Mode für Töchter aus gutem Haus

Andreas Riedler und Patrick Ascher machen Mode. Mit der „Presse“ sprachen sie über ihr Label „Heiress“, prominente Kundinnen und warum der Erfolg in Österreich auf sich warten lässt.

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Ihr Ziel ist der rote Teppich, nicht der Laufsteg. Obwohl: Letzterer natürlich auch. Nur haben Andreas Riedler und Patrick Ascher bis jetzt eben gerade mit dem roten Teppich gute Erfahrung gemacht. Das heißt, ihre Kleider haben am roten Teppich gute Figur gemacht. An Jenny Elvers-Elbertzhagen zum Beispiel oder an Anke Engelke, an Mariella Ahrens, die mittlerweile eine verheiratete Gräfin Faber-Castell ist, und an den Töchtern von Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis.

Die Thurn und Taxis-Schwestern, die so heißen wie zwei frühere österreichische Kaiserinnen (Maria Theresia und Elisabeth), haben erst unlängst in Bayreuth Kleider des Innsbrucker Mode-Duos ausgeführt. Das ist für junge Designer schon eine wichtige Sache. Auch wenn Riedler und Ascher im Gespräch mit der „Presse“ zugeben, dass man die Art, wie ein Kleid von einem Prominenten getragen wird, aus der Ferne natürlich nicht mehr beeinflussen kann. Mitunter sieht das Endergebnis nämlich eher schräg aus, so wie bei Maria Theresia in Bayreuth. Die 26-Jährige trug zu ihrem weißen Kleid aus T-Shirt-Stoff eine riesige Sonnenbrille und ein grellgelbes Tuch. Für eine Opernpremiere (die „Meistersinger“) war das doch sehr schrill. Zumindest schrill genug um Fotostrecken in diversen bunten Blättern zu zieren. Im Grunde hätte das auch die Botschaft ihres Labels auf eine nette Weise transportiert, so die Designer.

Der Name ihres Modelabels stand für Ascher und Riedler im Sommer 2003 sehr rasch fest: Heiress – Die Erbin. Das Wort war ihnen bei ihren New York-Trips in der amerikanischen Presse ständig untergekommen. „Super-Heiress war damals ein so häufig gebrauchtes Schlagwort, wie das Wort ,Wunderkind‘, das dann Wolfgang Joop ein paar Monate später als Name für sein Label verwendet hat“, sagt Riedler. Ihr Label soll also junge Frauen aus gutem, oder besser gesagt, aus berühmtem Hause ansprechen. Wobei Riedler seine Kundinnen nicht Erbinnen, sondern lieber „Sprösslinge“ nennt.

Das mit dem Erbe und den besseren Töchtern wollen die zwei Designer, die bis vor vier Jahren beide in der Filmbranche tätig waren (Riedler hinter, Ascher vor der Kamera), nicht ganz bierernst sehen. Ihre Abendkleider seien unkonventionell, unkompliziert („bügeln muss man unsere Kleider nicht“) und würden entweder viel Haut zeigen oder mit Corsagen und ausgefallenen Stoffen spielen.

Und natürlich sollen sich nicht nur Erbinnen und Töchter von Rockstars oder Schauspielern von ihrer Mode angesprochen fühlen. Wobei sich die modischen Quereinsteiger, die (noch) keine Mitarbeiter beschäftigen, dann doch sehr gefreut haben, als sich eine dieser sogenannten Erbinnen bei ihnen meldete. Elisabeth von Thurn und Taxis wollte sich mit ihnen treffen und ein paar Kleider anprobieren. Die nahm gleich ihre Schwester mit, und eine entfernte Verwandte aus Wien, Caroline von Thurn und Taxis, wurde ebenfalls Kundin. „Aber richtig ,entdeckt‘ hat uns eigentlich die deutsche ,Cosmopolitan‘“, sagt Ascher. Danach ging es beim nördlichen Nachbarn ziemlich schnell: Die „Bunte“ verlieh dem Duo den „New Faces Award 2005“ für Modedesign und mittlerweile gäbe es Zeiten, „wo wir jede Woche in irgendeinem deutschen Magazin vorkommen“, so Riedler


Und wie läuft's in Österreich? Die Medienpräsenz in ihrer eigenen Heimat lässt bisweilen noch zu wünschen übrig. Das läge zunächst daran, dass die beiden durch die Nähe zu München gleich dort ihren zweiten Wohn- und Arbeitsstandort aufgebaut haben (obwohl ihr Showroom in Düsseldorf liegt), so Riedler. Nach Wien kämen sie zwar auch, aber eben nicht so oft.

Zudem habe ihr mangelnder Erfolg in Österreich vielleicht auch mit dem alten Klischee zu tun, nachdem man es hierzulande erst zu etwas bringt, wenn man es im Ausland geschafft hat. „Sozusagen der Prophet im eigenen Land.“ Eine wie die Wiener Designerin Niko Fechter, habe es hierzulande insofern leichter, weil sie sich in Wien permanent mit Journalisten umgeben kann. Was sie auch tut. So wie das Ascher und Riedler in München machen.

ZUR PERSON

Andreas Riedler (45) und Patrick Ascher (26) betreiben seit 2003 ihr gemeinsames Modelabel „Heiress“. Die sogenannten Erbinnen, also Töchter aus Adelsfamilien oder von berühmten Sängern und Künstlern, zählen zu ihren Kundinnen – deren Herkunft sie mit ihren verspielt-exzentrischen Abendkleidern ironisch betrachten wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2007)

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