DJ am Opernball: Tanz auf dem Vulkan

Die Holländerin Gabbi Werner ist heuer DJ am Opernball. Rosa Kopfhörer für die Pink Bar hat sie schon und Einblick in ihre Playlist gewährt sie auch.

Gabbi Werner
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Gabbi Werner
(c) Die Presse (Julia Stix)

Den Opernball kannte sie bis vor drei Jahren nur aus der Ferne. Heuer wird DJ Gabbi (auch genannt The First Lady OBT) die Pink Bar beschallen. Das „Schaufenster“ plauderte mit der Holländerin Gabbi Werner, die sich in Wien auch als Clubbetreiberin einen Namen gemacht hat.

Was machten Sie, bevor Sie ins DJ-Business eintauchten?

Ich habe als Regisseurin von TV-Dokumentationen in Amsterdam gearbeitet. Davon konnte man mehr schlecht als recht leben. Irgendwann begann ich mit dem Auflegen. Zunächst aus reinem Spaß. Später kam ich drauf, dass man so auch sein Geld verdienen kann.

Wie kam es, dass Sie in Wien landeten?

Ich bereitete 2006 einen Film in Wien vor und hing oft im Kunsthallencafé am Karlsplatz ab. Das war genau mein Soziotop. Ich bettelte darum, einmal auflegen zu dürfen. Man gestattete mir gerade mal eine Stunde. Genau da ist der Bernd Schlacher reinspaziert, dem es gut gefiel. Das war wie eine Fügung. Er hat mich für den Rest meiner Zeit in Wien als DJ für sein Lokal Motto verpflichtet. Zurück in Holland grübelte ich über meine Zukunft. Ich beschloss, wieder nach Wien zurückzukehren. Seither mache ich die Bookings für Schlachers Lokale und organisiere den Samstagabend in der Roten Bar im Volkstheater.

Wie verlief Ihre musikalische Sozialisation?

Mit fünf Jahren liebte ich Abba, danach Police, die Boomtown Rats, Punk und Disco. Musikalisch war ich eigentlich immer ein Allesfresser. Es gibt in jedem Genre unfassbar gute Nummern, also hab ich einen eklektischen Zugang zur Materie entwickelt.

Wie finden Sie die Wiener DJ-Szene?

Im Vergleich zu Holland sind die DJs in Wien technisch viel besser. Leider hört man viel zu oft die gleichen Stücke. Das ist in Holland genau umgekehrt. Dort gibt es unglaubliche Musik-Aficionados, die sich kaum um die technischen Aspekte kümmern, lieber frei von der Leber weg spielen.

DJ Gabbi veranstaltet in Wien auch Clubevents. Was steht da als Nächstes an?

Im Motto und in der Kunsthalle ist die Herausforderung, interessante Musik zu machen und die Leute bei Tisch zu halten. In der Roten Bar kann getanzt werden, was mir ermöglicht, einmal monatlich holländische DJ-Kollegen einzuladen. Als Nächstes kommen meine Helden Kraak & Smaak in die Rote Bar. Sie sind ja nach Heineken und Van Gogh der berühmteste Exportartikel Hollands. Die Musik, die sie produzieren, ist intelligent und warm. Viele nennen das, was Kraak & Smaak machen, Lounge-Core. Sie können aber auch sehr feinsinnige Soul-Sets auflegen. Bei uns werden sie es aber deftiger anlegen. Holzhacker-like.

Als jemand, der im Ausland groß wurde – was sagt Ihnen der Opernball?

Dieser Ball ist eine Institution, zudem einfach das
berühmteste Event Österreichs. Soviel dringt selbst bis Holland durch. Es freut mich total, dass gerade ich da auflegen darf. Und ich bin sehr neugierig, weil es ja mein erstes Mal ist.

Der Opernball ist traditionell als „Bonzenparty“ umfehdet. Darf man feiern, wenn andere darben?

Mich haben schon in meiner Zeit als Filmerin in Holland stets die Extreme der Gesellschaft interessiert. Zwischen Underground und Establishment kann es interessante Berührungspunkte geben. Ich sähe die Kritik ein, wenn der Opernball die einzige Form von Vergnügung wäre. Gerade in der Krise muss auf dem Vulkan getanzt werden. Vielleicht lässt er sich ja so beruhigen . . .

Wie werden Sie auflegetechnisch auf die Wunden, die die Finanzkrise bei den Reichen gerissen hat, reagieren?

Vielleicht sollte ich es besonders sanft angehen. Sieht man sich die großen Krisen an, etwa das Berlin der Dreißigerjahre, dann erkennt man, dass mit der Not auch das Bedürfnis nach Entertainment wuchs. In allen sozialen Schichten. Die Unterhaltungsbranche boomt in schweren Zeiten, weil die Menschen irgendwann gegen all das
Negative rebellieren, das ihnen durch die Medien entgegenflutet.

Was sind die Erfordernisse von der Kleiderordnung her?

Nun, ich lege in der Pink Bar auf. Das einzige Passende, das ich bislang habe, sind rosa Kopfhörer. Alles andere will noch organisiert werden . . .

TIPP

Kraak & Smaak
28. 2. im Club New Amsterdam in der Roten Bar, Volkstheater.

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