Modepreis geht an Hoermanseder

"Sie ist eine, die schon wahnsinnig viel erreicht hat, aber noch viel mehr erreichen kann." Die 29-jährige Wahlberlinerin Marina Hoermanseder wurde mit dem Modepreis der Stadt Wien ausgezeichnet.

Marina Hoermanseder
Marina Hoermanseder
Marina Hoermanseder – APA/EPA (HERBERT NEUBAUER)

Für Marina Hoermanseder scheint sich zu bewahrheiten, dass man im Ausland etwas werden muss, um daheim etwas zu gelten. Das ist der aus Wien stammenden Modemacherin allerdings gleich in Rekordzeit gelungen: Ihr erst 2013 gegründetes und zuletzt bei der Berliner Fashion Week gefeiertes Label ist Dienstagabend mit dem Modepreis der Stadt Wien ausgezeichnet worden.

"Die heurige Preisträgerin Marina Hoermanseder reüssiert derzeit am internationalen Modeparkett und ist wie keine andere das modische Testimonial für ihre Geburtsstadt Wien", meint Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). Er lobte bei der Überreichung der mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung im Semper Depot, die Designerin sei "schon am Absprung. Sie ist eine, die schon wahnsinnig viel erreicht hat, aber noch viel mehr erreichen kann." Der Preis solle "die nächsten entscheidenden Schritte beim Aufbau ihrer internationalen Marktpräsenz" erleichtern.

Die 29-jährige Wahlberlinerin absolvierte auf Wunsch der Eltern zunächst ihren Master in Betriebswirtschaft, studierte dann an der ESMOD Berlin (Internationale Kunsthochschule für Mode), besuchte Kurse am Central St. Martins College in London und durchlief ein Praktikum bei Alexander McQueen. 2014 zeigte sie ihre erste eigene Kollektion auf der Berliner Fashion Week, heuer wurde sie in der deutschen Hauptstadt endgültig bejubelt. Seit sie die neuen AUA-Uniformen entworfen hat, die 2016 zum Einsatz kommen, ist sie auch in ihrer Heimat ein geläufigerer Name: Ihre Laufstegshow zur Eröffnung der siebenten MQ Vienna Fashion Week am Montagabend ist vom modeinteressierten Publikum regelrecht gestürmt worden.

"Ich zittere und kann's gar nicht glauben"

Auch die Jury der Austrian Fashion Awards (AFA) streute Rosen: Bei ihr "treffen künstlerisches Talent und eine reflektierte Marktstrategie in selten kohärenter und stimmiger Form aufeinander. Sie verfügt über das Potenzial, ihr Label als global agierenden Brand im Luxussegment zu positionieren". Inspiration für die exaltierten Designs von Hoermanseder sind medizinische Apparate und orthopädische Korsetts aus dem 19. Jahrhundert. Für die aktuelle, viel tragbarere und romantische Frühling/Sommer-Kollektion 2016 standen zudem Uniformen der österreichisch-ungarischen Monarchie Pate. "Ich zittere und kann's gar nicht glauben", gab sich die Geehrte bescheiden.

Der Modepreis des Bundeskanzleramts für Jungdesigner ging an die aus Südkorea stammende Absolventin der Angewandten, Jackie Lee. Sie arbeitet seit 2014 als freie Schnittentwicklerin in Wien und erhält nunmehr ein einjähriges Arbeitsstipendium bei einem internationalen Modeschöpfer finanziert.

Mit einer Gesamtdotation von 28.000 Euro zählen die AFA zu den wichtigsten Auszeichnungen im österreichischen Designbereich. In Szene gesetzt wurden die Kreationen aller Nominierten vom Modeduo Helga Ruthner und Hermann Fankhauser vom Wiener Label Wendy & Jim. Ihre "Modeintervention" in Form eines Parcours mit in skulpturalen Installationen teils schwebenden, teils absurde Haltungen einnehmenden Models bot dem Publikum eine ungewohnte Sicht auf "Fashion" und war halb Zirkus, halb Kunstausstellung, und ein bisschen Freakshow.

MQ VIENNA FASHION WEEK

15, bis 13. September, Museumsquartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien. Programm der Schauen unter www.viennafashionweek.com.

(APA)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Modepreis geht an Hoermanseder

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.