Familie Mackes "Stattauto"

Familie Macke hat kein Auto, will auch keines. Sie hat ja den Metallhasen – ein Fahrrad mit vier Rädern und zwei Sitzen, das aber nicht alle Mackes cool finden.

Familie Mackes Stattauto
Familie Mackes Stattauto
Symbolbild – (c) Www.BilderBox.com

Familie Macke ist auf Urlaub, sie lässt grüßen aus Haugschlag im Waldviertel. Die 210 Kilometer dorthin – gewählt wurde die schönste, nicht die schnellste Route – hat sie in drei Tagesetappen bewältigt. Mit dem Auto braucht man für die Strecke gut drei Stunden.

Aber das kommt für Florian Macke und seine Frau Karen Allmer nicht in Frage: Ein Auto haben sie schon lange nicht mehr. Genauer seit sieben Jahren, als sie sich von den Oldies trennten, die sie bis dahin gefahren hatten, einen Peugeot 404 und einen Land Rover. Baujahr: jedenfalls aus einer Zeit, als man im Fond noch keine Sicherheitsgurte hatte, damit fiel der Transport von Kindern flach, jedenfalls der gesetzeskonforme. Die Mackes haben zwei Kinder.

Nun ist es ja so: Nicht wenige Familien probieren es ohne Auto. In der Stadt geht das so halbwegs, hört man. Aber die Wochenenden, die Ausflüge: Sich auf Gedeih und Verderb der Bundesbahn auszuliefern, ist auf Dauer fad. Car Sharing? Na ja. Viele schaffen sich dann doch wieder ein eigenes Auto an. Für Florian Macke, der von Beruf Architekt ist, wäre das aber ein grober Rückschritt. Man muss an dieser Stelle dazu sagen, dass Herr Macke, der der Meinung ist, dass es schon genug Autos gibt, einfach gern Rad fährt, und dass er 50 Jahre alt ist, aber mindestens zehn Jahre jünger aussieht. Was vielleicht mit dem anderen, dem Radfahren, zu tun haben mag. Sport macht er sonst nämlich nicht.


Drahtesel, Stahlross.
Jedenfalls: Er entdeckte stattdessen ein Gefährt, das die Lösung seiner Mobilitätsprobleme verhieß: eine Art Fahrrad mit Pedalen und Ketten, mit zwei Sitzen und vier Rädern. Es wird von einem großen Hersteller in Taiwan nach schweizerischem Patent gebaut. Macke schaffte sich im letzten Jahr zwei von den Dingern an, was schon nicht ganz einfach war, denn in Europa gab es keinen Vertrieb. Heute schon: Florian Macke. Der Architekt ist überzeugt, auch andere Menschen vom Metallhasen überzeugen zu können. Metallhase?

„Es gibt den Drahtesel, es gibt das Stahlross. Außerdem ist in Taiwan das Jahr des Hasen.“

Und ja, es ist tatsächlich nicht zu übersehen, dass die zwei Sitzschalen des Gefährts wie Löffel aussehen. Der Name also – gekauft. Aber gilt das auch im größeren Stil für den Hasen selbst?

Noch ist der Absatz überschaubar. Um genau zu sein, sucht Macke noch nach Käufern, um einmal einen ganzen Container voller Metallhasen heranschaffen zu können: „Damit würden die Stückpreise deutlich runter gehen.“


Vom Auto lossagen. Nicht, dass Macke wählerisch wäre, aber er zielt mit dem Hasen weniger auf die vielen Freizeitfahrer, die ihn im Prater ansprechen, wo sie das kuriose Ding mieten können, sondern auf Menschen, die sich vom Auto lossagen wollen. „Darum nenne ich es auch Stattauto.“

In der Selbsterfahrung der Familie Macke habe es sich als solches bewährt. „Es erweitert unseren Aktionsradius als autofreie Familie.“

Die Mackes, die im sechsten Bezirk wohnen und dort auch ihr Architekturbüro betreiben, erledigen seit einem Jahr all ihre Wege mit dem Metallhasen, die kurzen und die langen Distanzen, die Einkäufe und die kleineren Transporte. Sie schätzen das miteinander, genauer: nebeneinander Fahren, während auf dem Tandem ja immer einer einen Hintern vor sich hat. Und am Wochenende fahren sie mit Hasen und Kindern zum Beispiel an den Neusiedlersee.

