Der Prinz, der König sein wollte

Prinz Henrik, Gatte von Königin Margrethe, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Der gebürtige Franzose kämpfte lange um einen eigenen Königstitel und machte sich Feinde.

Prinzessin Margrethe und ihr Mann, Prinz Henrik, anno 1970 mit ihren Söhnen Joachim and Frederik.
Prinzessin Margrethe und ihr Mann, Prinz Henrik, anno 1970 mit ihren Söhnen Joachim and Frederik.
Prinzessin Margrethe und ihr Mann, Prinz Henrik, anno 1970 mit ihren Söhnen Joachim and Frederik. – (c) Getty Images (Keystone)

Kopenhagen/Stockholm. Nach zwei Wochen im Kopenhagener Reichsspital wollte Prinz Henrik seine letzte Zeit im Schloss Fredensborg mit seiner Frau, Königin Margrethe II. (77), und den Söhnen Frederik (49) und Joachim (48) verbringen. Dorthin hatte man ihn am Dienstag gebracht, und gegen Mitternacht sei er im Alter von 83 Jahren „friedlich eingeschlafen“, hieß es seitens des Hofs.

Henrik war zuletzt wegen eines gutartigen Lungentumors samt Lungenentzündung behandelt worden. Zudem hatte man 2017 bei ihm Demenz diagnostiziert. Vor wenigen Wochen verschlechterte sich sein Zustand rapide. Bis zuletzt soll er Haltung bewahrt und seinen sehr eigenen Humor aufrecht erhalten haben. Dänemarks Untertanen trauern nun mit ihrer Königin, die den attraktiven und lebensfrohen französischen Grafensohn und Diplomaten 1965 in London kennenlernte. Zwei Jahre später heiratete sie ihn, weil sie „unsterblich verliebt“ sei, wie die damalige Kronprinzessin sagte.

Für die Liebe musste Henri Marie Jean André Graf de Laborde de Monpezat einiges aufgeben. Seinen französischen Namen, die Staatsbürgerschaft, den katholischen Glauben. „Vergiss nie, stolz auf Frankreich zu sein!“, mahnte Präsident Charles de Gaulle den jungen Diplomaten bei seiner Abschiedsaudienz. Das tat der selbstsichere und streitbare Franzose auch nicht: Dem nüchternen, etwas abgeschotteten dänischen Königshaus verlieh der Lebemann, der in Algerien in Frankreichs Armee gedient hatte, Lockerheit und Internationalität. „Er gab der Königin Liebe, Geborgenheit und Mut, eine der besten Monarchinnen Dänemarks zu werden“, würdigt nun die Jyllands-Posten.

Untypisch skandinavisch, nahm der kunst-, kultur- und musikinteressierte Prinz, der Dackel liebte, selten ein Blatt vor den Mund. Er liebte Überraschungen, die vom Protokoll abwichen. „Er ist auch ein Spaßmacher. Dinge sollten nicht hundertprozentig voraussehbar sein. Wenn er eine Gelegenheit zu einer Überraschung sieht, nimmt er sie gern wahr. Etwa durch einen unerwarteten Auftritt. Er kann da verkleidet sein, oder eine kleine Verschwinden-Nummer à la Houdini hinlegen, wobei er dann ganz wo anders auftaucht“, sagte sein Sohn, Prinz Joachim, zum 80. Geburtstag des Vaters.

 

Zu Gast bei den Haschbrüdern

Einmal erschien Henrik in der für ihren Haschischverkauf bekannten Freistadt Christiania in Kopenhagen und trank Bier mit Hippies. Gern betonte er die Überlegenheit der französischen Küche und Lebensart gegenüber der dänischen. Er war Snob, doch volksnah. Ungern lernte er Dänisch, das er auch zuletzt nur mit hartem Akzent sprach.

Vieles davon fanden die Untertanen zunächst charmant. Doch er wurde mit den Jahren umstrittener. Vor allem konnte sich der Adelige nie mit seiner Rolle als „Prinzgemahl“, als „Schatten“ der Königin abfinden. Er dachte konservativ. „Unser Vater verlangte Erfolge. Das war unsere große Sorge in der Kindheit“, sagte Prinz Joachim einmal. Unter dem Pantoffel wollte Henrik nie stehen und tat das privat auch nicht. Er forderte, auch als König zu gelten, weil man ihn sonst nicht ernst nehme: Sogar sein Sohn Frederik habe als Kronprinz bei Empfängen höheren Status, schimpfte er.

 

„Sie macht mich zum Narren“

Übel nahmen ihm die Dänen, als er 2016 den 75. Geburtstag seiner Frau schwänzte. Er sei krank, sagte er, wurde aber am Tag darauf in Venedig gesehen. Dann gab er den Prinzgemahlstitel auf. Im Vorjahr der Mega-Eklat: Er wolle nicht neben Margrethe im Familiengrab im Dom zu Roskilde liegen, verkündete er. Sie gebe ihm „nicht den Respekt, den eine normale Ehefrau ihrem Mann geben sollte. Sie macht mich zum Narren. Wenn sie will, dass wir zusammen begraben werden, muss sie mich zum Königinnengemahl machen.“

Entsprechend negativ gefärbt war manch Nachruf am Mittwoch. Doch da Henriks Demenz bekannt war, waren viele Dänen nachsichtig. Nun wird er tatsächlich anders als andere dänische Royals begraben: Die Hälfte seiner Asche soll gemäß seines letzten Willens ins Meer gestreut, der Rest im Schlossgarten von Fredensborg begraben werden. Das ist einmalig in Dänemarks Geschichte.

„Prinz Henrik war ein Mann mit Mut und Kanten. Er wagte es, sich aufs Spiel zu setzen und weigerte sich nur ein Zuschauer des Lebens zu sein“, sagte Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen, und: „Die königliche Familie hat einen Anker verloren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Der Prinz, der König sein wollte

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.