"Echte Wiener 2": Mundl in der Endlosschleife

Der Kinospielfilm „Echte Wiener 2 – Die Deppat'n und die Gspritzt'n“ ist im Kasten. Im Dezember kommt er in die heimischen Kinos. Karl Merkatz wirkt müde – müde vom Mundl.

Mundl Endlosschleife
Mundl Endlosschleife
(c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Karl Merkatz wirkt müde – müde vom Mundl. „Es ist schwierig, weil die Geschichte schon gelaufen ist. Sie ist schon rund, sie war es schon beim letzten Film“, sagt er bei der Drehschlussfeier von „Echte Wiener 2 – Die Deppat'n und die Gspritzt'n“ Donnerstagabend im Wiener Club Planetarium.

Dennoch hat er sich nach anfänglichem Zögern dazu entschieden, noch einmal in die Rolle der Wiener Kultfigur Edmund Sackbauer für die Kinoleinwand zu schlüpfen. „Es war eine kollegiale Entscheidung. Hätte ich Nein gesagt, wäre nicht gedreht worden“, so Merkatz im Gespräch mit der „Presse“.

Und unter Kollegen wurde an diesem Abend auch gefeiert. Ein Teil des Filmteams drehte noch die letzten Szenen, während sich der Rest der Truppe nach guten sechs Wochen Dreharbeiten im Planetarium einfand. Erika Deutinger, die die Mundl-Tochter Hanni spielt, war ebenso dabei wie Günter Tolar (Mundls neuer Nachbar), Regisseurin Barbara Gräftner und Mundl-Urenkel Pascal Giefing. Er ist mit 15Jahren der jüngste in der Familie und nennt Edmund Sackbauer den „Homer Simpson der Wiener“.

Ab 16.Dezember ist die zweite Kinoverfilmung der Kultserie aus den 1970er-Jahren in den heimischen Kinos zu sehen. Leicht hatte es der „Echte Wiener 2“ von Anfang an nicht. Autor und Mundl-Erfinder Ernst Hinterberger ist kurz vor Drehbeginn abgesprungen. Die Fortsetzung der Familiensaga habe nichts mehr mit ihm zu tun, sagte er damals. Auch das Wort „geistiger Vatermord“ fiel.

Dazu kamen noch Geldprobleme, weshalb Regisseur Kurt Ockermüller seine Tätigkeit einstellte, die schließlich Koproduzentin Barbara Gräftner übernahm. Aus Wien gab es diesmal keine Förderung, dafür sprang das Land Niederösterreich ein, immerhin wurden auch einige Szenen in Baden gedreht. Dennoch musste überall gespart werden, auch beim Equipment.

„Echter Wiener 2“ ist der erste Kinofilm, der auf einem Fotoapparat mit Videofunktion gedreht wurde. Der Plot: Familie Sackbauer erbt überraschend eine noble Villa in Baden. Mundl kümmert sich um den Garten und prallt auf die konträre Welt seines schnöseligen und schwulen Nachbarn, verkörpert von Günter Tolar. Mundl-Enkel René (Manuel Rubey) verliert wegen seiner Spielsucht sein Haus, sein pubertierender Sohn Edi (Pascal Giefing) versucht sich als Hip-Hopper. Toni (Ingrid Burkhard) reist mit Tochter Hanni (Erika Deutinger) nach Irland, um die Verlassenschaft des verunglückten Franzi zu regeln. Es kommt zum Streit, Mundl ist allein daheim und hat Zeit zum Nachdenken. Am Schluss gibt es eine Versöhnung inklusive diamantener Hochzeit des Ehepaars Sackbauer.

Ob Teil zwei an den Erfolg des Kinoerstlings („Echte Wiener – die Sackbauer-Saga“) mit 370.000Besuchern anknüpfen kann, wird sich weisen. „Das Publikum entscheidet, ob der Mundl noch aktuell ist“, sagt Karl Merkatz. Seine Filmtochter Erika Deutinger ist hingegen davon überzeugt. Themen des Films wie der Zusammenhalt in der Familie sowie Ausländerfeindlichkeit seien heute aktueller denn je. „Es ist gut, wenn sozialpolitische Themen angesprochen werden, denn auf den Mundl wird gehört. Das ist eine Sozialhygiene“, sagt Deutinger. Sie würde auf jeden Fall für einen Teil drei zur Verfügung stehen, immerhin liebe sie diese Familie. Regisseurin Barbara Gräftner wäre ebenfalls dazu bereit. Denn erst gegen Ende des Films hat die Zusammenarbeit richtig gut geklappt.

Anfangs dürften unterschiedliche Generationen und ebensolche Arbeitsweisen aufeinandergeprallt sein. „Der autoritäre Regiestil, wie es ihn früher gab, hat mit meiner Arbeitsweise nichts zu tun“, sagt Gräftner. Auch sie spricht von einer familiären Atmosphäre, allerdings „nur, was die Arbeit betrifft, rein privat überhaupt nicht“.

Karl Merkatz nimmt die Endlosschleife des Mundl trotz allem mit Humor: „Den nächsten drehen wir dann, wenn ich im Altersheim bin.“

AUF EINEN BLICK

Die Dreharbeiten zur zweiten Kinoverfilmung der Fernsehserie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ sind abgeschlossen. Am 16.Dezember ist Start in den heimischen Kinos.

www.echtewiener2.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2010)

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