Debatte: Der Hidschab und die Modewelt

Seit Anfang März bewarb die Sportmarke Nike ihren "Nike Pro Hijab" - einen Hidschab für Athletinnen. An dem Funktionskleidungsstück wurde über ein Jahr lang gearbeitet, Spitzensportlerinnen aus der arabischen Welt halfen bei der Entwicklung mit. Jetzt wurde der Hidschab lanciert, drei Sportlerinnen fungieren als Testimonials.

 

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"Endlich ist der Bewundernswerte Nike pro Hijab raus! Ich bin so dankbar Teil dieser globalen Kampagne gewesen zu sein und ich fühle mich auch sehr geehrt. Ich danke dem gesamten Nike Team, für die tolle und schöne Erfahrung in London und natürlich für diese tollen Fotos!", schreibt die deutsche Boxerin Zeina Nassar, die libanesische Wurzeln hat.

Instagram/@zeina.boxer

Während sich Testimonials wie Eiskunstläuferin Zahra Lari aus den Emiraten höchst erfreut über das Produkt von Nike zeigen, nennen Kritiker die Entscheidung der Firma "Geldmacherei aus Unterdrückung".

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Die US-amerikanische Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad kämpft ebenfalls ab jetzt mit dem Nike Pro Hijab. Sie lancierte eben erst ihre eigene muslimische Barbie.

Instagram/@ibtihajmuhammad

Die Kombination Hidschabträgerin und Model gibt es, lange Zeit war sie nicht sichtbar: Mit den Modewochen im Februar 2017 änderte sich das. Die 19-jährige Halima Aden lief für Max Mara und Alberta Ferretti in Mailand über den Laufsteg und sorgte für Gesprächsstoff. "Ich bin sehr stolz, dass Halima Teil meiner Show ist. Sie repräsentiert eine von vielen weiblichen Persönlichkeiten heute und ich wünsche mir, dass es mehr Raum für Vielfalt gibt", gab Ferretti zu Protokoll.

APA/AFP/MIGUEL MEDINA (MIGUEL MEDINA)

Davor hatte Halima Aden bereits einen Auftritt auf Kanye Wests "Yeezy"-Schau während der Fashion Week in New York City - ihr Catwalk-Debüt. Die Modezeitschrift "Vogue" schrieb, der Auftritt habe eine "bedeutsame Debatte" über muslimische Frauen bei der Fashion Week angestoßen. Aden selbst sagte dem Magazin, es sei noch immer schwierig für sie, geeignete Mode zu finden.

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Als erstes Hidschab-Model der Welt gilt aber Mariah Idrissi, die bereits 2015 in einem Werbespot von H&M zu sehen war.

Seit März 2017 gibt es auch die "Vogue Arabia". Auf dem Cover der ersten Ausgabe zeigte sich Topmodel Gigi Hadid verschleiert. Sie selbst ist keine Muslima, aber Halb-Palästinenserin.

Das Cover erhielt viel Anerkennung als ein Zeichen für wachsende Inklusionsbestrebungen der Modebranche - tatsächliche Hidschabträgerinnen meldeten sich allerdings auch zu Wort, viele von ihnen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: Hadid erhalte Lob für das Bild mit Hidschab, während sie selbst tagtäglich mit Anfeindungen leben müssen - wegen ihrer Entscheidung, Hidschab zu tragen.

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Auch internationale Marken wollen den muslimischen Markt für sich zu gewinnen. Diverse Kapselkollektionen, die vor allem rund um den Ramadan lanciert werden, gibt es etwa von Dolce & Gabanna (im Bild), aber auch von Mango und Tommy Hilfiger immer wieder.

Kein Wunder: Bis 2019 soll der Markt 480 Milliarden US-Dollar einspielen, wenn man den Prognosen von Thomson Reuters glaubt.