Eine Höhenstraße zum Himmel

Oder: Warum Pflastersteine kein Flüsterasphalt mehr werden.

Schließen
(c) Fabry

Andere Großstädte haben mehr Hochhäuser, Wien hat die Höhenstraße. Die kratzt zwar nicht an den Wolken, dafür führt sie direkt zum Himmel. Die große Wiese am Kahlenberg mit Lebensbaumkreis, Abenteuerspielplatz und Gastronomiebetrieb lädt zum Verweilen, Spazieren und vor allem Über-Wien-Schauen ein. Sollte tatsächlich irgendwo ein Himmel existieren – wäre er so wie der, zu dem die Höhenstraße führt, man würde es dort schon eine Ewigkeit aushalten.

Nun ist um die Höhenstraße, die durch den Wien-nahen Wienerwald Klosterneuburg, Leopoldsberg, Kahlenberg, Grinzing, Sievering, Neustift am Walde und Neuwaldegg verbindet, eine hitzige Diskussion entbrannt. Ob nämlich das historische Kopfsteinpflaster, mit dem der doch ziemlich frequentierte Verkehrsweg immer noch belegt ist, durch Asphalt ersetzt werden soll oder nicht. Die Stadt Wien, die für die Erhaltung der Straße zuständig ist, wünscht sich naturgemäß eine deutlich günstigere Asphaltierung. Das Denkmalamt hält die Straße aber für geschützt.

Nun ruft das Herz all jener, die regelmäßig zwischen den Häuserln am Stoa und jenen am Roan herumwandern, natürlich laut und unzweifelhaft „Kopfsteinpflaster“. Eine asphaltierte Höhenstraße ist doch unvorstellbar, wiewohl einzelne Abschnitte schon jetzt geteert, wenn auch nicht gefedert sind.

Doch schaltet man kurz das Hirn ein und denkt an die vielen permanenten Waldbewohner und gelegentlich ausflügelnden Großstädter mit ihrem Naherholungsbedürfnis, dann müsste man contre cœur entscheiden: weil jedes Auto (und es sind viele, je besser das Wetter desto mehr) auf den Pflastersteinen einen unglaublichen Lärm verursacht. Dieses Getöse ist weder am Himmel noch am – soeben zwangsgeräumten – Cobenzl wegzudenken. Wien liegt komplett still vor einem, weil der Höhenstraßenlärm das ferne Stadtrauschen zumeist übertönt.

Nun soll also, um eine gute Lösung zu finden, der 15 Kilometer lange Verkehrsweg vermessen werden, um zu klären, was da eigentlich schützenswert ist und was nicht. Doch die Prognose ist leider wenig riskant: am Ende werden wohl von den Millionen nur noch ein paar zehntausend Pflastersteine über bleiben.

Wir zumindest werden aber von einer Zeit erzählen können, als die Straße zum Himmel noch einen Höllenlärm gemacht hat.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      Eine Höhenstraße zum Himmel

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.