Aber nicht alle teilen den Enthusiasmus. Dummerweise etwa Jakob Macke, der Sohn. Das mag damit zu tun haben, dass Jakob 14 Jahre alt ist, und in diesem Alter findet man grundsätzlich das meiste, was die Eltern treiben, peinlich. Jakob ist kein großer Fan von Stadtfahrten, bei denen ihn andere auf dem Metallhasen sehen können. Anders als Tochter Lilly, neun, die gern fährt, geht Jakob lieber zu Fuß.

Das war zunächst durchaus ein Problem, als es darum ging, einen größeren Urlaub zu planen. Jenen ins Waldviertel. Mit dem Hasen.


Hase auf Urlaub. „Wir haben ihm aber dann klargemacht“, so Vater Macke, „dass dies nun einmal unser Auto ist. Und wenn wir ein Auto hätten, ein richtiges, dann könnte er sich das Modell auch nicht aussuchen.“

Auch bessert sich Jakobs Mitfahrlaune erheblich, wenn er selbst lenken darf. Treten müssen beide, lenken kann nur einer.

Aus Mackes Urlaub erfahren wir, dass alle happy sind, auch Jakob. Der Hase lernt das Waldviertel kennen, man fährt täglich aus, Badesee oder Schlechtwetterprogramm, zum Bauern Milch holen. Bei der dreitägigen Anreise war das Wetter immer mieser geworden. Den dritten Tag habe es überhaupt nur geregnet.

„Wir haben natürlich Regenzeug mit“, erzählt der Familienvater. „Da wird man dann eben von innen nass, weil man schwitzt.“

Das hat Macke darin bekräftigt, den lang geplanten Witterungsschutz fertig zu machen. Macke ist nämlich nicht nur Architekt und neuerdings Hasenimporteur, sondern auch Tüftler. So hat er den Metallhasen schon mit Elektromotoren an den Radnaben ausgestattet, Leistung: 0,5 Kilowatt. Zusammen mit dem E-Motor am Radlager, den man ab Werk so bestellen kann, kommt der Hase erstaunlich gut vom Fleck. Und da hat man noch gar nicht erst getreten. Die „Presse“-Testfahrten im Prater waren jedenfalls ein Spaß (Ich bin bloß weniger auf Autos allergisch, deswegen wäre ich wohl der Falsche für ein Leben mit dem Hasen.). Kommen wir zum Technischen. Der Metallhase ist von Gesetzes wegen ein mehrspuriges Fahrrad und nicht zulassungspflichtig. Die Fahrradwege darf man allerdings nicht benützen, denn das Vehikel ist mehr als 80 Zentimeter breit. Wie auch bei Fahrrädern sind dem Zweisitzer Elektromotoren an Bord gestattet, die zusammen aber nicht mehr als 600 Watt Leistung haben dürfen. Sonst: Ein Alurahmen, zwei Tretlager, zwei Pedalsätze. Florian Macke wird dem Hasen noch Scheibenbremsen spendieren. Bei den steileren Bergabfahrten im Waldviertel sind die Felgen so heiß geworden, dass der Schlauch geplatzt ist.

Hasen kaufen

Der Metallhase ist ein mehrspuriges Fahrrad und muss nicht zugelassen werden. Er hat zwei Sitze (nebeneinander), zwei Tretlager samt Pedalen und einen Lenker.

Auf Wunsch kommt der Metallhase mit Elektroantrieb: nur als Unterstützung beim Treten („Pedelec“) oder zusätzlich mit 0,5-kW-Radnabenmotor.

Preis laut Vertreiber Florian Macke: 3500 Euro. www.metallhase.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2011)

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