Claire Foy: „Die ganze Welt war in Aufruhr“

Die britische Schauspielerin Claire Foy über ihre Rolle als Janet Armstrong an der Seite von Ryan Gosling, über ihren Durchbruch als Königin Elizabeth II. und die Lust darauf, mit Lisbeth Salander endlich eine düstere Rolle zu spielen.

„Ich dachte, so viel Kreischerei kriegen nur die Beatles“, sagt die britische Schauspielerin Claire Foy über ihren Kollegen Ryan Gosling auf dem roten Teppich.
„Ich dachte, so viel Kreischerei kriegen nur die Beatles“, sagt die britische Schauspielerin Claire Foy über ihren Kollegen Ryan Gosling auf dem roten Teppich.
„Ich dachte, so viel Kreischerei kriegen nur die Beatles“, sagt die britische Schauspielerin Claire Foy über ihren Kollegen Ryan Gosling auf dem roten Teppich. – REUTERS

Seit der Serie „The Crown“ ist sie eine Sensation: Mit ihrem Porträt der jungen Queen Elizabeth II gewann die britische Schauspielerin Claire Foy (34) nicht nur einen Golden Globe, sondern auch die Aufmerksamkeit von Hollywood. Jetzt bekommt die Traumfabrik gar nicht genug von ihr: Foy spielt an der Seite von Ryan Gosling die weibliche Hauptrolle in „Aufbruch zum Mond“ als Neil Armstrongs Ehefrau Janet. Zwei Wochen später kommt Claire Foy dann auch noch als die neue Lisbeth Salander im schwedischen Kult-Thriller „Verschwörung“ auf die Leinwand.

Auf dem roten Teppich haben Sie eine souveräne Figur abgegeben.

Claire Foy: Da bin ich wie auf Autopilot geschaltet. Aber so crazy wie in Venedig habe ich noch keinen roten Teppich erlebt. Ich dachte, so viel Kreischerei kriegen nur die Beatles! Aber nein, auch Ryan Gosling!

Hat Sie das erstaunt?

Ja, weil ich weiß, wie Ryan sonst ist. Sehr entspannt, lieb, ganz bescheiden und eher zurückhaltend. Aber wenn die Leute wegen dir ausrasten, muss das schon eine seltsame Wirkung haben.

Wie war es für Sie, als Janet Armstrong eine Zeitreise ins Amerika der 1960er anzutreten?

Eine tolle Erfahrung! Dabei war Janet Armstrong gar nicht das typische 1960er-Jahre-Heimchen am Herd, sie hat gern angepackt, war sportlich und hatte ihren eigenen Kopf – sie hat auch mal die Nasa-Chefs gehörig zusammengestaucht. Interessant war vor allem der Zeitgeist dieser Ära, die Umbruchstimmung damals, der Kalte Krieg, der Wettlauf mit der UdSSR in der Raumfahrt, die ganze Welt war in Aufruhr.

Es war gleichzeitig auch die Zeit der aufkommenden Frauenbewegung 1968.

Dennoch waren Janets persönliche Lebensumstände einzigartig. Sie war permanent von Leuten umgeben, die an ihre persönlichen Grenzen gingen und deren Job sie in Lebensgefahr brachte. Es war unnatürlich, was sie den Kindern oft vorspielen musste. Oder wie die Familie, als Neil im All war, zu Hause fürs Fernsehen gefilmt wurde und jeder seine Rolle perfekt zu spielen hatte.

Sie erziehen Ihre dreieinhalbjährige Tochter allein, müssen für Ihren Beruf viel unterwegs sein. Stellen Sie sich auch manchmal die Frage, ob es das wert ist?

Ich muss mir zum Glück nie Fragen über Leben und Tod stellen. Aber natürlich frage ich mich auch hin und wieder, warum ich die Dinge tue, die ich tue. Ich glaube schon, dass ich sehr schnell merken würde, wenn der Preis für ein Ziel zu hoch wäre. Ich würde die Beziehung zu den Menschen, die ich liebe, nie aufs Spiel setzen.

Sie mussten vier Monate nach der Geburt Ihrer Tochter schon als Elizabeth II. vor der Kamera stehen. Wie schafft man das?

Das war anstrengend, zumal ich noch stillte, und unter Stress werde ich leicht melodramatisch! Ich weiß noch, wie ich in den ersten Tagen den armen Regieassistenten angeschrien habe.

Wie sehr hat die Rolle als Königin in „The Crown“ Ihre Karriere beeinflusst?

Sie hat alles verändert! Selten hat man die Chance, etwas zu machen, dass das Leben so sehr auf den Kopf stellt. Ich hatte unglaubliches Glück, dass diese Rolle in mein Leben gekommen ist.

Warum, glauben Sie, ist das Interesse an royalen Dramen und Geschichten so groß?

Das Besondere an der Serie war, dass sie nicht das Königshaus glorifiziert hat, sondern die menschlichen Seiten dieser Familie zeigt, die in einer außergewöhnlichen Situation leben muss.

Hat der Erfolg Ihr Leben verändert?

Kaum. Ich gehe noch immer zu Fuß, ohne Menschenaufläufe zu verursachen, und fahre in London sogar mit der U-Bahn. Damit ist man einfach am schnellsten!

Ende November sind Sie als die nächste ikonische Figur zu sehen. In „Verschwörung“ spielen Sie die neue Lisbeth Salander. Was reizte Sie an dieser Figur?

Ich wollte immer schon so eine düstere Rolle spielen – und in Berlin arbeiten! Ich konnte kaum abwarten, dass es dort losgeht. Ich liebe Berlin.

Als Lisbeth Salander sehen Sie fast brachial-jungenhaft aus . . .

Ich musste mir richtige Muskelpakete antrainieren und auch noch abnehmen, um definierter zu wirken. Aber wenn ich nichts esse, bin ich unerträglich. Ich kann dann nicht mal denken.

Steckbrief

Claire Foy wurde am 16. April 1984 im englischen Stockport bei Manchester geboren. Sie ist die jüngste von drei Kindern. Die Eltern ließen sich scheiden, als Claire acht war.

Ab 2016 spielte sie in der Netflix-Serie „The Crown“ die junge Königin Elizabeth II.

Aktuell ist sie in „Aufbruch zum Mond“ als Frau von Neil Armstrong zu sehen, Ende November als Lisbeth Salander, die in „Verschwörung“ für misshandelte Frauen kämpft.

 


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2018)

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