Bitte zur Anprobe: Maßanzüge aus dem Hause Knize

Der Wiener Herrenausstatter Knize wird 150 Jahre alt. Ein guter Grund, über den Maßanzug nachzudenken, über die Rivalität zwischen Italienern und Briten und über die Rolle von James Bond.

(c) Knize

Es braucht nicht viel, um aus einem Anzug einen perfekten Anzug zu machen. Eine weich fallende, also nicht gepolsterte Schulter, ein eng am Hals liegender Kragen, ein nicht zu großes Armloch und ein schlanker Arm, der nicht zu lang ist. So sieht man das zumindest beim Wiener Herrenausstatter Knize. Und zwar schon seit 150 Jahren. Im Oktober feiert das Familienunternehmen ein rundes Jubiläum.

Bei Knize glaubt man daran, dass ein Maßanzug nichts mit Mode zu tun hat. Eleganz beginne da, wo man die Mode überwindet, sagt Rudolf Niedersüß, der Eigentümer in dritter Generation. Dabei galt das Haus Knize in den 1920er-Jahren sogar als modern. Damals sprach man von der „Befreiung des Herrn", weil der Anzugstoff weicher wurde und es erste Ansätze einer sportlichen Freizeitmode gab. So erfolgreich wie einst, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, lief das Geschäft danach selten. Man eröffnete Dependancen in Berlin, New York und Paris. Daran erinnert noch heute der goldene Schriftzug auf dem von Adolf Loos zwischen 1910 und 1913 gestalteten Marmorportal am Graben. Obwohl eigentlich seit Jahrzehnten nur mehr das Wiener Geschäft existiert.

Konkurrenz aus der Familie und aus London. In Österreich jedenfalls versteht sich Knize immer noch als erste Adresse der Schneiderkunst. Wobei sich das bald ändern könnte. Bernhard Niedersüß, der Sohn von Rudolf Niedersüß, hat sich vor genau einem Jahr selbstständig gemacht. Die Abnabelung passierte nicht ganz friktionsfrei - was Vater und Sohn heute allerdings bestreiten. Man sehe sich nicht als Konkurrenz, meinen beide unisono. Privat verstehe man sich „natürlich" prächtig. Im Grunde heißt es aber, dass auch in Wien eine neue Generation der Schneiderkunst heranwächst. Die Grundbegriffe hat Bernhard Niedersüß von seinem Vater gelernt, der Tradition bleibt er auch treu, aber mit neuen Akzenten.

In der Londoner Edelschneidermeile Savile Row funktioniert das Nebeneinander von alteingesessenen Traditionsbetrieben (wie Anderson & Sheppard, Dege & Skinner) und hinzugezogenen Neuankömmlingen (wie Ozwald Boateng, Richard James) seit Jahren. Was auch ein Grund dafür ist, warum die Einbahnstraße unweit des Piccadilly Circus seit kurzem eine neue Blüte erlebt. Ende der Neunziger Jahre hatten die Savile-Row-Schneider mit explodierenden Mieten, Gerüchten um Sanierungen für moderne Büros und dem Siegeszug des Zwei-Tage-Maßhemds aus Hongkong zu kämpfen. Diese Krise ist überwunden. Der junge „Tailor" Ozwald Boateng, der erst Anfang des Jahres in ein 650 m2 großes Geschäft in der Savile Row gezogen ist, gilt schon jetzt als Aushängeschild für moderne Maßschneiderei und sagt: „Heute führt die Maßschneiderei die Mode wieder an. Das war nicht immer so."

Während der Hamburger Herrenausstatter Braun auf die Schneiderkunst von Tom Ford vertraut, setzt man bei Knize auf Ware aus dem italienischen Penne. Dort ist das nach der kroatischen Insel benannte Haus Brioni ansässig. Der 1945 gegründete Betrieb gilt als erstes Schneiderhaus Italiens. Und die Briten sahen es gar nicht gern, als 1995 ausgerechnet die Italiener ausgewählt wurden, Geheimagent 007 auszustatten. Seither gehörten Brioni-Anzüge zu James Bond wie der geschüttelte Martini. Mit dem neuen Film beginnt James Bond Daniel Craig allerdings eine neue Ära. Ein anderer wird 007 ausstatten, und das könnte, wie Fan-Foren vermuten, der Texaner Tom Ford sein. Da werden die Briten wieder not amused sein.

KnizeDer Herrenausstatter am Wiener Graben wurde 1858 von Josef Knize gegründet. 1910 gestaltete Adolf Loos Geschäftslokal und Eingang neu. Seit 2003 gibt es eine eigene Konfektionslinie. Die Häuser in New York, Paris und Berlin gibt es nicht mehr.
NiedersueszBernhard Niedersüß eröffnete nach 14 Lehrjahren beim Vater, dem Knize-Eigentümer, sein eigenes Atelier in der Annagasse: „Um eigene Erfahrungen zu machen.“ Bereits im ersten Jahr hat er zwölf Meisterstücke angefertigt.
KilgourDie Britische Institution auf der Schneider-Meile Savile Row. Schon Cary Grant und Fred Astaire ließen sich dort ihre Anzüge schneidern. Designer Carlo Brandelli zeigt, dass selbst klassische Anzüge einen Touch Modernität vertragen.
Tom FordDer Texaner mischt mit seiner eigenen Kollektion den Markt für Männeranzüge ordentlich auf. Prädikat: Gentlemen-Style. Mehr als 20 Geschäfte sollen im nächsten Jahr eröffnet werden.
BrioniDie italienische Familie hat den Betrieb 1945 gegründet. Sitz ist in Penne. Agent 007 wird in Zukunft nicht mehr Brioni tragen.

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