Die zweite Karriere der Cordula R.

Sie Modelkarriere ist vorbei, das Kind ist erwachsen: Cordula Reyer über Falten, ihr neues Buch und die Schwierigkeit, ganz neu anzufangen. Vier Jahre ist es her, dass sie im Schreiben eine neue Aufgabe fand.

(c) APA/ Hans Klaus Techt

Es war so etwas wie eine Midlife-Crisis – auch wenn Cordula Reyer, Österreichs bis dato erfolgreichstes Model, das Wort nicht mag. Zum einen traf es sie mit 42 – „und wer weiß, ob ich überhaupt 84 werde“. Zum anderen „hat man ja immer wieder Krisen oder Phasen, in denen man neu anfangen möchte, und nicht genau weiß, wie“. Sie zum Beispiel habe die erste Krise mit 20 gehabt, nach der Matura. Die zweite mit 32, als sie sich vom Vater ihres Kindes trennte. Die dritte eben mit 42 – und es war jene, die zu ihrem ersten Buch führte, und die darin auch vorkommt.

Wobei es für das heute 48-jährige Model, einst Muse von Helmut Lang und beauftragt von Yves Saint Laurent und Dolce&Gabbana, nicht das körperliche Älterwerden war, das zum Problem wurde. „Graue Haare, Falten, das ist der Lauf der Dinge. Und lustigerweise glaube ich, dass es Models damit nicht so schlecht geht wie anderen. Weil man das Thema Schönheit irgendwann abgehakt hat, man hat es gelebt, ist fotografiert worden und weiß, was es letztlich bedeutet.“

Viel schwieriger war für sie ein anderer Prozess, erzählt sie in Jeans und Tanktop bei Saft und Mineral im Wiener „Salzamt“: Die Arbeit wurde immer weniger (wenngleich sich das Modebusiness langsam ändert und sie bis heute Jobs angeboten bekommt), ebenso der Betreuungsbedarf ihres Sohnes – und sie stand irgendwann da und wusste nur, dass sie ihr Leben ändern wollte. „Aber was kann man? Was will man? Ich war relativ planlos.“


Vier Jahre ist es her, dass sie schließlich im Schreiben eine neue Aufgabe fand. Heute schreibt sie Kolumnen und interviewt Persönlichkeiten aus der Modewelt. Learning by doing, sagt sie, wobei „es anfangs schwierig war, sich wieder zu erlauben, nichts zu können“. Gerade hat sie das erwähnte erste Buch verfasst. Es heißt „Glücklichsein für Fortgeschrittene“ (Brandstätter Verlag) und ist ein Sammelsurium von eigenen und fremden Erkenntnissen geworden. Reyer plädiert darin für für Entschleunigung („Je schneller die anderen sind, umso langsamer werde ich“), persönliche Stilsicherheit (sie liebt bis heute Latzhosen und Flohmärkte) und gegen Schönheitsoperationen, auch wenn sie sich im Interview ziert, in die gängige Beautywahn-Kritik zu verfallen.

Jeder wie er mag, postuliert sie und will mit dem Buch auch gar nicht „überheblich Rat geben, sondern nur erzählen, wie die Dinge für mich waren“. Sie selbst sei jedenfalls froh, dass sie ihre „böhmische Nase“ noch hat, deren Korrektur man ihr einst dringend nahegelegt hatte. Ihre typischen Augenringe habe sie gar vom Makel zum Markenzeichen umwandeln können. Und je älter sie werde, desto wohler fühle sie sich mit sich selbst, versichert die Vielfliegerin, die zwischen Los Angeles, Wien und Turin – wo ihr Freund lebt – pendelt. „Früher habe ich vor allem Angst gehabt: allein zu sein, zu reisen, mit fremden Leuten in einer Gruppe zu sein.“ Dabei hat die Tochter des Schauspielers Walther Reyer zeit ihrer Karriere schon wegen ihres Sohnes eigene Bedingungen gestellt. „Ich weiß nicht, ob das Selbstbewusstsein war. Aber ich habe immer gewusst, was für mich richtig oder falsch ist.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2011)

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