Abschied von Nummer 41

Oder: Warum die Gedenkfeier für George Bush nicht ohne Hass und Brokkoli auskam.

Mit Begräbnissen ist es ja – wie mit Weihnachtsfeiern auch – so eine Sache. Aber ohne eingeladen gewesen zu sein, darf man wohl sagen, die Trauerfeier von George Herbert Walker Bush diese Woche in Washington D. C. hatte es wirklich in sich.

In der ersten Reihe die Ex-Präsidenten und der amtierende Präsident, für die wahrscheinlich sogar die amerikanische Hauptstadt, jedenfalls aber die Nationalkathedrale, ganz sicher aber eine Reihe einer Kirchenbank zu klein ist. Wobei ja unklar ist, ob die Abneigung zwischen den Trumps und den Obamas oder jene zwischen den Trumps und den Clintons größer ist. Hillary und Bill Clinton verweigerten Melania und Donald Trump jedenfalls den Handschlag. Die Obamas grüßten zwar, schauten aber böse.

Dabei könnte man glatt vergessen, dass auch die Niederlage von Bill Clintons ebenfalls anwesendem Vizepräsidenten Al Gore gegen den Trauerredner George W. Bush alles andere als freundschaftlich verlief und Jeb Bush, der als Sohn des Verstorbenen ebenfalls in der ersten Reihe saß, als Gouverneur von Florida damals bei den Stimmauszählungswiederholungsspielchen auch keine unwesentliche Rolle spielte.

Jimmy Carter wiederum, mit 94 Jahren übrigens gleich alt wie der verstorbene Bush senior, unterlag ja nach nur einer Amtszeit glatt Ronald Reagan, der George W. H. Bush als Vizepräsident ins Weiße Haus mitbrachte. Überhaupt sind die Jahrgänge der Präsidenten interessant: Donald Trump, Bill Clinton und George W. Bush, also die Präsidenten Nummer 45, 42 und 43, sind alle Jahrgang 1946. Die Nummer 44, Barack Obama, ist Jahrgang 1961, damit ganze 15 Jahre jünger und trotzdem schon Polit-Pensionist. Nur zum Vergleich und aus gegebenem Anlass (seinen Konzerten in Wien): Paul McCartney ist Jahrgang 1942, damit älter als Trump, Bush junior und Clinton.

Als kleiner vegetarischer Sidekick kam übrigens bei dem Präsidentengedenken der Brokkoli zu Ehren. George W. Bush erinnerte in seiner Rede daran, wie sehr sein verstorbener Vater das Gemüse hasste („Ich bin Präsident der Vereinigten Staaten und esse nie wieder Brokkoli.“) Barack Obama hatte dagegen in seiner Amtszeit ausdrücklich erklärt, Brokkoli sei sein Lieblingsgemüse.

Wie Trump und McCartney zu Brokkoli stehen, ist übrigens nicht bekannt.

florian.asamer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2018)

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