Schade und McKee: "Nicht nur zuschauen!"

Startenor Michael Schade und seine Frau Dee McKee organisieren das Red Ribbon Celebration Concert mit Ex-US-Präsident Bill Clinton und den Wiener Philharmonikern. Ein Gespräch über Aids, Liebe und Religion.

Schade McKee Nicht zuschauen
Schade McKee Nicht zuschauen
(c) Pichler

Hatten Sie selbst mit Aids zu tun? Gibt es z. B. Erkrankungen, Todesfälle in Ihrem Bekanntenkreis?

Dee McKee: Glücklicherweise gibt es niemanden in unserer Familie, der betroffen ist. Ich habe kürzlich eine Lebensversicherung abgeschlossen, dafür muss man einen Aids-Test machen lassen. Das war für mich ein sehr entscheidender Moment, als ich das Blatt mit dem Ergebnis sah. Ich hatte das Gefühl, einen Augenblick in der Haut jener zu stecken, die dasselbe erleben müssen. Positiv? Negativ? Das ist eine einerseits verstörende, aber auch überwältigende Erfahrung für mich gewesen.

Michael Schade: Ich habe einen guten Kollegen und wunderbaren Pianisten: Irwin Gage. Er war am Sterben, er war einer der Ersten, die den berühmten Medikamentencocktail bekommen haben. Er rief mich an und sagte, Schubert habe ihn im Traum besucht. Das war Mitte der Neunzigerjahre. Wir sagten, der Arme, er hat Wahnvorstellungen kurz vor dem Tod. Er lebt bis heute. Das hat uns überaus stark bewegt.

Im Burgtheater treten beim „Red Ribbon Celebration Concert“  Künstler verschiedener Disziplinen auf: Randy Crawford, Al Jarreau, Sunnyi Melles, Gert Voss, Bernharda Fink, Antonio Banderas, Wie kam das Projekt zustande?

Schade: Der springende Punkt war, dass wir Bill Clinton getroffen haben. Zugunsten seiner Clinton-Health-Access-Initiative (Chai) findet das Galakonzert statt. Clinton wird nun im Burgtheater auch selbst sprechen. Es ist erschütternd, wenn man daran denkt, dass kleine Kinder, die überhaupt nichts dafür können, mit Aids infiziert werden. Da muss man unbedingt etwas tun! Wir haben selbst eine große Familie: acht Kinder. Vier von meiner Frau, drei von mir und eines haben wir gemeinsam.

Die vielen beim Konzert auftretenden prominenten Künstler bekommen wirklich gar keine Gage?

Schade: Nein. Auch wir nicht, für unsere Arbeit, die Vorbereitung für das Event läuft seit über einem Jahr. Es gab eine wichtige Sängerin aus dem Entertainment-Bereich, die wir einladen wollten, die uns wirklich das Haus gefüllt hätte, aber sie wollte Geld haben, da haben wir gesagt: nein, danke. Auch wir, meine Frau und ich, machen das nicht, um in die Seitenblicke zu kommen oder eine Mitgliedschaft bei irgendeinem berühmten Golfklub zu bekommen. Ich war schon immer mehr als ein Tenor, der um die Welt reist. Ich will etwas Gutes tun. Wir dürfen nicht nur zuschauen! Als Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg mir sagte, o. k., wir machen da mit, war das für mich wie ein Ritterschlag. Die Philharmoniker sind ja wirklich sehr beschäftigt. Sie haben mehr Konzerte und Proben, als es Tage im Jahr gibt.

Was geben Sie Ihren Kindern mit? Sind Sie strenge Eltern?

McKee: Das Wichtigste und Erste ist: Was immer du tust, bring keine Schande über die Familie. Zweitens: Wenn du einen Fehler begangen hast, mach ihn wieder gut. Drittens: Achte auf deine innere Stimme. Viertens: Es ist immer wichtiger, du selbst zu sein als das zu sein, was wir von dir wollen oder erwarten.

Schade: Ich habe von meiner Frau gelernt, dass Liebe kein Hauptwort ist, sondern ein Verbum, das mit Tätigkeit, Aktion zu tun hat. Nur wenn man sich für andere Menschen engagiert, kann man glücklich sein.

Bill Clinton war ein sehr populärer US-Präsident. Seine Frauengeschichten haben ihm wohl die meisten Europäer weniger übel genommen als die Amerikaner. Wie fanden Sie ihn?

Schade: Wir sind aus Neugier zu ihm gegangen, wir wollten sehen, wie er so ist. Ich war berührt von seinem Charisma. Ich habe einige Menschen in meinem Leben kennengelernt, die mich stark beeindruckt haben: Yehudi Menuhin, Papst Johannes Paul II. und eben Clinton. Er hat gesagt, wenn wir dieses Konzert organisieren, kommt er selbst und redet auch. Er ist ein großer Mann, er hat dafür gesorgt, dass die Pharmafirmen in die Knie gegangen sind, dass die Preise für die Medikamente reduziert wurden und dass die Zulassungsverfahren nicht mehr so lange dauern. Er hat den afrikanischen Ländern gesagt, ja, ihr habt Schulden, aber jetzt helft zuerst einmal euren eigenen Leuten!

Sind Sie religiös? Glauben Sie, dass Gott hilft?

McKee: Ja, wir sind religiös. Ich sage immer den Kindern, euer Leben ist nicht vorherbestimmt. Religion wird euch kein perfektes Dasein verschaffen oder auf magische Weise alle Unbill von euch fernhalten. Ihr könnt auch kein perfektes Leben erlangen, wenn ihr auf die Knie fällt und stundenlang betet. Gott hat aus euch vernünftige Wesen gemacht, die eine Wahl haben, der Glaube ist die Richtschnur für diese Wahl. Und denkt immer daran: Ihr habt keinen Stempel auf der Stirn, der euch für alle Zeiten für schuldig erklärt. Wenn ihr einen Fehler gemacht habt, gesteht ihn ein und fangt noch einmal vorn vorn an.

Sie haben die letzten Jahre viel in Österreich gespielt und gesungen. Wie fühlen Sie sich in Wien?

Schade: Für mich ist Wien die schönste Stadt der Welt. Ein bisschen rückwärtsgewandt, aber fein, klein und wunderbar. Die Kultur läuft hier fast von allein und wenn wie jetzt die Welt nach Wien kommt und ein Riesenfest wie der Life Ball stattfindet, dann helfen die Leute, freuen sich und staunen. Ich liebe natürlich auch mein Kanada, aber ich möchte die nächsten Jahre noch viel in Wien machen – vor allem auch ein weiteres Event zum Life Ball im Burgtheater 2013. Ich singe „Titus“ („La Clemenza di Tito“ von Mozart) an der Wiener Staatsoper, in „Arabella“ von Richard Strauss, in „Capriccio“ mit Renée Fleming, Beethovens „Fidelio“, eine Neuproduktion im Theater an der Wien im nächsten Jahr und es gibt einen Liederabend mit Beethoven, Weber, Schubert im Musikverein. Wir sind als Familie sehr glücklich hier.

Ein lyrischer Tenor hat viele Verehrer und noch mehr Verehrerinnen. Frau McKee, Sie sind Fotografin und organisieren Events. Wie kommen Sie mit dem Ruhm ihres Mannes zurecht?

McKee: Ich bin vor allem einmal Mutter. Michael ist ein richtiger Künstler, er muss umsorgt werden, fast wie ein Kind. Ja, es gibt schon Frauen, die versuchen, die Familie zu infiltrieren. Aber da will ich jetzt ganz ehrlich zu Ihnen sein: Diese Damen werde ich leider alle töten müssen (lacht).

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