Die Erziehungsfehler von Ryan Lochtes Eltern

Hätte man Markus Rogan vor den Olympischen Spielen etwas hartnäckiger gefragt, hätte man ja selbst eine sensationelle Coverstory haben können.

Erziehungsfehler Ryan Lochtes Eltern
Erziehungsfehler Ryan Lochtes Eltern
(c) EPA (BARBARA WALTON)

Hätte man Markus Rogan vor den Olympischen Spielen etwas hartnäckiger gefragt, hätte man ja selbst eine sensationelle Coverstory haben können. So aber blieb es der US-Radio-Show „On Air with Ryan Seacrest“ vorbehalten, bei einem Interview mit US-Schwimmer und Goldmedaillengewinner Ryan Lochte die eigentliche Sensation der diesjährigen Sportsaison aufzudecken: Ja, er habe ins Becken gepinkelt. „Nicht während der Rennen, aber beim Aufwärmen.“ Und noch viel heftiger – viele Schwimmer würden das machen. „Das liegt, glaube ich, am Chlorwasser, da muss man automatisch pinkeln.“

Nun kann man derartige Wortmeldungen über das persönliche Erleichterungsverhalten als störendes Beiwerk einer sportlichen Großveranstaltung abtun, oder aber man betrachtet sie im Gegenteil als Salz in der olympischen Suppe, das erst so richtig Identifikationspotenzial mit den Athleten schafft. Denn Lochtes Geständnis könnte vermutlich jeder machen, der als Kind gelegentlich Zeit in Schwimmbädern verbracht hat. Und vermutlich folgt als nächster Schritt in der Assoziationskette auch bei vielen eine Warnung der Eltern – dass es nämlich eine Chemikalie gibt, die den Urin im Wasser leuchtend blau oder rot einfärbt und dem Übeltäter so öffentlich eine äußerst erniedrigende Erfahrung angedeihen lässt: Wenn dann plötzlich das Trillern einer Pfeife ertönt, der Bademeister mit dem Finger auf einen zeigt und man unter den Schmährufen aller Besucher aus dem Becken steigen muss...

Zur Beruhigung sei gesagt, dass ein derartiger Urinindikator nicht mehr ist als Teil einer veralteten Erziehungsmethode, die mit falschen Drohungen und Angst sozial erwünschtes Verhalten generieren soll. Und dass man in keinem Schwimmbad der Welt fürchten muss, plötzlich in einer violetten Suppe zu schwimmen, wenn man gemeinsam mit Ryan Lochte und Markus Rogan in ein Becken steigt.

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

Kommentar zu Artikel:

Die Erziehungsfehler von Ryan Lochtes Eltern

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen