"Atmen": Gespürt, dass Besonderes entsteht

Am Dienstag startet Karl Markovics Regiedebüt "Atmen", bei dem mehrere Leute viel für ein Debüt geleistet haben. Darstellerin Karin Lischka über Oscar-Chancen und ihren schauspielerischen Sammeltrieb.

Atmen Gespuert dass Besonderes
Atmen Gespuert dass Besonderes
Lischka – (c) Teresa Zötl

Dieser Film ist von lyrischer Schönheit“, schrieb „Variety“, und der „Hollywood Reporter“ sprach von „erfrischender dramaturgischer Vollkommenheit“. Es sind hymnische Kritiken, die „Atmen“ bei seiner Uraufführung in Cannes einfuhr. Inzwischen wurde der Film als österreichischer Kandidat für den Auslandsoscar ins Rennen geschickt. Die Spannung ist groß, wenn der Film morgen in Wien seine Österreich-Premiere feiert.

Fest steht schon jetzt, dass bei diesem Film mehrere Leute viel für ein Debüt geleistet haben: Schauspieler Karl Markovics, der seinen „Hang zu selbstquälerischem Perfektionismus“ überwunden und eines seiner vielen Drehbücher aus der Schublade geholt hat, um mit seinem Regiedebüt prompt oben genannte Kritiken einzufahren. Thomas Schubert, sein Hauptdarsteller, der eigentlich nur einen Freund zum Casting begleiten wollte, dann spontan selbst vorsprach und die Rolle des Roman bekam, der zwischen Jugendgefängnis und Bestattung das Leben zu spüren beginnt. Inzwischen wurde Schubert, der Schüler ohne Schauspielerfahrung, auf dem Filmfestival von Sarajevo als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet – den Preis überreichte ihm Angelina Jolie. Neuland betrat aber auch Karin Lischka, die in „Atmen“ seine verschollene Mutter spielt. Für die 32-jährige Wienerin ist es dabei „nur“ das Kinodebüt.

Von außen betrachtet haben Lischka und ihre Figur, Margit Kogler, wenig gemeinsam. Hier die Tochter einer gutbürgerlichen Familie aus Gersthof, da die Frau aus der tristen Siedlung am Rennbahnweg, die blutjung ihr Kind weggegeben hat, das nun plötzlich vor ihr steht. Doch Lischka spielt Kogler überzeugend. Zuvor war sie in Wien-Favoriten „auf Beisltour“ gegangen“: „Ich habe mich hingesetzt, mit den Leuten geredet. Ich beobachte gerne Menschen, mich interessieren die Geschichten dahinter.“ Genau genommen beobachte sie ständig. „Meine Eindrücke sammeln sich wie in einem Gefäß, und für jede Rolle kann man dann nehmen, was man braucht.“

Ihre Berufsentscheidung fiel mit 17: Gesungen hatte sie immer gern, nach der Matura ging sie ans Konservatorium und studierte Musical; Schauspiel nahm sie dazu. Und stellte fest, dass ihr das viel eher lag. Während des Studiums spielte sie bei den Festspielen in Reichenau, mit 23 wurde sie an die Josefstadt engagiert, ein Jahr später ans Burgtheater. Vier Jahre arbeitete sie dort; mit Schlingensief, mit jungen Regisseuren im Kasino, nebenbei auch für die Wiener Festwochen. Seither arbeitet sie „frei“, wie es im Jargon heißt, spielt und dreht, was sich bietet und ihr zusagt. Kleinere Fernsehrollen in Serien à la „Winzerkönig“ waren dabei, auch ein Musicalengagement im Metropol in „Charleys Tante“.
Als sie die Zusage für „Atmen“ erhielt, „bin ich voller Freude durch die Wohnung gehüpft“. Denn: „Man hat von Anfang an gemerkt, dass da etwas Besonderes entsteht“, sagt Lischka. Markovics habe mit dem Film eine klare Vision gehabt und diese mit Leidenschaft verfolgt. „Er hat intensiv mit uns gearbeitet – war dabei aber immer freundlich. Er hat uns die Sicherheit gegeben, uns auszuprobieren und dabei aber genau gewusst, was er will.“ Nicht eine Sekunde habe man gemerkt, dass der Schauspieler gerade selbst erst hinter die Kamera gewechselt war.

Nun, ein knappes Jahr später, spricht Lischka wieder von Freude – nämlich jener, „zu sehen, welchen Weg dieser Film macht“. Wobei sie inzwischen gelernt habe, „dass Erfolg nicht berechenbar ist“. Natürlich sei sie aufgeregt, wenn sie daran denkt, dass „Atmen“ zumindest von österreichischer Seite für oscarwürdig gehalten wird. Aber sie bleibt zurückhaltend: „Was kommen wird, wird kommen.“ Oder eben nicht.

Auf einen Blick

„Atmen“ ist die erste Regiearbeit von Karl Markovics. Der Film erzählt die Geschichte des verschlossenen 19-Jährigen Roman Kogler, der kurz vor der Haftentlassung steht und einen Freigängerjob in einem Bestattungsunternehmen annimmt.

Karin Lischka (32) spielt seine Mutter. Sie wurde am Wiener Konservatorium in Schauspiel und Musical ausgebildet und arbeitete u.a. an Josefstadt, Burgtheater und bei den Wiener Festwochen, zuletzt in den TV-Produktionen „Schnell ermittelt“ und „Vatertag“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2011)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "Atmen": Gespürt, dass Besonderes entsteht

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.