Frida Gold: Die deutsche Sprache muss man formen

Frida Gold biegen das Deutsche zu gehaltvollen Texten, die sich von Electronic-Beats geschmeidig vor sich hertreiben lassen. Ganz ohne Vorbilder und Illusionen.

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Bei der Suche nach einem deutschen Pendant zu Moloko und Goldfrapp würde man wohl irgendwann auf Frida Gold stoßen: eine frische Popband, die schicke Electro-Beats mit zündenden Melodien und gehaltvollen Texten versieht. Mitte April erscheint ihr vom dänischen Produzenten Carsten Heller (Timbaland) betreutes Debütalbum „Juwel“. Das „Schaufenster“ traf die beiden Bandmitglieder, die die knackigen Songs komponieren: Sängerin Alina Süggeler und Bassist Andi Weizel.


Sie komponieren gemeinsam. Wie haben Sie einander kennengelernt?
Alina: Wir waren zunächst privat ein Paar. Dann bemerkten wir, dass wir kompositionsmäßig sehr gut harmonieren. Das war die Geburtsstunde von Frida Gold. Paar sind wir zwar keines mehr, dafür aber ein sehr gutes musikalisches Team.


Die Aufnahmearbeiten sollen ein Kampf zwischen Glamour und Maloche gewesen sein. Was überwog?
Alina: Maloche steht für Geerdetsein, für Emotionalität und Ehrlichkeit. Das hat letztendlich doch gesiegt. Wir haben ein Popalbum geschrieben, das alle Höhen und Tiefen des Lebens zeigt.


Wie sehr eignet sich Deutsch als Sprache für Popsongs?
Alina: Überhaupt nicht, dachte ich am Anfang. Aber mittlerweile mag ich sie sehr, gleichwohl sie sehr sperrig ist und oft mühsam in Form gebracht werden muss. Es ist stets ein ziemlicher Grenzgang zwischen Kunst- und Alltagssprache.

Gab es soundmäßig Vorbilder?
Andi: Wir haben keine direkten Vorbilder, haben uns aber bei der Wahl des Produzenten etwas gedacht. Wir wollten jemanden, für den Deutsch eine Fremdsprache ist, damit er ausgehend vom Sound der deutschen Sprache ein Klangbild erzeugt, das unabhängig ist  von den Texten und vom Inhalt. Unser dänischer Produzent Carsten Heller war diesbezüglich super. Der dachte in nichts anderem als in Melodien und Grooves.


In der Popmusik herrscht heute großer Konkurrenzdruck. Von welchen Illusionen haben Sie sich schon befreien müssen?
Andi
: Die Zeit, in der wir angefangen haben, für Frida Gold zu schreiben, die war so hart, dass alles Illusionäre gleich verdampft ist. Wir mussten große finanzielle Opfer bringen.
Alina
: Aber darum ging es uns nie. Ich bin nie irgendeiner Illusion nachgelaufen. Bei mir war die Lust vorrangig, zu erkunden, was in mir steckt. Frida Gold sollte von uns handeln, von dem, was wir sind. Insofern hatten wir mehr Vision als Illusion.

Sie waren an dieser berühmten Popakademie Mannheim. Kann man Pop wirklich an so einer Institution lernen?
Andi
: Es geht wohl mehr darum, in einen Pool von Menschen zu geraten, die ähnliche Ideen haben, die mit Musik etwas Neues schaffen wollen. In der Popnation Großbritannien ist es nicht unbedingt anders. Künstler wie Amy Winehouse und Mika kommen von der gleichen Musikschule.

Was halten Sie von den allgegenwärtigen Castingshows im Fernsehen?
Andi: Die Gefahr ist, dass durch sie suggeriert wird, der Weg zum Erfolg würde über diese Shows führen und nicht über Eigeninitiative und mühsame Entwicklung. Musikkultur ist in Deutschland etwas sehr Rares. Die Aufmerksamkeit für sie wird durch diese Shows auf jeden Fall noch verkleinert.

Alina, Sie haben H&M Ihr Gesicht für eine Kampagne geliehen. Die Billigideologie dieser Kette ist nach Ansicht vieler Menschen problematisch. Warum war Ihr Einsatz okay?
Alina: Es war keine direkte Werbung für H&M. Es war die Idee eines Fotografen, mich als Model für die Lanvin-Kollektion bei H&M auszuwählen. Ich sehe jedenfalls schon etwas Ideelles darin, wenn sich ein großer Designer überlegt, eine Kollektion zu entwerfen, die sich dann auch jeder leisten kann. Es ist etwas Schönes, etwas Umarmendes, etwas, das ein Miteinander suggeriert. Ich persönlich hatte Lust auf die Bilder. Wenn man da ideologisch reingeht, muss man sich fragen, was man denn überhaupt noch tragen darf.


Mit dem wunderbaren Song „Zeig mir wie du tanzst“ hatten Sie einen ersten Vorgeschmack vom großen Erfolg. Welche Erfahrung war das?

Andi
: Lustigerweise haben wir erst im Rückblick wirklich realisiert, dass es eine Art Aufsehen gab. Wir waren ständig in einem ungeheuren Sog an Arbeit, dass es schwer war, das gleich zu realisieren.


Wie war es, im Vorprogramm von Kylie Minogue aufzutreten? Hat sie Sie wahrgenommen?
Alina: Wir haben das zunächst ein wenig bittersüß erlebt. Einmal gab es eine Panne. Der Strom fiel aus, ich hörte mich auf der Bühne nicht mehr. Nach einem kurzen Anfall von Nervosität habe ich mein Ding dennoch durchgezogen. Das war die Wende. Ab da wussten wir, dass wir die Energie für große Arenen haben.


Worum geht es in dem Lied „Waffen und Pferde“?
Alina: Ich hab mich damit wohl ein bisschen selbst ermahnt. Man muss sich nicht so schrecklich verloren fühlen auf dieser Welt. Am Ende liegt es an einem selbst. Entscheidungen sind wichtig, vor allem auch in der Liebe. Als junge Frau wird einem signalisiert, dass man alles sein könnte, jeden haben könnte.
Man darf sich nicht als Opfer dieser Reizüberflutung sehen.
Man muss Akteur seines Schicksals bleiben.

TIPP

Juwel. Das Debütalbum von Frida Gold erscheint am 15. April (Warner Music Group) www.fridagold.com

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