Jeff Bridges: „Trump ist unser Spiegel“

Jeff Bridges spielt in seinem neuen Film „Bad Times at the El Royale“ einen vermeintlichen Priester. Im Interview spricht er über Gemeinsames mit Trump und Kavanaugh, seine große Liebe, die mit einem Unfall begann, und seine Definition von „Retirement“.

Jeff Bridges gehtauf den Siebziger zu und sagt, oft fühle er sich dennoch wie mit 17 Jahren. Vielleicht liegt das auch an den Weisheiten seines Freundes, des Zen-Meisters.
Jeff Bridges gehtauf den Siebziger zu und sagt, oft fühle er sich dennoch wie mit 17 Jahren. Vielleicht liegt das auch an den Weisheiten seines Freundes, des Zen-Meisters.
Jeff Bridges gehtauf den Siebziger zu und sagt, oft fühle er sich dennoch wie mit 17 Jahren. Vielleicht liegt das auch an den Weisheiten seines Freundes, des Zen-Meisters. – Getty Images

„Bad Times at the El Royale“ zeigt, wie sich die Schicksale verschiedener Charaktere auf bizarr-gewalttätige Weise in einem Hotel verstricken. Weniger brutal, dafür wendungsreicher sind die Gedankengänge von Hauptdarsteller Jeff Bridges. Wer mit dem 68-Jährigen sprechen darf, bekommt Aussagen zu Brett Kavanaugh, Liebe auf den ersten Blick und der Definition von „Ruhestand“.

 

Im neuen Film spielen Sie einen vermeintlichen Priester, bei dem einer der Charaktere die Beichte ablegen möchte. Gibt es Sünden, die Sie beichten würden?

Jeff Bridges: Die gibt es, aber die habe ich alle meiner Frau gestanden, und sie hat mir Absolution erteilt. Allerdings glaube ich weniger an das Konzept der Sünde. Es sind eher Fehltritte, die dich vom richtigen Weg abkommen lassen. Meist ist der Grund dafür Ignoranz.

 

Einige Figuren des Films haben Schlimmeres auf dem Kerbholz als Ignoranz. Was ist Ihr persönliches Konzept eines Bösewichts?

Wir alle sind Bösewichte. Das Böse ist wie ein Krebs, der sich durch unsere ganze Gesellschaft bis in unsere Herzen gefressen hat. Keiner ist frei davon. Und Leute wie Trump und Kavanaugh verkörpern einen Teil unseres Selbst.

 

Das heißt, in Ihnen und mir stecken ein Trump und ein Kavanaugh?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Aber sie sind wie ein Spiegel. Und in den müssen wir hineinschauen, um zu erkennen, was wir verändern müssen.

 

Sie klingen dabei so entspannt.

Absolut nicht. Ich bin zutiefst beunruhigt über die US-Politik. Aber ich nehme meine Angst als Treibstoff. Sie inspiriert mich, meinen Bekanntheitsgrad für die Dinge einzusetzen, die ich verändern möchte. Los, Junge!

 

Haben Sie sich deshalb jüngst auf dem Times Square zu Yoko Ono ins Bett gelegt?

Sie sagen es. Das war eine Reminiszenz an Yokos und John Lennons Aktion „Bed-In“, mit der sie vor rund 50 Jahren den Frieden fördern wollten. Etwas absurd, aber die Idee war wunderbar.

 

Ihre Frau war also nicht eifersüchtig?

Nein, sie war auch in New York. Außerdem hat sich Ringo Starr zu uns gelegt.

 

Sie sind seit mehr als 40 Jahren verheiratet. Angeblich war es Liebe auf den ersten Blick.

Richtig. Es war, als hätte mich jemand k. o. geschlagen. Ich drehte 1974 in Montana, Sue arbeitete auf einer Ranch. Ich konnte meinen Blick nicht von ihr wenden. Nicht nur, weil sie bildhübsch war, auch, weil sie zwei blaue Augen und eine gebrochene Nase hatte. In meiner Fantasie war sie verprügelt worden, ich sah mich als großen Retter. Wie sich herausstellte, hatte sie einen Autounfall gehabt.

 

Sie steuern auf die 70 zu, strahlen aber eine jugendliche Energie aus. Spüren Sie das Alter noch nicht in den Knochen?

Klar. Aber es gibt auch genügend Phasen, in denen ich mich wie 17 fühle. Ich habe einen guten Freund, den Zenmeister Bernie Glassman, der das Wort „Rente“ neu definiert. Im Englischen heißt es „retirement“ – „tire“ bedeutet „Reifen“. Für ihn bedeutet es also: „Du musst dir in dem Alter neue Reifen aufziehen.“ Das ist meine Einstellung. Ich möchte mein Leben noch einmal ein bisschen aufmischen, etwa mit meiner Musik.

 

Gab es je einen Punkt, an dem Sie der Schauspielerei müde wurden?

Vor mehr als 40 Jahren. Ich hatte einige Filme gedreht, war für einen Oscar nominiert, aber ich war mir nicht sicher, ob die Schauspielerei etwas für mich war. Ich wollte mein normales Leben zurück. Dann kam ein Angebot für eine Rolle in „The Iceman Cometh“. Ich sagte ab. Nach einigen Diskussionen dachte ich mir: „Ich mache ein Experiment, ich will wissen, ob ich dafür gemacht bin. Wenn du ein Profi bist, musst du das fühlen. Ich fühle es nicht, mit diesem Film schlage ich den letzten Nagel in den Sarg meiner Schauspielkarriere.“

 

Warum taten Sie's dann doch nicht?

Es war ein einzigartiger Dreh. Wir probten acht Wochen lang, und dann spielten wir fast wie im Theater. Ich schaute diesen Meistern der Schauspielkunst zu, Robert Ryan oder Fredric March, und bemerkte, dass diese großartigen Kollegen immer noch eine solche Nervosität hatten, weil sie unbedingt ihre bestmögliche Leistung zeigen wollten. March war über 70 und hatte noch eine Energie, die total ansteckend war. Ich dachte: Das kann ich den Rest meines Lebens machen. Das ist wirklich cool.

Steckbrief

Der ewige „Dude“ aus „The Big Lebowski“ wurde 1949 in Los Angeles geboren. Jeff Bridges war seit seinem Durchbruch mit „Die letzte Vorstellung“ in mehr als 50 großen Hollywoodfilmen zu sehen, darunter „Starman“, „Fearless“, „Iron Man“ oder „Tron“. Für seine Rolle in „Crazy Heart“ erhielt er 2010 den Oscar als Bester Hauptdarsteller.

Sein neuer Film „Bad Times at the El Royale“ ist seit Freitag in den heimischen Kinos zu sehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2018)

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