Werner Schreyers anderes Ich: Das Männermodel als Maler

Werner Schreyer ist immer noch eines der bekanntesten Männermodels der Welt. Nebenbei hat er die Malerei „als Therapie“ entdeckt. Nun hängen 20 seiner Leinwände im Untergeschoß des Wiener Ringstraßenhotels.

(c) APA/LOUIS VUITTON/ALASDAIR MCLEL (LOUIS VUITTON/ALASDAIR MCLELLAN)

Viel Farbe, kräftig und oft so plastisch, dass man mit dem Finger am liebsten darüberstreichen würde. So sieht Werner Schreyers Innenleben aus. „L'autre moi“, das andere Ich, hat er seine Ausstellung im Artist's Space im Le Méridien genannt. Seine erste, davor hat er seine Bilder noch nie gezeigt. „Ich hab's in der Schule gehabt“ (das Malen), „war beste Arbeit. Seither nicht.“

Werner Schreyer, 42, ist Österreichs Topmodel der Neunziger und immer noch (oder auch wieder) gut im Geschäft: Erst kürzlich erkor ihn Louis Vuitton zum Gesicht der Frühlings/Sommerkampagne, kolonialistisch als Abenteurer in Südafrika inszeniert. Schreyer selbst lebt heute zurückgezogen in der Schweiz. Vor fünf Jahren hat er, weil die Wände seines Apartments gar so weiß waren, zu malen begonnen. An der F+F Schule für Kunst und Mediendesign hat er in den letzten Jahren eine Ausbildung gemacht.

Nun hängen gut 20 seiner Leinwände im Untergeschoß des Wiener Ringstraßenhotels, das jungen oder noch wenig präsenten Künstlern Raum bietet. Angst, sagt der Wiener, habe er keine gehabt, habe er nie. Für selbstverständlich hält er das Interesse – das bei der Vernissage am Montagabend selbst den Veranstalter überrascht hat – aber auch nicht. „Ich freu mich, dass Ihr gekommen seid“, sagt er. Neben den vielen Leuten, die sich mit ihm fotografieren lassen wollen, sieht er klein aus. Manchmal zieht er die Schultern hoch und verschwindet ein wenig in seinem Anzug.

Das Malen, sagt er später im Gespräch mit der „Presse“, habe er zwischen den Reisen begonnen, auf denen er doch viel allein sei. In letzter Zeit habe er noch etwas mehr Zeit – er hat sich zwei Bandscheiben verletzt. Es sei auch eine Art Therapie. „Man hat ja vom Alltag extrem viel Energie und Emotionen, die sich anstauen. Und du kannst es nicht rauslassen.“ An der Leinwand könne er das: „Man ist zum Beispiel down, dann befasst man sich mit Malerei, hat eine flüssige Materie, die sich verändert, und kann selber entscheiden: Jetzt finde ich, so ist es schön. Der Prozess macht einen glücklich. Du bist dein eigener Chef.“


Was er, trotz Starstatus, beim Modeln ja nie ist. Im immer schnelllebigeren Arbeitsalltag renne alles „wie eine Spule, und als Model ist man der, der das G'wand verkaufen muss. Da muss man konzentriert arbeiten, da hat man wenig Zeit zu sagen, so oder so würde es mir gefallen. Ein anderer ist der Chef, und alles muss spuren.“ Ähnlich bei seinen früheren Ausflügen ins Filmgeschäft: Dort habe er zwar mitunter improvisiert, „aber es hat schnell geheißen, Werner, Werner, es ist ein anderer Film, das können wir nicht brauchen. Bis jetzt bin ich noch nicht richtig drangekommen, um zu zeigen, was ich kann.“

In der Malerei glaubt er, ein Feld gefunden zu haben, jedenfalls sorgt sie bei ihm für Euphorie. Eine zweite Karriere? „Ich könnt's mir schon vorstellen.“ Aber es gebe auch andere Projekte: eine Modelinie, Anzüge, T-Shirts, auf die er seine Bilder drucken will. Auch ein Buch war einmal im Gespräch. „Ich wollte eine Biografie schreiben. Aber es ist wohl noch zu früh.“

Auf einen Blick

„L'autre moi“ heißt Werner Schreyers erste Ausstellung, die seit Montag im Artist's Space im Hotel Le Méridien am Wiener Opernring zu sehen ist. Vor fünf Jahren hat der 42-jährige Wiener, der seit 1990 für praktisch alle namhaften Designer gearbeitet hat, zu malen begonnen, in Zürich hat er eine Ausbildung absolviert. Gunter Damisch von der Akademie der bildenden Künste sprach bei der Vernissage. Die Bilder hängen bis Mitte September.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2012)

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