Heirs: Geschmeide für die Fingerspitze

Lauren Cooke verwendet für ihr Wiener Schmucklabel Heirs unter anderem Meteorite. Sie hat in kurzer Zeit schon viel erreicht.

Lokal. Die 30-jährige Britin Lauren Cooke lässt in Wien produzieren.
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Lokal. Die 30-jährige Britin Lauren Cooke lässt in Wien produzieren.
Lokal. Die 30-jährige Britin Lauren Cooke lässt in Wien produzieren. – (c) Christine Pichler

Mit ihrer Namensgebung hätte sich Lauren Cooke vielleicht ein bisschen mehr am österreichischen Englisch orientieren sollen. Ihr Schmucklabel Heirs wird jedenfalls ständig falsch ausgesprochen. Heirs – gesprochen „ers“ – wird hier oft kurzerhand zu „hiers“. „Als ich einen Pop-up-Store im Steffl-Kaufhaus hatte, haben sie gesagt: ‚Die Hiers sind hier‘, und ich habe mir gedacht: ‚Was ist das für eine Marke?‘“, erinnert sich die gebürtige Engländerin, die seit neun Jahren Wien ihr Zuhause nennt. Dabei ist Heirs eine Mischung aus his und her – das Schmucklabel ist unisex – und hat zudem übersetzt die Bedeutung „Erben“.

Spontane Idee. Die Aussprache ist jedoch zweitrangig, denn ob ers oder hiers – die Schmuckstücke der 30-Jährigen stechen jedenfalls ins Auge. Vor allem Ringe, die allesamt nach Sternen benannt sind und über die Fingerspitzen getragen werden, sind das momentane Aushängeschild des jungen Labels, das offiziell im September des Vorjahrs gegründet wurde.

DNA. Innovationen  in Design, Material und Produktion gehören zur Marke.
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DNA. Innovationen  in Design, Material und Produktion gehören zur Marke.
DNA. Innovationen in Design, Material und Produktion gehören zur Marke. – (c) Christine Pichler

Die Schmuckstücke und das Unternehmen, beides entstand durch Zufall. Cooke, die immer wieder mit Stylistin Adia Trischler und Fotograf Andreas Waldschütz zusammenarbeitet, hat die Ringe ursprünglich für einen Film zu einer Designausstellung im Alten Zollamt entworfen. „Mach etwas Verrücktes, wie du es immer machst“, lautete der Arbeitsauftrag. Das positive Feedback veranlasste sie dann dazu, dieses Hobby zur Profession zu machen. Die Affinität zu Schmuck hat sie auch durch ihre Großmutter, die Goldschmiedin war, in die Wiege gelegt bekommen.

„Ich habe sehr viel Schmuck. Jeden Tag trage ich ein Bettelarmband, das ich mit zwölf Jahren bekommen habe. Als ich es beinahe verloren habe, hat mein Herz gerast. Dabei ist es nicht einmal 100 Euro wert.“
Das Know-how hat sie sich durch ihre Arbeit bei dem österreichischen Label AND_I angeeignet, nachdem sie nach drei Jahren in der Modeklasse der Angewandten feststellte, dass sie doch keine Kleider entwerfen wollte. Die Schmuckstücke selbst werden jedoch – so wie es das österreichische Gesetz vorschreibt – von Goldschmieden mit Meisterprüfung gefertigt. Dass sie nicht selbst Hand anlegt, sieht sie als Vorteil: „Ich glaube, man braucht die nötige Distanz, um ein tolles Design zu entwerfen.“

Innovativ. Produziert wird übrigens alles in Wien. „Hier habe ich die besten Goldschmiede und Steinsetzer, die Laserspleißung ist in Hütteldorf“, erklärt sie. Spezialisiert hat sie sich nicht nur auf ungewöhnliche Formen, sondern auch auf innovative Produktionsprozesse und Materialien. „Man muss anders sein. Ich kann nicht mit den großen Marken mithalten, und das will ich auch gar nicht“, erklärt Cooke, wie man als Schmuckdesigner auffällt. Eine neue Art des Plattierens zählt etwa dazu oder auch Argentium-Silber, das nie oxidiert, sowie Schmuck aus echten Meteoriten. „Ich liebe die Vorstellung, dass man einen Stern geschenkt bekommt.“

Ausdrucksstark. Die Ringe waren schon in vielen Magazinen zu sehen.
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Ausdrucksstark. Die Ringe waren schon in vielen Magazinen zu sehen.
Ausdrucksstark. Die Ringe waren schon in vielen Magazinen zu sehen. – (c) Andreas Waldschütz

Zu ihren Kunden zählen sowohl 50-jährige Damen aus Wien als auch Jugendliche aus London und Los Angeles. Ihr Hauptabsatzmarkt ist aber Dubai. „Wenn die Ringe gefallen, dann wird gleich für jeden Finger einer gekauft“, berichtet die Designerin.

Schneller Start. Innerhalb weniger Monate konnte sie bereits einige Erfolge verzeichnen. Und das, obwohl Heirs nur eine Herzensangelegenheit ist, die sie neben unterschiedlichen Freelance-Jobs als Artdirector, Texterin und Englischlehrerin betreibt. Eine Förderung der Wirtschaftskammer gibt ihr jetzt die Möglichkeit, sich mehr auf Heirs zu konzentrieren. „Mein Ziel ist es nicht, einen Haufen Geld zu machen, sondern Spaß zu haben und tolle Leute kennenzulernen.“ Die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu treffen ist ihr bisher gelungen. So hat sie ihre Stücke bei der London Fashion Week vorgestellt, Stars wie Conchita Wurst und Michelle Harper tragen ihre Entwürfe, und bald wird sie auch in einem Showroom in Los Angeles vertreten sein, wo Stylisten und Prominente ein und aus gehen. „Viele Leute wurden auf meinen Social-Media-Accounts auf die Schmuckstücke aufmerksam. Ich liebe Instagram.“ 

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