Der „Burg-Ring“ ist geboren: Michael Heltau erster Träger

Nach der Staatsoper hat nun auch das Burgtheater einen Ehrenring. Michael Heltau bekam ihn, die Junge Burg gratulierte. Bislang wurde man im Burgtheater nur schriftlich ausgezeichnet.

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(c) APA (Herbert Neubauer)

Das Burgtheater, sagt Direktor Matthias Hartmann, muss immer alles besser können. Zurückstehen will es auch nicht. „Deshalb geht es nicht, dass die Staatsoper einen Ring hat und wir nicht.“ Schon seit 2004 überreicht nämlich die Staatsoper ihren Ehrenmitgliedern als äußeres Zeichen – wie das bei engen Bindungen so ist – ein solches Schmuckstück. Im Burgtheater bekam man hingegen nur schriftlich, dass man etwas Besonderes ist.

Nun hat also die Burg nachgezogen. Ein neues Mitglied hat sie deshalb zwar nicht gleich aufgenommen, dafür ging das erste Exemplar an einen, der es wahrlich verdient: Michael Heltau, den offiziellen Doyen des Wiener Burgtheaters. Er bekam am Mittwochabend von Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer jenes Schmuckstück an den Finger gesteckt, das dem Ausdruck „Wagners Ring“ neue Bedeutung verleiht, denn gestaltet wurde es vom Wiener Innenstadt-Juwelier Wagner.


Und weil die Ehrenmitgliedschaft etwas Gewichtiges ist, ist das Stück in 18 Karat Weißgold nicht gerade zart ausgefallen, erklärte Katharina Gmeiner-Wagner den „Mut zur Auffälligkeit“. Wobei der Ring auch handwerklich besonders ist. Auf seiner Innenseite ist das Haus mit jeder einzelnen Loge eingraviert.

Für Heltau ist es übrigens „der erste Ring überhaupt“, Auszeichnungen hingegen hat er so ziemlich alle bekommen, die man „für meine Arbeit bekommen kann“. Das Wort Arbeit ist ihm dabei wichtig. „Ich glaube, ich bin ein guter Arbeiter. Es wird so viel über Talent geredet, aber nur wenn man wirklich arbeitet, kann man mit seinem Talent auch etwas anfangen.“ Seine liebste Auszeichnung bekommt er indes regelmäßig: den Applaus des Publikums. „Wenn man so lange in einer Stadt lebt, hat man mit dem Publikum eine gemeinsame Biografie. Da muss man ehrlich sein, da darf es keine Spekulationen geben und keinen Pflanz.“

Dafür, dass sowohl künftige Ringträger als auch neues Publikum heranwachsen, sorgt eine Initiative von Matthias Hartmann: die Junge Burg, die bei der Ringpräsentation im Juwelierlokal in der Kärntner Straße mit einem eindrucksvollen Medley auftrat. Das Label „Junge Burg“ sorgt nämlich nicht nur für Kinderstücke, sondern ermöglicht Jugendlichen mit Bühnenneugier nach dem Schulabschluss ein ganzes Jahr „in der Burg“, wo die Jungen in der Schneiderei oder der Dramaturgie mitmischen dürfen, am Kopierer genauso wie auf der Bühne stehen.

„Dass die Burg derzeit einen unglaublichen Zulauf hat, hängt maßgeblich damit zusammen, dass diese jungen Leute Omas, Tanten, Mitschüler und Freunde begeistern“, konstatiert Hartmann zufrieden. „Das zeigt, dass wir längst nicht mehr nur eine Veranstaltung für arrivierte Bürgerliche sind.“


Verabschiedet hat sich die Burg auch schon von so mancher Tradition. „Das Vorhangverbot wurde zu Recht aufgehoben“, findet Springer. „Schauspieler sollen sich vor dem Vorhang Dank und Kritik abholen können.“ Zu Kaisers Zeiten war das anders. Da hatte die Ehre, am Burgtheater zu spielen, Auszeichnung genug zu sein: kein Vorhang, keine Ehrenmitgliedschaft. Das ist heute anders. Nur besser sein, das will die Burg auch heute noch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2010)

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