um Hilfe zu bitten. Männer machen das in der Regel nicht. Sie tun mir richtig leid. Und all das sind Gründe, weshalb ich liebend gern einen Film wie „Book Club“ gemacht habe. Denn er zeigt, wie interessante und komplexe Frauen sich gegenseitig unterstützen.

Haben Sie auch so langjährige Freundinnen wie im Film?

Leider sind die meisten meiner Freundinnen von früher tot. Wenn du 80 bist, dann musst du das miterleben. Meine besten Freundinnen sind also alle jünger als ich.

Fürchten Sie sich vor dem Tod?

Nein. Ich habe schon lang begriffen, dass das Leben ohne den Tod keinen Sinn ergibt. Ich habe nur Angst davor, mit Bedauern aus dem Leben zu scheiden. Das habe ich bei meinem Vater erlebt. Er hat auf dem Sterbebett vieles bereut. Ich versuche so zu leben, dass mir das möglichst nicht passiert.

Steckbrief

1937 in New York als Tochter von Henry Fonda und Schwester von Peter Fonda geboren, entwickelte sich Jane Fonda in den 1960er- und 1970er-Jahren vom Sexsymbol zur ernsthaften Darstellerin.

1972 und 1979 gewann sie je einen Oscar. Später avancierte sie mit Aerobicvideos zur Vorturnerin. Diese Woche wurde in Los Angeles eine HBO-Doku über ihr Leben präsentiert: „Jane Fonda in Five Acts“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2018)

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