Elefantenjagd mit Folgen: Spaniens König unter Beschuss

König Juan Carlos ist nach seinem Jagdunfall in Botswana wohlauf. Doch seine Untertanen sind empört, der Monarchie geht es so schlecht wie nie. Rufe nach seiner Abdankung kommen auf.

 Koenig
 Koenig
(c) AP (Daniel Ochoa de Olza)

Juan Carlos ist auf dem Wege der Besserung. Nach seinem Sturz im südafrikanischen Botswana, wo er sich offenbar zur Elefantenjagd aufgehalten hatte, war der spanische König umgehend nach Madrid geflogen und dort operiert worden. Die Ärzte setzten dem 74-Jährigen eine künstliche Hüfte ein. „Das ist wie in der Autowerkstatt“, hatte der Monarch schon in der Vergangenheit über seine vielen Krankenhausaufenthalte gewitzelt.

Seiner Monarchie geht es indes so schlecht wie noch nie. Nach der Elefantensafari schwappt eine Welle der Kritik und Empörung über Juan Carlos. Sogar Rufe nach seiner Abdankung kommen auf, weil der König inmitten der schlimmen Wirtschaftskrise Spaniens auf Luxussafari ging. „Es wäre nicht schlecht, wenn sich der König entschuldigen würde“, sagte Patxi Lopez, einer der starken Männer der Sozialisten, Spaniens großer Oppositionspartei. „In diesen Zeiten gibt es bestimmte Dinge, die die Bürger nicht verstehen.“ Die königliche Großwildjagd „ist eine solche Sache“.

Sogar einflussreiche konservative Stimmen wie die zweitgrößte Zeitung „El Mundo“ gehen mit dem Monarchen hart ins Gericht: „Eine unverantwortliche Reise im schlechtesten Moment.“ Es vermittle den „Eindruck der Gleichgültigkeit“, wenn der König auf eine sündhaft teure Jagd im Busch gehe, „während die Wirtschaftskrise den Spaniern so viele Probleme bereitet“. Statt mit Würde abzudanken, habe der König offenbar beschlossen, „sich selbst zu demontieren“.


Erst am Osterwochenende hatte der 13-jährige Königsenkel, Felipe Juan Froilan, ältester Sohn von Prinzessin Elena, einen Jagdunfall erlitten: Er schoss sich mit einem Gewehr in den Fuß und liegt ebenfalls im Spital. Für Empörung sorgte dabei, dass der 13-Jährige eigentlich noch gar keine Waffe in die Hand nehmen darf. Nach Angaben des Hofes hatte Froilan „Schießübungen gemacht“. Nun ermittelt die Polizei wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Die Waffen- und Jagdleidenschaft hat Froilan offenbar von seinem Großvater, König Juan Carlos, geerbt, der immer wieder durch umstrittene Jagdausflüge in Afrika und Osteuropa Schlagzeilen machte. 2006 soll Juan Carlos in Russland auf Bären angelegt haben, die vorher mit Honig angelockt und mit Wodka ihrer Fluchtinstinkte beraubt wurden. Zwei Jahre vorher machten Berichte aus Rumänien die Runde, wo angeblich eine hochtragende Bärin im königlichen Feuer starb.

In Afrika war der König ebenfalls schon öfter mit seiner Büchse unterwegs. Auch im Safari-Paradies Botswana, wo man bis zu 50.000 Euro hinblättert, um einen Elefanten mit schönen Stoßzähnen schießen zu können. Den Abschuss von Leoparden, Löwen, Giraffen oder Büffeln kann man sich mit ähnlich hohen Summen erkaufen.

Einer der größten Irrtümer des Königs vor seiner Unglückssafari war zweifellos, dass er seinen Schwiegersohn Inaki Urdangarin, der des Betrugs und der Steuerhinterziehung beschuldigt wird, nicht rechtzeitig gestoppt hat. Inzwischen weiß man, dass Juan Carlos schon sehr früh über die zwielichtigen Geschäfte von Urdangarin, dessen Ehefrau Prinzessin Cristina ebenfalls mitmischte, informiert war. Der Skandal, der nach Korruptionsermittlungen auf Mallorca im Herbst 2011 aufflog, schädigte bereits gehörig den Ruf des Königshauses.

Eine Institution, die den Spaniern lange Jahre so viel Vertrauen einflößte wie sonst keine andere. Auch weil der König, der nach dem Tod von Militärdiktator Franco zum Staatschef wurde, der Demokratie eine Chance gab. „Kumpelkönig“ wurde er genannt, weil der Monarch es verstand, auf die Menschen zuzugehen. Jahrzehnte später sind diese Verdienste verblasst.


Gezeichnet durch Krankheiten taucht Juan Carlos immer seltener in der Öffentlichkeit auf. Verbitterung spiegelt sich in seinem Gesicht. Seine Familie gilt als zerrüttet: Tochter Elena ist seit 2009 geschieden. Prinzessin Cristina und Ehemann Inaki zogen es nach ihren unsauberen Geschäften vor, ins Exil nach Washington zu gehen. Thronfolger Felipe hat Ärger mit seinen Schwestern, weil diese mit seiner Frau Letizia nicht können.

Und Juan Carlos, dem außereheliche Abenteuer nachgesagt werden, hat Probleme mit Königin Sofia. Diese ließ sich denn auch drei Tage Zeit, um nach einem entspannenden Griechenland-Trip bei ihrem schwächelnden Gemahl im Krankenhaus vorbeizuschauen. „Es geht ihm gut“, sagte sie, wie immer fröhlich winkend. Die königliche Show wird also weitergehen. Auch wenn Juan Carlos angeblich in sich gehen will und überlegt, wie er den angerichteten Jagdschaden wiedergutmachen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2012)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Elefantenjagd mit Folgen: Spaniens König unter Beschuss

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.