Twilight: Aaron Roterfeld in der Dämmerung

Einige Seltsamkeiten mussten passieren, bis Aaron Roterfeld, Dark-Pop-Musiker aus Vorarlberg, im „Twilight“-Tailer zu hören war.

(c) Philipp Mueller

Es war nachts um zehn bei mir im Tonstudio, das Telefon hat geläutet und Frank Berman war dran. Er suchte ein Studio bei Bregenz, weil er mit einigen Opernstars etwas für die Bregenzer Seebühne produzieren musste. Dass Hollywood in der Leitung war, habe ich nicht gecheckt. Ich dachte nur: ‚Was is’n das für ein Typ jetzt?‘, und das Telefonat war beendet. Vorher habe ich ihm noch zwei andere Studios empfohlen.“ Frank Berman ist eine Hälfte der Berman Brothers, eines international erfolgreichen Musikproduzenten-duos, das mit Coldplay und Sting arbeitet. Aaron Roterfeld, um ihn geht es, ist zu besagtem Zeitpunkt noch Freizeitmusiker und Tonstudiobetreiber in Vorarlberg, er produziert Sprachansagen und Jingles. Nach einer schnellen Google-Probe kam Roterfeld damals zu dem Entschluss, wegen der Opernstars vielleicht doch etwas machen zu können.

Eine Woche später waren die Berman Brothers bei ihm. „Ein Rückruf hatte entscheidenden Einfluss auf alles andere danach.“ Es hat sich nämlich zugetragen, dass Hollywood im Produktionscomputer umgerührt und ein paar alte Roterfeld-Dateien mit unveröffentlichtem Liedgut gefunden und gemocht hat. „Die Jungs haben tatsächlich mehrere Wochen kostenlos – gegen eine kleine Beteiligung – in L. A. Roterfeld produziert.“ Warum sie das getan haben, hat den Freund des Dark Pop selbst verwundert. „Die haben ihre Schäfchen ins Trockene gebracht und leisten sich das.“

Der nackte Wikinger. Das Ergebnis heißt „Blood Diamond Romance“ und ist das erste Album von Aaron Roterfeld. „Es gab davor schon eine CD, die hat es immerhin auf den Dachboden geschafft.“ Durch mehrere glückliche Umstände arbeitete dieses Mal auch ein Genre-Kenner mit: Hilli Hiilesmaa. Der Produzent von Him und Apocalyptica ist „einer der wirklich sehr, sehr guten Drummer in Finnland. Er leidet aber an der Illusion, dass die Drum viel härter klingt, wenn nichts zwischen ihr und ihm steht, also auch keine Klamotten. Jedes Mal, wenn ich meinen Song ‚Don’t Be Afraid Of The Dark’ höre, sehe ich einen nackten Wikinger vor mir“, erzählt Roterfeld. Aber so wollte es der Musiker auch haben, keine intellektuellen, sondern harte, schnörkellose und direkte Drums mussten her. Wie sein Album ist auch er eher der wilde Typ.

„Ich bin schon als Zehnjähriger nachts in den Wald hinaus. Mich hat die Landschaft sehr geprägt, unsere Natur hat etwas Keltisch-Sehnsuchtsvolles, weniger den Bob-Marley-Reggea-Sound.“ Die musikalische Vorliebe für Dark Rock gedeiht also schon länger. Umgesetzt hätte er sein Album so oder so, erzählt er, auch ohne die Berman Brothers. „Ich bin jemand, der seine Träume auf die Probe stellt.“ Das war auch mit 16 der Grund für ihn, nach Japan zu gehen. Er hatte den grünen Gürtel im Shotokan Dojo Kun und wollte Sensei werden. „Für die doofe Idee wurde ich von den Japanern auch völlig zu Recht verklopft.“

Blau gefleckt ist er nach Vorarlberg heimgekehrt. Mit 17 waren seine Gelenke beleidigt, und er musste pausieren, in der Zeit hat er die Schule hingeschmissen, um zu reisen. „Afrika war eine Erfahrung, die mich zurück in die Gesellschaft geholt hat. Vielleicht habe ich den Umweg gebraucht, um von meiner ablehnenden Haltung wieder zustimmend zu werden.“ Aber ganz angekommen ist er noch immer nicht. Auch sein Debütalbum handelt von Abenteuern. Der Song „Great New Life“ dreht sich um die Freiheit, sich aus seinem alten Leben herauszuschälen und in ein neues einzutauchen. So macht es auch die Figur Bella Swan in den „Twilight“-Filmen, sie lässt sich auf einen Vampir ein. „Neben der Romantik steht für mich der Wunsch, in ein anderes Leben zu treten, im Vordergrund“, so Roterfeld. Mit dieser Analyse dürfte er den Geschmack der Redaktion der „Vampire Chronicles“ getroffen haben, dort hat man seine Single als Track für die Kino-Trailer zur aktuellen „Twilight“-Folge „Breaking Dawn“ gewählt.

Ein gigantischer Erfolg. Würde er selbst die Metamorphose zum Vampir wagen? „Da muss ich nicht groß überlegen. Es gibt zwei Arten von Bissen, nach dem einen bist du mausetot und nach dem zweiten bist du unsterblich. Wird dir Letzterer angeboten, solltest du zusagen, über die Nachteile des Vampirseins kann man sich dann lang genug Gedanken machen.“ 

TIPP

Aaron Roterfelds Debüt „Blood Diamond Romance“ ist bei Premium Records erschienen.

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