Brauchtum

Salzburgs oberster Adventsänger

Hans Köhl sucht mit dem Salzburger Adventsingen die Balance zwischen Tradition und zeitgemäßer Übersetzung der Weihnachtsbotschaft.

Hans Köhl (r.) mit seinen beiden Hauptdarstellern Konstantin Schrempf (Organist Gruber, l. ), Bernhard Teufl (Josef/Hilfspriester Mohr) und Regisseurin Caroline Richards. Erzählt wird heuer die Entstehungsgeschichte von „Stille Nacht“.
Hans Köhl (r.) mit seinen beiden Hauptdarstellern Konstantin Schrempf (Organist Gruber, l. ), Bernhard Teufl (Josef/Hilfspriester Mohr) und Regisseurin Caroline Richards. Erzählt wird heuer die Entstehungsgeschichte von „Stille Nacht“.
Hans Köhl (r.) mit seinen beiden Hauptdarstellern Konstantin Schrempf (Organist Gruber, l. ), Bernhard Teufl (Josef/Hilfspriester Mohr) und Regisseurin Caroline Richards. Erzählt wird heuer die Entstehungsgeschichte von „Stille Nacht“. – (c) Adventsingen

Seine – wenn auch indirekte - Verbindung zum Salzburger Adventsingen reicht ganz weit in die Kindheit zurück: Hans Köhl, seit 2000 für die vorweihnachtliche Traditionsveranstaltung im Großen Festspielhaus verantwortlich, durfte als Bub ein paar Mal am Schoß von Karl Heinrich Waggerl sitzen.

Der Schriftsteller war nämlich im steirischen Gröbming Stammgast in einer Konditorei, die Köhls Cousin gehörte. „Ich habe manchmal ein Eis bekommen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer des Salzburger Heimatwerks an die Begegnung mit Waggerl.

Dass er einmal die von Tobias Reiser dem Älteren und Waggerl begründete Tradition des Adventsingens fortsetzen würde, konnte er damals nicht ahnen. Eine starke Affinität zum Thema brachte Köhl aber schon in seiner Jugend mit. 1980 organisierte er erstmals ein Adventsingen in Gröbming. Vorbild war – wie für so viele Veranstaltungen dieser Art – das Salzburger Adventsingen. Damals fragte Köhl bei Reiser – dem damaligen Leiter des Salzburger Heimatwerks – an, ob er die auf der Einladung für das Salzburger Adventsingen verwendete Grafik eines Weihnachtssterns auch für seine Veranstaltung in Gröbming verwenden könnte. Er durfte – und der Stern, der heute das Logo des Salzburger Adventsingens ist, begleitet ihn seither.

Als Gesamtleiter des Adventsingens lässt sich Köhl fast jedes Jahr eine neue Rahmenhandlung für die Weihnachtsbotschaft einfallen. „Waggerl ist 1952 zum Adventsingen gekommen und hat seine Geschichten vorgelesen, dazu gab es traditionelle Lieder und Volksmusik. Der Ablauf war über Jahrzehnte gleich“, erzählt Köhl. Heute wäre das nicht mehr möglich. „Daran sieht man, wie schnelllebig die Zeit und die Erwartung des Publikums geworden ist“, sagt er. Im Zentrum des Adventsingens stehe immer die Weihnachtsgeschichte und die Frage, wie man sie zeitgemäß erzählen könne, betont der Autor: „Ich möchte, dass die Menschen spüren, dass uns Bethlehem auch heute neue Denkansätze geben kann.“

 

„Stille Nacht“-Theater

Heuer – wie könnte es anders sein – steht das 200-Jahr-Jubiläum von „Stille Nacht“ im Mittelpunkt. Köhl hat sich dabei ein Theater im Theater ausgedacht. Die Oberndorfer Schiffer bringen im Jahr 1818 ein Adventspiel auf die Bühne, die Uraufführung von „Stille Nacht!“ mit den Protagonisten Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr wird so Teil dieses Theaterspiels, das gleichzeitig das Weihnachtsevangelium erzählt. Die Sänger müssen in Doppelrollen schlüpfen – Tenor Bernhard Teufl singt nicht nur Joseph Mohr, sondern auch den Josef. Die Sopranistin Simone Vierlinger verkörpert neben der Maria auch eine Heilerin.

Die Vorstellungen sind seit langem ausverkauft, obwohl es 16 Aufführungen mit insgesamt 36.000 Karten gibt. „Viele Familien kommen seit Generationen jedes Jahr“, freut sich Köhl über das ungebrochene Interesse. Unter die Stammgäste mischen sich immer mehr Besucher aus dem Ausland.

Die Geschichte zeitgemäß zu verorten und trotzdem der Tradition treu zu bleiben, sei eine ständige Gratwanderung, erzählt Köhl. Als er vor einigen Jahren die Herbergssuche an Hand von Schicksalen in Salzburg lebender Obdachloser erzählt hat, hat das viele im Publikum ebenso irritiert wie der Versuch, andere Religionen in das Adventsingen einzubauen. „Da bekomme ich dann auch böse Briefe“, berichtet Köhl. Aber genau diese Denkanstöße sind ihm wichtig, wenn er seine Oratorien entwirft.

In der Konzeptionsphase sucht er die Ruhe in der Natur. „Das Schreiben ist eine einsame Sache“, sagt der Intendant. Sobald das Stück fertig ist, setzt er sich mit dem Komponisten Klemens Vereno zusammen, der die großen Gesangsstücke komponiert. Gemeinsam mit traditionellen Volksliedern – wie dem für das Adventsingen obligaten Andachtsjodler – oder den Auftritten der Hirtenkinder entsteht dann das szenisch-musikalische Gesamtwerk.

Und was ist für 2019 geplant? Da will Köhl „Der Sterngucker“ wieder aufnehmen. Aber auch hier will er noch einmal Hand anlegen und das Stück überarbeiten: „Die guten Traditionen soll man mitnehmen, aber man muss auch Neues entstehen lassen.“

AUF EINEN BLICK

Das Salzburger Adventsingen steht 2018 unter dem Titel „200 Jahre Stille Nacht“. Premiere war am 30. November, Aufführungen im Großen Festspielhaus gibt es bis einschließlich 16. Dezember. Die Aufführungen sind seit langem ausverkauft. Tickets für 2019 gibt es bereits ab 9. Jänner, online unter:

Web: www.www.salzburgeradventsingen.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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