Playboy und Künstler: Gunter Sachs ist tot

Der 78-jährige deutsche Unternehmer Gunter Sachs hat sich am Samstag nach Polizeiangaben das Leben genommen. Er war Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstsammler, aber vor allem der "ewige Playboy".

Playboy Kuenstler Gunter Sachs
Playboy Kuenstler Gunter Sachs
Sachs – (c) Dapd (AP)

Er hat nur acht Jahre seines erwachsenen Lebens in der ausschweifenden Freiheit verbracht, die ihm jenen Ruf einbrachte, der ihm für immer blieb: ein Lebemann, ein Playboy, ein Mann des Glamours zu sein. Gunter Sachs galt als der Letzte seiner Klasse: Er war Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstsammler, aber vor allem der „ewige Playboy“, der auch nach 42 skandalfreien Ehejahren mit der Schwedin Mirja Projektionsfläche für alle bot, die der Zeit nachtrauerten, als Paparazzi noch Klatschreporter hießen und die Côte d'Azur der Nabel der Welt war.

Sachs stammte aus vermögender Familie, der Vater war Kugellager-Fabrikant, die Mutter eine Opel-Enkelin. Nach dem Tod des Vaters übernahm Sachs gemeinsam mit seinem Bruder die „Fichtel & Sachs“-Werke und war bis Mitte der 80er-Jahre aktiv eingebunden. Da war Sachs aber schon lange zur lebenden Legende geworden, hatte das verschlafene Fischernest St. Tropez zum Symbol eines neuen, hemmungslos hedonistischen Lebensgefühls einer ganzen Generation gemacht und durch die dreijährige Ehe mit Filmstar Brigitte Bardot weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Sein ausschweifendes Leben Anfang der 1960er-Jahre erregte zwar Aufsehen, Skandale sucht man dennoch vergeblich. Mit Ex-Kaiserin Soraya soll Sachs eine Liaison gehabt haben, viele schöne Frauen, meist blond, sah man an seiner Seite. Sachs sprach mehrere Sprachen, er hatte Stil – er selbst nannte es „Erziehung“ – , den Frauen an seiner Seite erwies er stets Respekt. Er schätze den Feminismus, sagte er in einem „FAZ“-Interview 2007, mit einem typischen Nachsatz: „Ich fliege lieber mit weiblichen Piloten – solange es schönes Wetter ist ...“

Die Vorliebe für blonde, zierliche Frauen erklärte Sachs verschmitzt mit seiner Kindheitslektüre, die zum Großteil aus Märchen bestanden habe. Da sei eben ein Faible für das „Elfenhafte“ entstanden. Märchenhaft war dann auch sein Bemühen um Brigitte Bardot, für die er 1966 aus einem Hubschrauber tausende Rosen über ihrem Anwesen abwerfen ließ. Er selbst sprang aus acht Metern Höhe ins Wasser ab. Auch sein Gepäck konnte schwimmen: Es war ein Holzkoffer von Louis Vuitton. Die Bardot sagte Ja, die Ehe wurde in Las Vegas geschlossen, für Bardot war es die dritte, für Sachs die zweite.

Mit dem Model Mirja ging die Playboy-Zeit schlagartig zu Ende, es brachen ruhigere Zeiten an. Sachs machte sich einen Namen als Dokumentarfilmer („Happening in White“) und als Fotograf, seine Kunstsammlung und Freundschaft mit Künstlern wie Andy Warhol galten als legendär.

Mit Bardot verband ihn bis zuletzt eine Freundschaft, sie soll am Sonntag nach Bekanntwerden seines Todes zusammengebrochen sein. Dass er bis zuletzt Playboy genannt wurde, rief bei Sachs kokettes Erstaunen hervor. Offenbar habe sich kein Nachfolger gefunden, spekulierte er. Die Lebemänner der 60er-Jahre seien „Ritter der verlorenen Zeit“ gewesen.


Sachs haderte nicht mit dem Älterwerden, im Interview mit der „Presse am Sonntag“ im Vorjahr sagte er: „Früher ging man nach dem Dinner mit Mädchen in die Clubs en vogue und fuhr nachts gefährlich-romantisch Ferrari oder Motorboot – heute diniert man mit seiner Frau bei Maxim's und lässt sich dann von ihr nach Hause chauffieren. Ich möchte nicht mehr tauschen.“ Befragt nach seinen Ängsten sagte Sachs: „Vor dem Tod fürchte ich mich nicht – höchstens vor einer schweren Zeit in seinem Wartezimmer.“

Gunter Sachs hat sich am Samstag im Alter von 78 Jahren in seinem Haus in Gstaad erschossen.

Zur Person

Gunter Sachs litt offenbar an Alzheimer. „Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten“ heißt es in seinem Abschiedsbrief, der auf eigenen Wunsch veröffentlicht wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2011)

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