Eine Branche, die fast nur schwarz arbeitet

Immer schon haben Putzfrauengepfuscht. Der Dienstleistungsscheck hätte den Weg in die Legalität ermöglichen sollen, greift aber kaum. Bis zu 400.000 Frauen putzen Österreichs Eigenheime an der Steuer vorbei.

Die Bezahlung: schlecht. Aufstiegschancen: quasi nicht vorhanden (sieht man von der Leiter ab). Sozialer Status: sehr, sehr niedrig. Wer als Putzfrau arbeitet, tut dies meist, weil er – oder eher: sie – keine Wahl hat. Nichts Besseres gefunden hat.

Zu all dem kommt der Pfusch. Denn kaum eine Putzfrau, die in privaten Haushalten arbeitet, wird offiziell angemeldet und entlohnt. „Fast alle“, sagt der Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider (Uni Linz), Experte für Schattenwirtschaft, „arbeiten schwarz.“ Er schätzt, dass 300.000 bis 400.000 Menschen – fast ausschließlich Frauen – in Österreich als Putzfrauen im privaten Bereich pfuschen. „Das sind natürlich keine Vollzeitbeschäftigungen. Die arbeiten alle Teilzeit und meist in mehreren Haushalten.“ Die Zahl der gemeldeten Raumpflegerinnen nimmt sich demgegenüber bescheiden aus: 11.400 Menschen waren 2010 laut Statistik Austria offiziell als „Haushaltshilfe oder Reinigungspersonal“ in Privathaushalten tätig.

Die schwarz arbeitenden Putzfrauen seien aber nicht nur (Klischee!) Polinnen, die zum Putzen nach Österreich kommen, weil sich so (illegal) mehr verdienen lässt als mit einem Job in ihrer Heimat. „Der Großteil sind Österreicherinnen“, so Schneider. Häufig werden Putzfrauen von Bekannten empfohlen, oft sind es auch junge Frauen, die sich so das Studium finanzieren. „Das ist ja auch eine Vertrauenssache.“ Seinen Wohnungsschlüssel gebe man ungern jemanden, den man kaum kennt.

An der Steuer vorbei, versteht sich. Einer Studie der Uni Linz zufolge werden heuer durch nicht angemeldete „haushaltsnahe Dienstleistungen“ (Pflegedienste, Putzen etc.) in Österreich 3,37 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet werden.

Und die Politik? Nimmt die Situation eher tatenlos zur Kenntnis. Mit dem Dienstleistungsscheck wurde 2006 der Versuch gestartet, Haushaltshilfen aus der Schattenwirtschaft zu holen. Die Putzfrau ist unfallversichert und kann sich durch einen geringen Beitrag kranken- und pensionsversichern lassen. Der Nachteil: Das Einkommen muss unter der Geringfügigkeitsgrenze bleiben. So lassen sich viele zwar Schecks ausstellen, pfuschen aber nebenher weiter, um offiziell nicht über der Geringfügigkeitsgrenze zu verdienen. Die Nachfrage steigt zwar kontinuierlich – 2011 wurden Schecks im Wert von 3,28 Mio. Euro eingelöst. Stoppen konnte man die Schwarzarbeit damit aber bei Weitem nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2012)

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