Claudia Sabitzer: Eine Fixgröße auf der Bühne

Volkstheater-Schauspielerin Claudia Sabitzer im Gespräch über grundloses Keifen, ungewöhnliche Hobbys und die Hartnäckigkeit des Schweizerischen.

(c) Julia Stix

Claudia Sabitzer freut sich. „Nicht zum Heulen ins Theater kommen. Keine toten Kinder“, sagt sie und lacht ein ansteckendes Lachen. Stimmt, „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ ist eine gute Abwechslung zum anderen Stück, in dem sie derzeit im Volkstheater zu sehen ist. Das ist nämlich „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann. Das heißt natürlich nicht, dass sie da nicht auch gern spielt, im Gegenteil. Die tragische Frau John passt ziemlich genau zu den Vorlieben von Sabitzer: „Gerade auf der Bühne mag ich die Zerstörung. Ich mag sehen, wie die Schauspieler schwitzen, wie die Schminke verschmiert, wie sie einen roten Plutzer kriegen. Deswegen geh ich auch nicht so gern in die Oper, die bleiben mir zu schön auf der Bühne.“ Eitel ist sie also nicht auf der Bühne, ob das eine Rolle bei Michael Schottenbergs Raimund-Inszenierung spielt, ist noch unklar. Sie wird jedenfalls ganz anders sein als jene von Jérôme Savary im Sommer in Baden. Obwohl, so viel kann Sabitzer gar nicht dazu sagen, denn die Übertragung im TV hat sie sicherheitshalber schnell abgedreht – zu viel potenzielle Beeinflussung. „Ich muss meins machen.“ Den Rappelkopf spielt im Volkstheater Andreas Vitasek. Für Sabitzer ist es nicht das erste Mal, dass sie neben einem aus Funk und Fernsehen bekannten „Star“ spielt: Sie stand schon „Kaiser“ Robert Palfrader in „Liliom“ zur Seite. Wie sind diese Herrschaften denn in der Zusammenarbeit? „Auf der Bühne sind sie alle gleich. Die müssen auch den Text lernen, das ganze Starsein hilft da nichts. Ich sehe keinen Unterschied – vielleicht werden ein bissl mehr Witze gemacht.“

Im Rappelkopf kann sich Sabitzer, die ja eigentlich dessen Frau Sophie  spielt,  manchmal wiederfinden: „Wenn er so rumkeift, grundlos, das passiert einem ja auch. Und nachher sitzt man da und denkt sich ,Um Gottes Willen!‘.“ Eigentlich ist Sabitzer aber sehr geerdet: „Mir wird auch manchmal eine gewisse Wurschtigkeit nachgesagt. Aber ich möchte mich einfach nicht über alles aufregen müssen.“ Seit fünf Jahren ist die Schauspielerin jetzt im Ensemble des Volkstheaters. Mit drei kleinen Kindern genießt sie die Stabilität, früher war das anders: „Wenn mir das vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Da wäre ich am liebsten jedes halbe Jahr woanders hingezogen.“ Sabitzer ist in Deutschland geboren, aber in der Schweiz aufgewachsen. Erst in Zürich, dann in Greifensee. Dort erblühte die Liebe zum Schauspiel – und nicht nur dazu. „Wir zogen in diesen idyllischen Ort, in dem kein einziges Kind war. Ich war acht, ich fand’s grausam und hab meine Eltern gehasst.“ Dann hat sie das Amateurtheater entdeckt und ihre Tage dort verbracht, auch weil sie sich in den (erwachsenen) Hauptdarsteller verliebt hat. „Zehn Jahre später hab ich sogar mit ihm gespielt! Da musste ich ihm das natürlich erzählen“, sagt sie. 


Handarbeit. Gelernt hat sie dann allerdings erstmal etwas ganz anderes. Und zwar Zahnarzthelferin, „was unglaublich fad ist. Wirklich, da schläft man ein mit seinem Sauger.“ Deswegen hat Sabitzer noch Dentalhygiene gelernt. Und bis sie nach Wien gezogen ist, hat sie auch im Sommer, sozusagen als Ferienjob, diesen Beruf ausgeübt: „Da hat man wieder selbst etwas in der Hand, und ich mochte auch den Umgang mit den Patienten irrsinnig gern.“

Von Zürich vermisst Sabitzer nicht nur ihre Freunde, sondern auch die „geografische Lage: Man ist total schnell in Frankreich, Italien, Deutschland. Da kann man schon einmal schnell nach Paris frühstücken fahren.“ Aber mit dem Leben in Wien ist sie auch sehr zufrieden. Zufriedener als noch vor 15 Jahren: „Da gab es ja nichts, kein Museumsquartier, keiner ist draußen gesessen, ich hab das nicht verstanden, wieso hocken alle drinnen?“ Dann kamen fünf Jahre Engagement in Mannheim, bei der Rückkehr nach Wien „hab ich gedacht, ich spinne. Alles ist viel frischer, viel lebendiger. Wien hat sich total gemausert.“ Hört man Sabitzer mit ihrem leichten wienerischen Einschlag so reden, würde man nicht auf ihre Schweizer Herkunft kommen: „Ja, weil ich jetzt nüchtern bin“, sagt sie fröhlich. „Auch wenn ich ganz müde bin, merke ich, dass ich anfange, Schweizer Deutsch zu sprechen. Wenn dann das Gegenüber beginnt, komisch zu schauen, weiß ich, ah, ich kipp rüber . . ."

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